Archiv der Kategorie: Allgemeines

Fridays for Future – Schule schwänzen fürs Klima

Auch in Jena finden seit einigen Wochen immer am Freitag auf dem Holzmarkt Schülerdemos für den Klimaschutz statt. „Freitags für die Zukunft“ ist das einende Motto. Offensichtlich hat die Schülergeneration erkannt, dass, wenn alles weiter so „seinen Gang“ geht, ihre zukünftigen Lebensbedingungen ernsthaft bedroht sind. Ihre Zukunft steht in Frage. Ein Graffito auf dem Fußweg vor dem Eingang des Ernst-Abbe-Gymnasiums im Buchenweg zeigt eine klare Position:

Ich gehe mal davon aus, dass der hier dokumentierte Lernstreik sich darauf bezieht, dass die Schüler in dieser Zeit zur Demo in die Stadt gehen. Dann jedoch ist es eigentlich kein Lernstreik, sondern eine etwas andere Art zu Lernen. Zu lernen, wie die Eltern- und Großelterngeneration, wie die aktuelle Politikergeneration mit der Problematik des Klimawandels umgeht: Lax gesagt, nämlich eigentlich gar nicht.
Es wird kommentarlos der nächste Urlaub in der Karibik oder in Asien geplant. Es wird kommentarlos entschieden, dass das nächste Familienauto einer der seit einigen Jahren angesagten SUVs sein soll. Es werden kommentarlos die nächsten Bestellungen bei Onlineshops vorgenommen, im Wissen darum, dass ein gut Teil davon wieder zurückgeschickt wird, weil ja die Größe erstmal probiert werden muss. Es wird von der Kohlekommission ein Kompromiss vereinbart, der als Ausstiegsziel das Jahr 2038 angibt. Angesichts der neuesten Veröffentlichungen des IPCC ist das eine Jahreszahl jenseits von Gut und Böse, die mit der Erreichung der in Paris beschlossenen Klimaziele nicht viel zu tun hat. Die Politiker finden das gut.
Eigentlich müssten wir als Vertreter der „älteren Generation“ uns schämen. Schämen, weil wir zwar alles tun, damit unsere Kinder und Enkel eine gute Bildung erhalten, ihnen ein Leben so bequem wie möglich gestalten. Aber unter welchen Bedingungen sie zukünftig werden Leben müssen, angesichts der Ressourcenverschwendung, des Klimawandels, der Überschreitung der Planetaren Grenzen – das interessiert uns offensichtlich kaum. Wir sind offensichtlich nicht Willens unseren Lebensstil zu ändern. Selbst ein so simples Ding wie ein Tempolimit von 130 Km/h auf der Autobahn wird abgelehnt – der zuständige Minister bezeichnet das als „gegen jeden Menschenverstand gerichtet“. Was hat dieser Minister für ein Menschenbild? Es gibt absolut keinen sachlichen Grund dafür, das uneingeschränkte Rasen zu erlauben. Ein besserer Verkehrsfluss, weniger schwere Unfallfolgen, eine deutlich verringerte CO2-Emission – all das wäre das Ergebnis eines Tempolimits. Aber natürlich auch ein verringerter Absatz teurer und schneller Autos, die für die Hersteller aber die beste Rendite bringen…
Was bleibt als Fazit? – Wollten wir wirklich vorsorgende Eltern- und Großeltern sein, dann müssten wir unseren Kindern und Enkeln ein Vorbild in umweltbewusstem Handeln sein. Wir müssten im Zweifel selbst auf die Straße gehen um den Politikern zu verdeutlichen, dass eine gute Zukunft für unsere Kinder und Enkel unser wichtigstes Anliegen ist.

