Synthesebericht des 5. Sachstandsberichts des IPCC veröffentlicht

Am 1. November 2014 wurde vom IPCC die Veröffentlichung des 5. Sachstandsberichts abgeschlossen. Dazu wurde auf einer Plenarsitzung des IPCC vom 27. Oktober bis 1. November in Kopenhagen der sogenannte Synthesebericht, der die drei bereits veröffentlichten Einzelberichte zusammenfasst beraten und beschlossen. Auf der deutschsprachigen Website des IPCC heißt es dazu wörtlich: „Bei der IPCC-Plenarsitzung wurde die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger Zeile für Zeile von den Regierungen verabschiedet und der zugrundeliegende Bericht abschnittweise angenommen.“

Die Kernaussagen dieses Berichtes stehen auch in deutscher Sprache als PDF-Dokument zur Verfügung.

Zuerst wird festgestellt, dass „Die Erwärmung des Klimasystems […] eindeutig [ist] und es […] äußerst wahrscheinlich [ist], dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war.“ (Mit „äußerst wahrscheinlich“ ist eine Wahrscheinlichkeit zwischen 95% und 100% gemeint.)

Bereits in dem 2007 veröffentlichten 4. Sachstandsbericht wurde als Ziel formuliert, den Anstieg der globalen mittleren Temperatur auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Wenn diese Grenze eingehalten werden kann, so gelten die Konsequenzen aus dem Klimawandel für die menschliche Gesellschaft als gerade noch beherrschbar. Im nun vorliegenden 5. Sachstandsbericht wird dazu als eine notwendige Bedingung formuliert: „Um die mittlere globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 66 % auf weniger als 2 °C zu begrenzen, ist es notwendig, die kumulativen CO2-Emissionen seit 1870 auf etwa 2900 Gt CO2 zu begrenzen. Etwa zwei Drittel davon sind bis zum Jahr 2011 bereits emittiert worden.“

Und: „Ohne zusätzliche Treibhausgasminderung, die über die heute bereits ergriffenen Maßnahmen hinausgehen, wird die Erwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts weltweit zu einem hohen bis sehr hohen Risiko durch schwere, weitverbreitete und irreversible Klimafolgen führen, selbst wenn Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden.“ Mit anderen Worten: Das bisher Unternommene bezüglich der Begrenzung des Klimawandels ist nicht ausreichend. Angesichts der Ergebnisse der seit 1992 jährlich stattfindenden Welt-Klimakonferenzen kann ich dem leider nur zustimmen.

Als Handlungsrahmen, um das Ziel der Begrenzung der Erwärmung auf 2 Grad möglichst noch zu erreichen, werden verschiedene Szenarien der „Verbesserung der Energieeffizienz, eines höheren Anteils kohlenstofffreier und kohlenstoffarmer Energieversorgung durch erneuerbare Energien, Atomenergie und fossiler Energie gekoppelt mit Kohlenstoffabtrennung und –speicherung (CCS)“ angepriesen.

Zu den Kosten dieses Vorgehens wird u. A. festgestellt: „Unter der Annahme idealisierter Bedingungen zur Umsetzung einer Klimapolitik, die die globale Erwärmung auf 2 °C begrenzt, rechnen die meisten Studien mit einer jährlichen Verringerung des globalen Konsumwachstums um etwa 0,06 Prozentpunkte im Laufe des Jahrhunderts, bezogen auf ein erwartetes jährliches Konsumwachstum ohne Klimaschutz von 1,6 % bis 3 % pro Jahr.“ Abschließend wird festgestellt: „Der Klimawandel bedroht eine gerechte und nachhaltige Entwicklung. Minderung, Anpassung und nachhaltige Entwicklung sind eng miteinander verbunden, wobei sowohl Synergieeffekte als auch Zielkonflikte möglich sind. Der Klimawandel hat die Eigenschaften eines „Problems kollektiven Handelns“ auf globaler Ebene: Wirksamer Klimaschutz erfordert gemeinsame Lösungen, er kann nicht erreicht werden, wenn einzelne Akteure ihre eigenen Interessen unabhängig verfolgen.“

Soweit die Kernaussagen des Berichts, wie sie auf der deutschsprachigen Website des IPCC veröffentlicht sind. Als Bewertung dieser „Kernbotschaften“ trifft aus meiner Sicht die Aussage „Sie haben sich redlich bemüht“ am besten zu. Den im ersten Bericht zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen getroffenen Aussagen kann ich voll zustimmen. Der in den weiteren Berichten erfolgten Feststellung, dass es besser und mit weniger Aufwand verbunden ist, sofort wirksame Maßnahmen zur drastischen Verminderung der CO2-Emission zu realisieren, als das auf die lange Bank zu schieben, stimme ich auch zu. Jedoch den nun vorliegenden Optionen, in die Reduktionsszenarien eine Renaissance der Atomenergie und CCS-Techniken einzubinden kann ich keinesfalls zustimmen.

Und wenn dann noch eine Rechnung aufgemacht wird, die von einem jährlichen Konsumwachstum von 1,6% bis 3% ausgeht und dann meint, dass eine Verminderung dieses Wachstums um beruhigende 0,06% als Kosten zur Begrenzung des Klimawandels ausreichend sei, dann frage ich mich, welche Vorstellung einer zukünftigen Gesellschaft die Autoren haben. Offensichtlich zuerst einmal die eines andauernden Konsumwachstums. Mein Problem dabei: Das, was immer weiter wachsend konsumiert werden soll, muss produziert werden, bedeutet wachsenden Aufwand an Energie und Rohstoffen. Das widerspricht, wie immer ich das auch drehe und wende, den Aussagen des ersten Teilberichts.

Aus meiner Sicht kann nur eine grundlegende Veränderung unserer Produktions- und Lebensweise zum genannten Ziel führen. Zuerst einmal kann alles das, was völlig unsinnig produziert wird, ersatzlos gestrichen werden – z. B. Rüstungsgüter. Anschließend sollte alles das, was für ein gutes Leben sinnvoll erforderlich ist, möglichst regional bzw. dezentral vernetzt hergestellt werden. Dabei verstehe ich die Konsumenten immer auch als Produzenten. Und wenn ich jetzt den Aufschrei „Arbeitsplätze“ höre, so kann ich das nicht gelten lassen, weil das davon ausgeht, dass sich an unserer Produktions- und Lebensweise eigentlich nichts ändert. Ideen, wie eine andere Zukunft, die den Anforderungen des Klimawandels gerecht wird, aussehen könnte, gibt es viele, nachzulesen beispielsweise:

Mich irritiert jedoch auch die Aussage des oben bereits zitierten letzten Absatzes dieses Berichts: Wir haben es mit einem „Problem kollektiven Handelns“ auf globaler Ebene zu tun, das nicht gelöst werden kann, wenn „einzelne Akteure ihre eigenen Interessen unabhängig verfolgen“. Eine Lösung im Sinne eines kleinsten gemeinsamen Nenners als Kompromiss wird nicht funktionieren. Das haben alle Konferenzen seit 1992 gezeigt. Ein andauernes Palaver der beteiligten Akteure bir zu einer Einigung wird auch zukünftig nicht zu sinnvollen Ergebnissen führen. Hier bedarf es eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels.