Archiv der Kategorie: Allgemeines

Rekordtemperaturen in Mitteleuropa im Mai und Juni 2026

Die Hitzetage der vergangenen Woche werden uns wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Sowohl wegen der erreichten absoluten Temperaturen als auch wegen ihres frühzeitigen Auftretens bereits im Juni. Mehrfach purzelten die Temperaturrekorde sowohl für einen Juni als auch absolut jemals gemessene seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei war dies bereits die zweite Hitzewelle in diesem Jahr. Für die erste Hitzewelle Ende Mai liegen vom Klimawandel-Service des copernicus-Projekts bereits ausgewertete Daten vor:

Hitzeglocke Mitteleuropa Mai 2026

Die tägliche oberflächennahe Lufttemperatur (°C) wurde über Westeuropa (11° W-15° E, 34-55° N) für die Jahre von 1940 bis 2025 jeweils für den Zeitraum vom 1. März bis 1. September gemittelt. Diese Werte sind im Hintergrund mit schwach rosa Linien dargestellt. Der Tagesdurchschnitt für den Referenzzeitraum 1991-2020 wird mit einer gestrichelten roten Linie angezeigt. Die Werte für das Jahr 2026 sind als dicke rote Linie aufgetragen. Quelle: Copernicus

Hitzestress

Nun sind gemessene Temperaturen das Eine, und sicher für die Statistik unverzichtbar. Unsere Empfindungen bei solchen Verhältnissen sind aber etwas Anderes: Wir fühlen nicht nur die Temperatur als solche, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, den Wind und die Sonneneinstrahlung. Werden diese Einflüsse mit berücksichtigt, spricht man von einer sogenannten gefühlten Temperatur. Diese erreichte in den vergangenen Hitzetagen laut dem ERA5-HEAT-Datensatz in weiten Teilen Westeuropas 35 ° C bis 40 °C. Die Werte entsprachen den Hitzestressbedingungen „stark“ (über 32°C) und „sehr stark“ (über 38°C).

Die Hitzewelle führte dazu, dass zahlreiche nationale und lokale Rekorde gebrochen wurden, sowohl für Tages- als auch für Nachttemperaturen. Damit verbunden waren erhebliche gesundheitliche Auswirkungen in allen betroffenen Ländern Westeuropas.

Anhaltende Hochdruckbedingungen

Verbunden war die Hitzewelle mit einem stabilen, nahezu stationären Hochdruckgebiet, was zu einer Ausprägung eines heat domes, einer Wärmekuppel, über Westeuropa führte. Dieses Wettermuster, das häufig bei großen Sommerhitzewellen beobachtet wird, führt zu längerer Sonneneinstrahlung, verbunden mit schwachen Winden und begünstigte somit die starke Aufheizung. An der Westflanke des Hochdruckgebietes wurde auch heiße Luft aus Marokko nach Norden transportiert, was wahrscheinlich zu den ungewöhnlich hohen Temperaturen in den nach Atlantik ausgerichteten Regionen beiträgt.

Schneller Übergang von kühler als durchschnittlich zu Hitzewelle

Die erste Hitzewelle Anfang Juni kam unmittelbar nach einer Zeit, in der die Bedingungen in weiten Teilen West- und Mitteleuropas kälter als im Durchschnitt waren. Durch den schnellen Übergang Ende Mai zu der anschließenden Hitzeperiode hatte der menschliche Körper wenig Zeit, sich an die viel höheren Temperaturen zu gewöhnen, was die Stress-Auswirkungen auf die Bevölkerung erhöht. Das frühe Timing setzte auch Vegetation und Ökosysteme zu Beginn der Vegetationsperiode extremer Hitze aus.

Temperatur-Anomalien Mai 2026 in Mitteleuropa

Durchschnittliche tägliche Oberflächenlufttemperaturanomalie (links) vom 11. bis 19. Mai 2026 und (rechts) vom 21. bis 30. Mai 2026 im Vergleich zum entsprechenden Durchschnitt für den Zeitraum 1991–2020. Datenquelle: ERA5. Quelle: Copernicus

Starke bis schwere marine Hitzewellen

So wie die Hitzewelle über dem Festland Mitteleuropas wurde auch in den Seegebieten um Großbritannien und Irland, im Golf von Biskaya und im westlichen Mittelmeer eine entsprechende Hitzewelle beobachtet. Das warme Wasser wurde wahrscheinlich durch die gleichen sonnigen und windarmen Bedingungen begünstigt.