Neuntes Gesetze zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes – Vorsicht, Sie werden überwacht

Es gibt Momente, in denen ich mich frage, ob wirklich noch alles mit rechten Dingen zugeht. Heute erfahre von mehreren Seiten, dass das Verkehrsministerium plant, zur Kontrolle der gerichtlich angeordneten Fahrverbote von Dieselfahrzeugen in einigen Städten eine automatisierte Überwachung der in diese Gebiete einfahrenden Fahrzeuge einzuführen. Dabei sollen das Fahrzeugkennzeichen, bestimmte Fahrzeugmerkmale, ein Bild des Fahrzeugs und der Fahrerin bzw. des Fahrers sowie Zeit und Ort erfasst und die Daten online mit dem zentralen Fahrzeugregister des Kraftfahr-Bundesamtes abgeglichen und somit ein unberechtigtes Befahren ermittelt und entsprechend geahndet werden.
Hierbei handelt es sich um eine völlig unverhältnismäßige Maßnahme, die vermutlich auch verfassungswidrig ist. Als besonders perfide empfinde ich die Begründung des Gesetzentwurfs – Zitat aus der Präambel:

„Um aufgrund des § 40 des Bundes- Immissionsschutzgesetzes nach Maßgabe der straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften angeordnete oder aufgrund straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften zum Schutz der Wohnbevölkerung und der Bevölkerung vor Abgasen ergangene Verkehrsbeschränkungen und Verkehrsverbote effektiv vollziehen und überwachen zu können, muss deren Einhaltung fahrzeugindividuell überprüft werden können. Die zuständigen Überwachungsbehörden sollen hierzu im Rahmen von Kontrollen bestimmte Daten, auch automatisiert, erheben, speichern und verwenden sowie auf die Daten des Zentralen Fahrzeugregisters zugreifen können.“

Hier wird also der „Schutz der Bevölkerung vor Abgasen“ als Begründung dafür herangezogen, eine Massenüberwachung zu inszenieren. Wie wäre es denn mit einem anderen Verkehrskonzept, Herr Minister? Oder wenigstens mit einer konsequenten Anwendung des Verursacherprinzips und der Verpflichtung für die Hersteller, ihre Fahrzeuge auf den Stand zu bringen, den sie laut Zulassung eigentlich haben sollten?
Und als bodenlose Frechheit in dem Entwurf empfinde ich folgende lapidare Feststellung:

„Alternativen: Keine.“

Fangen wir doch einmal ganz klein an mit einer simplen „blauen Plakette“. Oder etwas größer mit kleinen RFID-Chips, wie in einem Beitrag bei Heise.online erwähnt. Oder besser mit der Nachrüstung der betreffenden PKWs oder am allerbesten mit einem umweltfreundlichen, nachhaltigen und klimatauglichen Verkehrskonzept. Alternativen sollte es immer geben.
Zu den Datenschutz-Aspekten hat sich Digitalcourage e. V. ausführlich geäußert. Hier kann man auch eine Petition an den Bundestag mit unterzeichnen, die sich gegen diese Überwachung wendet.

Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) über die Folgen von 1,5°C globaler Erwärmung vom 8. Oktober 2018

Am 8. Oktober 2018 wurde vom Weltklimarat (IPCC) ein Sonderbericht mit dem vollständigen Titel „1,5°C globale Erwärmung – Der IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5°C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bemühungen zur Beseitigung von Armut“ veröffentlicht.

Der Bericht soll vor allem die Unterschiede darstellen, wenn, wie in Paris Ende 2015 beschlossen, die globale mittlere Temperaturerhöhung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf 1,5°C begrenzt werden kann gegenüber einer Erhöhung um 2°C. Dieser Wert wird allgemein als „Leitplanke“ betrachtet, deren Überschreitung drastische und irreversible Verschlechterungen für die Lebensbedingungen der gesamten Menschheit mit sich bringen würde. Gleichzeitig soll dieser Zwischenbericht mögliche Entwicklungspfade und Handlungsoptionen aufzeigen, die eine Einhaltung des 1,5°C-Zieles grundsätzlich noch ermöglichen. Für den Bericht wurden etwa 6.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen ausgewertet und zusammengefasst.
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Willkommen in der Heißzeit

In Kürze soll es – wenigstens für einige Zeit – wieder abkühlen. Inzwischen überstürzen sich Hitzerekorde, die bald keine Rekorde mehr sein werden, sondern sommerlicher Alltag. Wie sich die Vegetation in Europa dabei verändert, zeigt ein eindrücklicher Film von der ESA :

Die Häufigkeit solcher Dürren wird stark zunehmen. Auf Grundlage eines Szenarios des Klimawandels (bei dem es „so weiter“ geht mit der CO2-Emission und der Erwärmung) zeigt die Veränderung der Dürrehäufigkeit in der jüngsten Vergangenheit (links) und am Ende des 21. Jahrhunderts, das viele, die dies hier lesen, wohl noch erreichen werden.

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Phantasie und Tiere in Speckstein

Vor kurzem griffen wir wieder eine alte Tradition auf und trafen uns zu einem gemeinsamen praktischen Tun: Wir bearbeiten Speckstein. Hier gibts die Ergebnisse:

(Die Katze links oben wurde am nächsten Tag noch fertiggestellt und ein Schwan kam noch hinzu…)

Elektromobilität – ein Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels?

Vor einer Woche –am 26. Mai 2018 fand in Jena der Familien- und Umwelttag statt, auf dem das Klimanetz Jena und Umgebung und damit auch wir als Zukunftswerkstatt Jena in unserer Eigenschaft als Mitglied des Klimanetzes vertreten waren. Wir gestalten in jedem Jahr aus diesem Anlass ein Poster zu einem jeweils aktuellen Klima-Thema. Das Thema in diesem Jahr war die Elektromobilität. Das Poster kann an dieser Stelle heruntergeladen werden. Zur Erläuterung des Posters sind die folgenden Zeilen gedacht.
Bis vor wenigen Jahren war es die Strategie der deutschen Automobilkonzerne zur Verringerung des CO2-Ausstoßes ihrer Neuwagenflotte auf Dieselmotoren zu setzen. Tatsächlich haben Dieselmotoren einen besseren thermodynamischen Wirkungsgrad, verbrauchen somit weniger Treibstoff und emittieren weniger Kohlendioxid.

VW Golf TDI clean diesel

VW Golf TDI clean diesel – Bildquelle: Wikipedia – Mario Roberto Duran Ortiz

Genau das führt jedoch zu einer verstärkten Emission von Stickoxiden (NOx), die ein Atemgift sind. Die Neutralisierung der Stickoxide durch geregelte Zufuhr von Harnstoff in das Abgas ist technisch sehr aufwendig, sehr teuer und schwierig handhabbar und wurde deshalb nicht bzw. nur unzureichend eingesetzt.
Diese Diesel-Strategie ist 2015 gescheitert, weil Zulassungsvoraussetzungen manipuliert wurden: „Dieselgate“ ist dafür die heute übliche Bezeichnung. Die politische Konsequenz besteht in Deutschland nicht etwa darin, diese Probleme aufzuarbeiten und die Konzerne zu zwingen, den von ihnen angerichteten Schaden deutlich zu begrenzen – nicht nur mit ein paar Software-Updates – sondern, vielleicht mit dem berühmten „Blick nach vorn“, einfach die Elektromobilität massiv zu fördern. Weiterlesen

Datenpanne? Datenaffäre? Datenleck? – Nein: Genau das ist das Facebook Geschäftsmodell

