Willkommen in der Heißzeit

In Kürze soll es – wenigstens für einige Zeit – wieder abkühlen. Inzwischen überstürzen sich Hitzerekorde, die bald keine Rekorde mehr sein werden, sondern sommerlicher Alltag. Wie sich die Vegetation in Europa dabei verändert, zeigt ein eindrücklicher Film von der ESA :

Die Häufigkeit solcher Dürren wird stark zunehmen. Auf Grundlage eines Szenarios des Klimawandels (bei dem es „so weiter“ geht mit der CO2-Emission und der Erwärmung) zeigt die Veränderung der Dürrehäufigkeit in der jüngsten Vergangenheit (links) und am Ende des 21. Jahrhunderts, das viele, die dies hier lesen, wohl noch erreichen werden.



(Bildquelle aus der Veröffentlichung Spinoni et al. 2015
hier übernommen vom Bildungsserver)

In „Wetter.de“ wird die eben genannte Veröffentlichung auf deutsch erläutert.

Wie putzig war es noch als wir nur die Eisbären bedauerten, die dem Klimawandel zum Opfer fallen. In nur einer Woche starben in einer Hitzewelle in Europa im Jahre 2003 ca. 70 000 Menschen mehr als im Durchschnitt in dieser Woche gestorben wären.

„2003 hatten wir in Europa einen Jahrhundertsommer mit 70.000 Hitzetoten. Stellen Sie sich mal vor, Terroristen würden in Europa 70.000 Menschen umbringen – wir wären bereit, den Rechtsstaat aufzugeben, nur um dagegen anzukämpfen! Bei einer extremen Hitzewelle aber zucken die Leute mit den Schultern.“ (Stefan Rahmsdorf vor dem Hitzesommer 2018)

Dieses Jahr kommen noch jene hinzu, die direkt in den Flächenbränden, Stürmen und Überflutungen bei Hitzegewittern umkommen. Die jucken uns aber immer noch so wenig wie die alltäglichen Unfallopfer, die wir hinnehmen für unsere Art zu leben. Mich erinnert das wieder sehr an die „Frösche im Hitzebad“, über die ich vor über einem Jahr schrieb.

„So wie Rauchen die Häufigkeit von Lungenkrebs erhöht, bringt uns die globale Erwärmung mehr Wetterextreme.“ (Stefan Rahmsdorf vor dem Hitzesommer 2018)

Wer noch ein wenig Gefühl dafür hat, woher die Nahrungsmittel kommen, die wir im Supermarkt kaufen, sollte sich auch nicht nur langsam Sorgen um die mit der Dürre verbundenen steigenden Preise machen… Noch ist es nur ein Witz, dass zwei afrikanische Menschen in der Wüste reden: Einer sagt: „In Europa hat die Hitze die Getreidepreise nach oben getrieben!“ – und der andere: „Wie unangenehm…“. In Europa laufen die Leute noch ziemlich unbesorgt rum (zumindest hier) und während die Frau besorgt beginnt: „Kartoffeln, Erbsen, Bohnen und Mais verkommen in diesem völlig überhitzten Klima…“ ist der Mann völlig ungerührt: „Pfff…, Fleisch ist mein Gemüse…“.

Was solls auch. Die Erde hat schon häufig starke Temperaturveränderungen durch“lebt“. Dass die Erde wieder einmal eine Art „Treibhauswelt der Kreidezeit“ erleben könnte, wurde schon 2007 vermutet. Die oben genannte Veröffentlichung bestätigt die Berechtigung dieser Sorge. Stefan Rahmsdorf spricht in einem aktuellen Interview davon, dass das IPCC „immer wieder wesentliche Entwicklungen unterschätzt“ hat, weil es nur sehr vorsichtige und von einer großen Mehrheit von Klimaforschern mitgetragene Prognosen veröffentlicht. Vieles hat sich „schlimmer als der angehommene Worst-Case“ entwickelt. Wieso wollen wir immer noch krampfhaft glauben, dass es schon nicht so schlimm werden würde? Weil nicht sein kann, weil nicht sein darf?

„Aber das Gefühl, dass wir eine sehr schlimme Zukunft vor uns haben, sickert ins Unterbewusste.“ (Stefan Rahmsdorf vor dem Hitzesommer 2018)

So langsam scheint auch die jetzige Hitze für die meisten nicht mehr nur lustigen Badespaß zu versprechen, sondern es wird von einer „Gluthölle“ gesprochen.

Die folgende Grafik (leicht ergänzt nach DWD 2017) zeigt einen Trend der durchschnittlichen Temperaturerhöhung:

Kann man sich an diesen „Wandel“ nicht auch ganz gut anpassen? Leider besteht der „Klimawandel“ eben nicht nur in einer kontinuierlichen Erderwärmung, sondern es ist zu befürchten, dass verschiedene kritische Schwellwerte überschritten werden. Bekannt ist etwa die Gefahr der Freisetzung des starken Klimagases Methan aus tauenden früheren Permafrostböden. Es droht uns also nicht nur ein „Klima-Wandel“, sondern ein „Klima-Umbruch“, dem zumindest die Ökosysteme nicht so schnell und auf eine solche Weise „folgen“ können, dass unsere hungrige Menschheit wie bisher Landwirtschaft betreiben könnte. Regionale Ausgleiche, wie jetzt, dürften dann durch die global wirkenden Umbrüche immer schlechter möglich werden. Die sozialen und politischen Folgen sind kaum absehbar. Leider lässt die Art und Weise, wie wenig sich jetzt Menschen um die ertrinkenden und in Wüsten umkommenden „Anderen“ kümmern, wenig hoffen, sondern das Schlimmste befürchten. Letztlich werden uns weder Frontex noch andere Grenzbefestigungen vor diesem globalen Umbruch unserer Lebensgrundlage schützen können.

Spätestens nach diesem Sommer können wir davon ausgehen, dass niemand mehr behaupten kann, nichts gewusst zu haben. Wir übergeben unserer Zukunft eine immer heißer werdende Erde.

(Mehr dazu hier)

Wir verlassen die „sichere Zone“ sehenden Auges.