Langfristiger Kontext: Die rasche Erwärmung Europas

Obwohl es so früh im Jahr bemerkenswert ist, stimmt dieses Ereignis mit der schnellen Erwärmung Europas und der zunehmenden Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen überein, die bereits im Sommer beobachtet wurden. Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent, mit einer Erwärmungsrate von etwa 0,56 °C pro Jahrzehnt seit Mitte der 1990er Jahre, mehr als doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Während sich das europäische Klima weiter erwärmt, werden Hitzewellen voraussichtlich sowohl immer früher als auch später im Jahr über den Sommer hinaus auftreten. Und in Verbindung mit den typischen Hochdruckwetterlagen werden sie länger dauern und zu höheren Temperaturen führen.

Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits im 5. Sachstandsbericht des IPCC 2013 prognostiziert wurde – dort allerdings charakterisiert als „ausgeprägt“ für die 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts. Dass dieser vorhergesagte Trend bereits jetzt deutlich spürbar ist belegt die Dringlichkeit des Problems.

Aktuell neue Rekordwerte gemessen

Aktuell droht die Situation sich weiter zu verschärfen. Wie der Copernicus Dienst zur Meeresumweltüberwachung und der Copernicus Dienst zum Klimawandel melden [https://climate.copernicus.eu/copernicus-marine-and-copernicus-climate-change-daily-global-sea-surface-temperatures-break-records], brechen die täglichen globalen Meeresoberflächentemperaturen alle Rekorde für die Jahreszeit.

Temperaturekorde in Meer Juni 2026

Temperaturekorde in Meer Juni 2026

Beide Dienste bestätigen, dass die globalen Meeresoberflächentemperaturen (SST) nun die 2023 und 2024 beobachteten Rekordwerte für diese Jahreszeit überschritten haben. Die täglichen SST-Daten des C3S übertrafen am 21. Juni mit 20,86 °C die Werte von 2024 und lagen geringfügig über den 20,83 °C der Jahre 2023 und 2024. Auch die täglichen SST-Daten des CMEMS wiesen am 21. Juni Rekordtemperaturen von 21,0 °C aus und übertrafen die bisherigen Rekorde aus den Jahren 2023 und 2024 um 0,1 °C.

Der neue globale Rekordwert für die Meeresoberflächentemperatur zu dieser Jahreszeit war nach der Ankündigung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 2. Juni 2026 zum Beginn von El-Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik sowie den in den vergangenen Monaten in mehreren Ozeanregionen ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen zu erwarten. Prognosen zufolge wird dieser Rekord Auswirkungen auf Wetterverläufe, das globale Klima und marine Ökosysteme haben.

Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Dienstes bemerkte dazu:

„Die aktuellen Bedingungen könnten auf den Beginn einer neuen Phase hindeuten, die uns wieder einmal in unbekanntes Terrain führen wird. Angesichts dieser Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El-Niño-Ereignisses werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen.“

Konsequenzen?

Dass grundlegende und konsequente Reaktionen angesichts der realen Bedingungen von Hitzewellen und der unmittelbar drohenden Verschärfung der Probleme nötig sind, werden wohl nur noch Voll-Ignorant:innen bestreiten. Was aber wird unternommen? – Kommunen werden beauftragt, Hitzeschutzpläne zu erarbeiten, deren Umsetzung an der Finanzierung scheitert. Flächen sollen entsiegelt werden. Das Gegenteil passiert – in Jena wird gerade im Ortsteil Münchenroda eine Grünfläche für die Bebauung mit Einfamilienhäusern geplant.

Hitzeschutz besteht vor allem aus nett gemeinten Hinweisen an die Bevölkerung, wie sie sich bei extremen Temperaturen verhalten soll. Ob dabei einige öffentliche Trinkbrunnen im Stadtgebiet der Durchbruch sind, ist fraglich.

Ursache sind die durch unsere Lebens- und Wirtschaftsweise seit der Industrialisierung emittierten Treibhausgase, zuallererst CO2. Eine ernsthafte Reduzierung der Emissionen sollte natürlich bei den größten Emittenten beginnen. Dabei tragen wenige große Unternehmen maßgeblich zur CO2-Belastung bei: 2024 gingen laut der Datenbank Carbon Majors mehr als die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen auf lediglich 32 Konzerne zurück.  Solange in der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise – genannt Kapitalismus – der Profit die bestimmende Wirtschaftsgröße ist und fortwährendes Wachstum einschließlich Raubbau an Mensch und Natur erzwingt, werden wir das Problem nicht lösen. Ich kenne nur einen sinnvollen Ansatz: Schnellstmögliche Transformation zu einem ökologischen sozialistischen System. Streng genommen ist es dafür aber wohl schon zu spät. Deshalb bleibt nur der Kampf um jedes zehntel Grad vermiedene Erderwärmung.

Klimaberichterstattung im TV – war da mal was?

Ein Anliegen dieses Blogs ist es, das Thema Klimakrise immer wieder zu benennen. Schließlich ist das die größte Krise unserer Zeit, wenn auch Kriege momentan die öffentliche Berichterstattung dominieren. Heute ist mir ein Kommentar aufgefallen, der das Problem der unzureichenden Medienberichterstattung bezüglich der Klimakrise in den Fokus nimmt.

Vielleicht sind dem Einen oder Anderen die kurzen Berichte „… vor acht“ in der ARD bekannt. Da gibt es das Wetter vor acht, die Wirtschaft vor acht, das Wissen vor acht und auch das Klima vor acht. Relativ selten, wie nicht nur mir aufgefallen ist. Es gibt eine Initiative „Klima vor acht e. V.“, welche die Häufigkeit der Beiträge in ARD und ZDF, in denen es um das Thema Klimawandel geht, systematisch erfasst hat.

„Das Ergebnis ist alarmierend“ wird dabei festgestellt. Ich find diesen Begriff fast noch harmlos angesichts der Dringlichkeit, gegen die Klimakrise anzugehen.

Hier die Statistik, welche „Klima vor acht e. V.“ ermittelt hat:

  • 2023: 2,20 % (Das Erste) / 1,95 % (ZDF)
  • 2024: 1,49 % / 1,43 %
  • 2025: 1,29 % / 1,29 %
  • 2026 bisher: 0,80 % / 0,70 %

Die Klimaberichterstattung hat sich seit 2023 mehr als halbiert. Bei beiden Sendern.

Anteil der Sendungen zum Thema Klimawandel in ARD und ZDFQuelle: Klima vor acht e. V.

Während die Erderhitzung immer neue Rekorde bricht, sinkt die Berichterstattung auf ein historisches Tief. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen klaren Informationsauftrag – und wird ihm beim Thema Klima immer weniger gerecht. Die Vorständin des „Klima vor acht e. V.“, Friederike Mayer sagt in diesem Post:

„Wir messen bei ‚das Erste‘ und ZDF so wenig Klimaberichterstattung wie noch nie. Die größte Krise unserer Zeit wird vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk schlicht totgeschwiegen – und das, obwohl er einen klaren Informationsauftrag hat. Während die Erderhitzung immer neue Rekorde bricht, sinkt die Berichterstattung auf ein historisches Tief.“

Das Kopf-in-den-Sand-stecken der Medien lässt das Thema jedoch nicht verschwinden. Es wird wohl vor allem dazu führen, dass die Probleme noch viel größer werden.

Wärmewende in Jena

Die Wärmeversorgung in Deutschland macht mehr als 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus und basiert zu etwa 80 Prozent auf fossilen Brennstoffen. Deshalb ist eine Transformation in diesem Bereich besonders wichtig. Dieser Prozess wird vor allem durch zwei Bundesgesetze begleitet:

  • das Wärmeplanungsgesetz (WPG)

Es regelt die Erstellung von Wärmeplänen in den Gemeinden. Darin werden Empfehlungen erarbeitet, welche Art der Wärmeversorgung in welchen Quartieren eines Ortes zukünftig die optimale Variante ist. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis 30. Juni 2026 einen kommunalen Wärmeplan erstellen. Der Jenaer Wärmeplan wurde am 25. Juni 2025 vom Stadtrat beschlossen.

  • das Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Dieses ist mit dem Wärmeplanungsgesetz verzahnt. In ihm ist festgelegt, welche technischen Anforderungen bei der Umstellung einer Heizung auf Basis fossiler Energien (Gas, Öl) auf eine Heizung auf Basis erneuerbarer Energien (Strom, Solar) erfüllt sein müssen. Neben wichtigen Terminen sind hier auch die Förderbedingungen festgelegt.

Der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist erheblich und dringend. Leider sind viele Menschen angesichts der Komplexität der Problematik, welche sich in den genannten Gesetzen widerspiegelt verunsichert und warten lieber ab, wie sich die Sache weiterentwickelt. Hinzu kommt, dass durch die aktuelle Bundesregierung die begonnene Entwicklung teilweise wieder in Frage gestellt wird. (Tagesschau 15.09.25 (1) und Tagesschau 15.09.25 (2))

Die Parents for Future und die Scientists for Future haben für die spezifische Situation in Jena ein Info-Blatt erstellt, welches grundlegende Informationen zur Wärmewende mit konkreten, lokalen Informationen sowie Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten verbindet. Dieses Material kann nachfolgend als PDF-Dokument heruntergeladen werden:

Ebenso wurde eine Kalkulationstabelle erarbeitet, welche die Kosten der Umstellung einer Heizung von Gas auf eine Wärmepumpe über 20 Jahre ermittelt. Die Tabelle kann in zwei Formaten heruntergeladen und kostenlos verwendet werden.

Change by Design or Change by Disaster

In der Zukunftswerkstatt haben wir in den letzten Wochen vor allem diskutiert, wie angesichts der Verschärfung der Klimakrise und der zunehmenden Überschreitung der planetaren Grenzen  eine notwendige sozial-ökologische Transformation vonstattengehen könnte. Bekannt ist sicher der Slogan „Change by Design or Change by Disaster“. Hier kommt zum Ausdruck, dass eine Transformation angesichts der Übernutzung der Ressourcen und der damit verbundenen Zerstörung unserer Lebensgrundlagen erfolgen wird. Die Frage ist nur wie: Gelingt uns ein mehr oder weniger geordneter Übergang zu einer Gesellschaft, die diese Lebensgrundlagen respektiert und weitgehend erhält oder wird einfach weiter auf ungezügeltes Wachstum gesetzt bis ein Kollaps die Tatsachen schafft?

Im Philosophenstübchenblog von Annette findet sich zu diesem Thema eine ganze Serie von Beiträgen.

Im Ergebnis unserer Diskussionen, haben wir anlässlich des am 24. Mai stattfindenden Jenaer Umwelttages ein Poster erstellt, das sich diesen Fragen zusammenfassend widmet. Das Poster steht hier zum Download zur Verfügung. Eine Vorschau ist nachfolgend abgebildet.

Poster - Vorschau

Poster – Vorschau

Klimaschäden – verursacht durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine

Das Zentrum für Umweltinitiativen „ecoaction“ aus Kiew ist eine zivilgesellschaftliche Organisation in der Ukraine im Umweltbereich. Eine Arbeitsgruppe dieser Initiative unter Leitung von Lennard de Klerk hat die Klimaschäden, die im Verlauf des bereits drei Jahre andauernden Krieges entstanden sind, analysiert und in einem Bericht veröffentlicht.

Dabei ermittelten sie, dass die Treibhausgasemissionen durch die unmittelbaren Kampfhandlungen, den erforderlichen Wiederaufbau von Gebäuden, durch Landschaftsbrände, Schäden an der Energieinfrastruktur, die Fluchtbewegung der Zivilbevölkerung und die zivile Luftfahrt im dritten Kriegsjahr um 30 % – entsprechend 55 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (CO2e) – gestiegen sind. Somit sind kriegsbedingt insgesamt 230 MtCO2e seit Beginn der Invasion am 24. Februar 2022 emittiert worden. Die Emissionen entsprechen dem Äquivalent der jährlichen Emissionen von Österreich, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei zusammen. Oder, um einen anderen Vergleich zu bemühen, den jährlichen Emissionen von 120 Millionen mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftfahrzeugen.

Den größten Anteil an den Emissionen wie auch den größten Zuwachs im vergangenen Jahr hat die unmittelbare Kriegsführung, was hauptsächlich auf die fortgesetzte Verwendung großer Mengen an fossilen Treibstoffen und Munition zurückzuführen ist. Die Emissionen aus einer anderen großen Kategorie, dem Wiederaufbau von beschädigten Gebäuden und Infrastrukturen, wuchsen langsamer, da die meisten Schäden in den ersten Wochen und Monaten nach der umfassenden Invasion entstanden.

Sektoranteile der CO2-Emissionen

Sektoranteile der CO2-Emissionen

Durch den Krieg verursachte Waldbrände eskalierten 2024 dramatisch. So verdoppelten sich fast die verbrannten Flächen in der Ukraine von durchschnittlich 38,3 Tausend Hektar pro Jahr in den beiden Vorjahren auf 92,1 Tausend Hektar im Jahr 2024. Die Emissionen aus allen Landschaftsbränden, einschließlich der Waldbrände, stiegen mit 25,8 MtCO2e im Jahr 2024, auf einen neuen Gesamtbetrag in allen drei Jahren von 48,7 MtCO2e. Wie in der folgenden Abbildung erkennbar ist, ereigneten sich die meisten Brände an oder in der Nähe der Frontlinien oder in Grenzgebieten.