Die Wellen schlugen hoch, als bekannt wurde, dass Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern extern abgegriffen und weiterverarbeitet wurden. Meldungen dazu u. a. bei Tagesschau oder heise.de.
Ich weiß nicht, ob wirklich jemand darauf vertraut hat, dass seine Daten bei Facebook (oder WhatsApp oder Instagram oder Twitter oder …) auch dort bleiben und nur den „Freunden“ zugänglich sind. Mir wurde bei entsprechenden Diskussionen üblicherweise entgegnet, dass man ja nichts zu verbergen hätte und das ja letztlich auch alles so schlimm nicht sein könne. Und außerdem sei es ja nun sowieso zu spät … Nun ja, das muss letztlich jeder Nutzer mit sich selbst ausmachen.
Was ich an dieser Geschichte interessant finde, ist, dass sich aus diesem Anlass heraus die Gelegenheit für mich ergab, einmal hinter die Kulissen des Geschäfts zu schauen. Vor längerer Zeit erschien in der Schweizer Zeitschrift „Das Magazin“ ein Beitrag, der wiederum auf den Seiten der Informatik-Fakultät der Universität Bremen als Literaturquelle verfügbar ist.
Hier wird die Story auch für Laien gut nachvollziehbar erzählt. Und insbesondere in den letzten Sätzen der Geschichte steckt das Fatale: Mit den in dem Artikel beschriebenen Methoden der gezielten, individuell exakt zugeschnittenen Werbung ist es möglich, den Werbeerfolg (Klick auf die Anzeige und Kauf des Produkts) um 1.400% zu steigern. Nun ist auch das sicher ein statistischer Wert, der für den jeweiligen Einzelfall keine Aussage erlaubt – aber Wahrscheinlichkeiten sind, vor allem bei großen Zahlen, sehr gute Kalkulationsgrößen. Bei der Vielzahl dieser Fälle würde ich sehr wohl von gezielter Manipulation sprechen.
Und noch etwas möchte ich in diesem Zusammenhang bemerken: Der Grund, bei diesen Netzwerken mitzumachen ist oftmals ein gewisser Gruppendruck. Wenn die Mehrzahl meiner Freunde bei Facebook oder WhatsApp ist und ich will an deren Kommunikation teilhaben, dann muss ich wohl oder übel auch mitmachen. Vernünftige Argumente, andere, nichtkommerzielle und offene, dezentral verwaltete Dienste zu nutzen, zählen ab einem gewissen Punkt nicht mehr. Ich weiß dann immer nicht so recht ob das Faulheit, Trägheit, Unbedarftheit oder Ignoranz ist.
Und warum in diesem Zusammenhang auf öffentlich rechtlichen Nachrichtenseiten Facebook-Like-Buttons angezeigt werden oder üblicherweise kritische Nachrichtensendungen wie Monitor, Panorama, Frontal21 oder quer anbieten, nach der Sendung mit den Zuschauern auf Facebook oder Twitter weiter zu diskutieren – das wissen wohl auch nur die Intendanten bzw. Redakteure. So richtig nachvollziehbar ist das für mich nicht.

Klima- oder gesellschaftlicher Umbruch

Ein Vierteljahrhundert geht dieser Zirkus nun schon. Eine Umwelt- und Klimakonferenz jagt die nächste. Jetzt macht der Zirkus wieder mal in Deutschland halt, beim Bonner Klimagipfel 2017. Die Lage könnte nicht ernster sein. Gerade wurde mitgeteilt, dass im Jahr 2016 die CO2-Konzentration um 50 Prozent schneller stieg als im Schnitt der vergangenen 10 Jahre. Neben einem Einfluss durch den El Nino-Effekt sind dafür wieder menschliche Aktivitäten verantwortlich. Und das hat Folgen (WMO 2017). Die bisherigen Emissionen führen bereits zu einem deutlichen globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg seit mindestens 40 Jahren:


Und in dem Vierteljahrhundert, seitdem Bemühungen um eine Reduzierung begonnen haben, wurde nur wenig erreicht. Der Anstieg überschreitet die damals prognostizierten pessimistischsten Szenarien. Dabei ist inzwischen bekannt, dass die Folgen einer globalen Erwärmung drastischer ausfallen, als noch gedacht wurde, als das 2-Grad-Ziel ausgerufen wurde. In Paris wurde deshalb anerkannt, dass der Temperaturanstieg bei unter 1,5 Grad gehalten werden müsse, um große Schäden zu verhindern. Davon sind wir weiter entfernt als je zuvor.

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