Die klimatologische Analyse zeigte, dass der Sommer 2024 viel trockener war als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, was wahrscheinlich auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Diese trockenen Bedingungen schufen die idealen Voraussetzungen dafür, dass Brände, die durch die laufenden Kriegshandlungen verursacht wurden sich dann zu größeren Bränden ausweiten. Da es für die Feuerwehr gefährlich ist, im unmittelbaren Kriegsgebiet zu löschen, wüten diese Brände unkontrolliert weiter und werden immer größer und intensiver. Sie führen zu Kohlendioxidemissionen und zerstören die Vegetation und andere natürliche Kohlenstoffsenken. Das Jahr 2024 ist ein beunruhigendes Beispiel dafür, wie Klimawandel und bewaffnete Konflikte sich gegenseitig verstärken und zu einer verstärkten globalen Erwärmung führen. Es ist ein Kreislauf der Zerstörung.

kriegsbedingte Brände als Emissionsquellen

kriegsbedingte Brände als Emissionsquellen

Die Zerstörung der Energieinfrastruktur verursachte weitere 2,8 Millionen Tonnen CO2e (+16%) in den in den letzten 12 Monaten, so dass sich der Gesamtwert auf 19,0 MtCO2e seit 2022 beläuft.

Die Zerstörung der zivilen Infrastruktur verursachte weitere 6,2 Millionen Tonnen CO2e (+11%) in den letzten 12 Monaten, so dass sich die Gesamtmenge in diesem Bereich auf 62,2 MtCO2e seit 2022 beläuft. Obwohl die meisten Schäden in den ersten Wochen des Konflikts verursacht wurden, sind die städtischen Zentren nahe der Front noch immer stark beschädigt. Die russischen Streitkräfte besetzten langsam aber stetig weitere Gebiete in der Ostukraine und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Für den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude werden riesige Mengen an Baumaterialien benötigt, von denen kohlenstoffintensiver Beton und Stahl über 80 % der künftigen Wiederaufbauemissionen verursachen werden.

Ein nicht geringer Anteil von Emissionen resultiert aus der Tatsache, dass der Luftraum über den Kriegsgebieten für die zivile Luftfahrt weiträumig gesperrt ist. Eine neue und einzigartige Analyse basiert auf Echtzeit-Flugdaten von über 350.000 jährlichen Flügen über Russland, der Ukraine und Weißrussland vor der Invasion und den umgeleiteten und längeren Flugrouten, die diese Flüge aufgrund der Luftraumsperrung nehmen müssen. Die daraus resultierenden zusätzlichen Emissionen betragen 4,8 Millionen tCO2e, so dass sich die diesbezüglichen Gesamtemissionen auf 14,4 Millionen tCO2e nach drei Jahren des Krieges belaufen.

Insgesamt ist der Bericht ein klarer Beleg dafür, dass Kriege im Allgemeinen und der russische Angriffskrieg in der Ukraine im Speziellen nicht nur großes menschliches Leid und materielle Zerstörungen verursachen, sondern auch die Klimakrise weiter verschärfen. Kampf gegen den Klimawandel muss deshalb immer auch Kampf um Frieden sein.

Fortschritte beim Klimaschutz nicht ausreichend – Klimapolitik breiter denken

Bericht des Expertenrats für Klimafragen

Der Expertenrat für Klimafragen hat den gesetzlichen Auftrag die Entwicklungen und Trends der Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik zu untersuchen und die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und sozialen Verteilungswirkungen zu bewerten. Er gibt darüber hinaus eine Einordnung zur Ausrichtung der zukünftigen Klimaschutzpolitik Deutschlands und formuliert dabei Anforderungen an das Klimaschutzprogramm, das eine neue Bundesregierung innerhalb des ersten Jahres der Legislaturperiode vorlegen muss. Am 5. Februar 2025 hat der Expertenrat sein Zweijahresgutachten veröffentlicht.

Der Trend des Rückgangs der Treibhausgasemissionen von 2014 bis 2023 hat sich im Vergleich zur Dekade 2010 bis 2019 beschleunigt. Diese Fortschritte beruhen vor allem auf den Emissionsminderungen in den Bereichen Energie und Industrie. Im Energiebereich beruhen diese vor allem auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien. In der Industrie waren vor allem höhere Energiepreise sowie konjunkturelle und strukturelle Nachfragerückgänge für die Emissionsminderung verantwortlich. In den beiden Sektoren Gebäude und Verkehr ist die Emissionsminderung hingegen unzureichend. Problematisch ist die Entwicklung im Sektor Landnutzung LULUCF, der eine Nettoquelle statt, wie geplant, eine Nettosenke darstellt. Insgesamt reichen die bisherigen Ergebnisse nicht aus, die gesetzlich festgelegten Klimaziele bis 2030 zu erreichen.

Zum anderen richtet sich der Blick auf die Betroffenheit der privaten Haushalte, insbesondere vulnerable Gruppen innerhalb der Gesellschaft. „Private Haushalte sind vor allem in den Nachfragesektoren Gebäude und Verkehr von finanziellen Auswirkungen verschiedener Maßnahmen betroffen. Zudem weisen einige Maßnahmen ein soziales Ungleichgewicht auf, so wurden bisher primär einkommensstarke Haushalte gefördert“, merkt die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Knopf an. „Diese negativen Verteilungswirkungen könnten durch steigende CO2-Preise noch verstärkt werden. Daher sind zusätzliche Unterstützungs- und Kompensationsmaßnahmen erforderlich.“ Der Expertenrat empfiehlt, die sozialen Auswirkungen bei der Ausgestaltung klimapolitischer Maßnahmen künftig stärker mit einzubeziehen und nennt einige Maßnahmenbeispiele zu deren Adressierung.

Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl

Betrachtet man die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl 2025 für den Bereich Klima und Energie so zeigt sich, dass dieses Thema nicht unbedingt im Vordergrund steht. Ein klares Bekenntnis zu 100% erneuerbarer Energieversorgung findet sich lediglich bei der Partei die Linke. Vielfach ist nur davon die Rede, die Energie möglichst billig, sprich fossil, anzubieten bzw. wird die erneute Nutzung von Kernenergie propagiert. Damit werden die gesetzlichen Klimaziele der Bundesrepublik wie auch der EU konterkariert.

Position des Aktionsbündnis Klima und Umwelt Jena zur Bundestagswahl

Aus Sicht des Aktionsbündnisses muss dem Themenkomplex Klima und Energie eine deutlich höhere Priorität in der Politik zukommen. Wie auch der Expertenrat hervorhebt, müssen dabei die Konsequenzen vor allem für die sozial schwachen Haushalte beachtet und für einen wirksamen Ausgleich der zu erwartenden Belastungen gesorgt werden.

Am 4. Februar haben Mitglieder des Aktionsbündnisses ihre Position bei einem Flashmob in einer SilentLine zum Ausdruck gebracht.

SilentLine des ABKU Jena

SilentLine des ABKU Jena

Keine heiße Luft mehr … bitte!

Am 24. Oktober 2024 wurde der UN-Emissions Gap Report veröffentlicht.

„Zwischen Rhetorik und Realität klafft eine große Lücke, Länder entwerfen neue Klimaverpflichtungen“ – so ist der Report untertitelt. Dass ein sofortiges konsequentes Handeln zwingend notwendig ist, belegt gleichzeitig eine Veröffentlichung des Europäischen Umwelt- Überwachungsprogramms Copernicus. Es titelt in seinem monatlichen Bulletin vom 7. November 2024: „Das Jahr 2024 wird das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen sein.“

Der stellvertretende Direktor des Copernicus Climate Change Service äußerte sich dazu: „Nach 10 Monaten 2024 ist es nun so gut wie sicher, dass 2024 das wärmste Jahr in den Aufzeichnungen und das erste Jahr mit mehr als 1,5ºC über dem vorindustriellen Niveau gemäß dem ERA5-Datensatz sein wird. Dies stellt einen neuen Meilenstein in den globalen Temperaturaufzeichnungen dar und sollte als Katalysator dienen, um die Ambitionen für die bevorstehende Klimakonferenz COP29 zu erhöhen.“

Jährliche Anomalien der globalen Oberflächenlufttemperatur (°C) im Vergleich zu 1850-1900 von 1940 bis 2024. Die Schätzung für 2024 ist vorläufig und basiert auf Daten von Januar bis Oktober. Datenquelle: ERA5. Kredit: Copernicus Climate Change Service /ECMWF

Jährliche Anomalien der globalen Oberflächenlufttemperatur (°C) im Vergleich zu 1850-1900 von 1940 bis 2024. Die Schätzung für 2024 ist vorläufig und basiert auf Daten von Januar bis Oktober. Datenquelle: ERA5. Kredit: Copernicus Climate Change Service /ECMWF

Klimakonferenz COP29 in Baku – Ehrgeiz ohne Handeln ist bedeutungslos

In den kommenden zwei Wochen findet in Baku die jährliche Klimakonferenz – in diesem Jahr die COP29 – statt. Schwerpunkt dieser Konferenz ist die Frage der Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen für Länder des globalen Südens, die an den Folgen der Klimakrise am meisten zu leiden haben, jedoch zu den Ursachen am wenigsten beigetragen haben.

Zur Diskussion stehen aber genauso der Stand der Erfüllung der jeweiligen nationalen Klimaziele der einzelnen Länder und die Einordnung dieser Ziele bezüglich ihrer hinreichenden Wirksamkeit zur Erreichung des in Paris 2015 vereinbarten globalen Ziels: Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Wie bereits eingangs erwähnt befasst sich der fünfzehnte Emissions Gap Report (Emissionslückenbericht) genau mit diesen „nationally determined contributions“ (NDCs), also den jeweiligen nationalen Verpflichtungen zur Erreichung der Klimaziele. Die Kernaussage ist, dass Ehrgeiz ohne Handeln nichts bedeutet. Bisher reichen die bestehenden nationalen Gesetze und weiteren Verpflichtungen (NDCs) nicht aus, um die beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Im Detail geht es um die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C (ohne oder mit begrenzter zeitweiliger Überschreitung und mit einer Wahrscheinlichkeit größer 50 Prozent). Die Herausforderung ist dabei, zwischenzeitlich die Erwärmung auf 2°C zu begrenzen (mindestens 66% Wahrscheinlichkeit).

In den nächsten Monaten müssen die Länder ihre aktualisierten Verpflichtungen an die UN melden. Im aktuellen Emissionslückenbericht heißt es dazu: „Die nächsten NDCs müssen einen Quantensprung in der Zielsetzung im Zusammenspiel mit beschleunigten Minderungsmaßnahmen in diesem Jahrzehnt liefern“.

Hintergrund dieser Forderung ist der Rekord der im Jahr 2023 weltweit emittierten Menge an Treibhausgasen: 57,1 Gigatonnen CO2-Äquivalente (Gt CO2e).

emittierte Treibhausgase 2023

emittierte Treibhausgase 2023

Die EU befindet sich an vierter Stelle der Emittenten mit 3,23 Gt CO2e, was 6% der weltweiten Emissionen entspricht. Pro Kopf entspricht das einem Wert von 7,3 Tonnen CO2e. Im Vergleich zu 2022 hat die EU ihre Emissionen um 7,5 % gesenkt. Die G20-Staaten (ohne die Afrikanische Union) emittierten 2023 40,9 Gt CO2e, was einem Anteil von 77 % und einer pro-Kopf-Emission von 8,3 Tonnen CO2e entspricht. Gegenüber 2022 bedeutet das eine Steigerung von 1,8 %. Im Vergleich dazu emittierten die 45 am wenigsten entwickelten Länder 1,7 Gt CO2e was einem Anteil von 3 % und 1,5 Tonnen CO2e pro Kopf entspricht. Besonders deutlich wird die Ungleichheit, wenn man ausgewählte pro-Kopf-Emissionen vergleicht: So beträgt diese für Russland mit 19 Tonnen oder für die USA mit 18 Tonnen etwa das dreifache der weltweit durchschnittlichen Emissionen von 6,6 Tonnen.

Der aktuelle Reduktionspfad ist nicht zielführend

Die Fortschritte bei den Zielen und Maßnahmen seit den ursprünglich eingegangenen Verpflichtungen (NDCs) stagnieren. Die Länder sind nach wie vor nicht auf einem geeigneten Weg, um die abgegebenen, ohnehin unzureichenden Minderungsversprechen, für 2030 einzuhalten. Die nachfolgende Grafik zeigt die Projektion der globalen Erwärmung für die durch die Länder beschlossenen jeweiligen Beiträge zur Minderung der Treibhausgasemissionen.

Nur für den Fall, dass

  • alle beschlossenen politischen Vorgaben,
  • alle eingegangenen zusätzlichen Verpflichtungen sowie
  • auch alle Verpflichtungen, die einer zusätzlichen externen Finanzierung bedürfen und
  • zusätzlich alle Netto-Null-Beiträge (Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre)

erfüllt werden, wird die Unterschreitung des Zwei-Grad-Ziels mit 1,9 Grad bei einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent gerade so erreicht.

erreichbare Temperaturlevel

erreichbare Temperaturlevel

Analog zeigt die folgende Grafik die Wahrscheinlichkeiten, mit denen im Jahr 2100 die globale Erwärmung von 1,5, 2,0 bzw. 3,0 Grad über dem vorindustriellen Niveau überschritten wird, wenn die angegebenen Randbedingungen eingehalten werden. Selbst im Fall größter Anstrengungen wird das 1,5-Grad-Ziel, mit einer Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent nicht eingehalten werden können.

Wahrscheinlichkeiten des Verfehlens der Ziele

Wahrscheinlichkeiten des Verfehlens der Ziele

Theoretisch kann das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden

Angesichts dieser Werte stellt sich die Frage, inwiefern das 1,5-Grad-Ziel überhaupt noch eingehalten werden kann. Der Emissionslückenbericht zeigt einen möglichen Weg theoretisch auf. Bei Kosten von weniger als US$ 200 pro Tonne CO2 Äquivalent ist es grundsätzlich möglich, die Emissionslücke für 2030 bzw. 2035 zu überbrücken. Die Emissionsreduzierung muss dabei 2030 bei 31 GtCO2e/Jahr und 2035 bei 41 GtCO2e/Jahr liegen. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht dieses Minderungspotential für das Jahr 2035 entsprechend der verschiedenen Sektoren.

Überblick des Minderungspotentials

Überblick des Minderungspotentials

Überblick des Minderungspotentials bezogen auf das Jahr 2035 für verschiedene Sektoren zu Kosten bis US$ 200/tCO2e

Der Knackpunkt ist meines Erachtens nach der Wille aller beteiligten Staaten, die nötige Finanzierung zu stemmen. Genau diese Frage steht auch auf der COP29 in Baku im Zentrum der Debatte. Angesichts der Ausgaben für Rüstung und der damit in Verbindung stehenden unmittelbaren Emissionen durch aktuell geführte Kriege sehe ich wenig Chancen, den dargestellten Pfad zu erreichen. Trotzdem sollte angesichts der bereits jetzt spürbaren Auswirkungen der Kampf um jedes Zehntel Grad weniger Temperaturerhöhung mit allen Kräften geführt werden. Das sind wir vor allem unseren Kindern und Enkeln schuldig.

Erster planetarer Gesundheitscheck: Erde überschreitet sichere Grenzen.

Die Initiative „Planetary Boundaries Science” (PBScience) wurde Ende 2023 unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zu dem Zweck gegründet einen „planetaren Gesundheitscheck“ („Planetary Health Check“) zu erarbeiten.

Planetare Grenzen 2024

Planetare Grenzen 2024

Der Planetary Health Check informiert künftig jährlich, systematisch und ganzheitlich über den Zustand der Erde anhand seiner planetaren Grenzen. Er kombiniert dazu Erdbeobachtungsdaten mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und multidisziplinären Ansätzen. Ein Ziel des Gesundheitschecks ist es, Lösungen zu finden, wie negative Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf den Planeten wirksam begrenzt werden können. Unterstützt wird PBScience dabei von der Initiative „Planetary Guardians” und zahlreichen weiteren internationalen Partnern.

Der Report für 2024 wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht. Er zeigt auf, dass mittlerweile sechs von neun Planetaren Grenzen überschritten sind. Damit erweisen sich wesentliche Teile des Erdsystems als deutlich geschwächt. In der Folge sinkt dessen Widerstandsfähigkeit und es wächst die Gefahr, dass Kipppunkte überschritten werden und es zu irreversiblen Veränderungen kommt.

Bislang wurde der Zustand der neun Erdsystemprozesse meist jeweils getrennt voneinander betrachtet. Doch Entwicklungen wie der Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltverschmutzung wirken aufeinander ein und haben Auswirkungen auf die Gesundheit – die Stabilität und Widerstandsfähigkeit – der Erde. Der „Planetary Health Check“ fasst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu allen planetaren Grenzen wie etwa dem Klimawandel und der Versauerung der Ozeane zusammen. Er benennt Ursachen und Verbindungen zwischen den verschiedenen Entwicklungen, stellt Zusammenhänge zwischen den planetaren Grenzen und den verschiedenen Kipppunkten her und zeigt, wie notwendig ein solcher ganzheitlicher Ansatz ist, um die Zukunft der Menschheit zu sichern.

Der Planetary Health Check zeigt, dass diese lebenserhaltenden Funktionen des Erdsystems gefährdet sind. Neben den sechs bereits überschrittenen planetaren Grenzen steht das Überschreiten einer siebten Grenze unmittelbar bevor. Zugleich ist den Forschenden zufolge ein klarer Trend zu weiteren Überschreitungen zu erkennen. Die nachstehende Grafik belegt in bisher nicht gekannter Klarheit die Brisanz der ermittelten Ergebnisse.

Planetare Gesundheit 2024

Planetare Gesundheit 2024Der Planetary Health Check bietet einen einzigartigen, ganzheitlichen Blick auf die Gesundheit des Planeten und soll als Kompass für die Entscheidungsfindung von Ländern, Unternehmen, multilateralen Organisationen und Bürgerinnen und Bürgern dienen. Mit der Unterstützung einer Reihe von Partnern kann er zu einer Art „Control Room“ für die Erde entwickelt werden, der die neuesten Satellitendaten, künstliche Intelligenz, die Weisheit der indigenen Völker und die neueste Wissenschaft nutzt. Langfristig soll der planetare Gesundheitscheck jeden in die Lage versetzen, zu handeln und Pläne zu erstellen, um letztlich den Kurs zu ändern und in den sicheren Handlungssraum der Erde zurückzukehren.