Aufruf zum alternativen Klimagipfel in Cochabamba

Nach dem Scheitern des Klimagipfes in Kopenhagen rief der bolivianische Präsident Evo Morales zur Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte von Mutter Erde vom 20. bis 22. April 2010 in Cochabamba, Bolivien auf. Der alternative Klimagipfel widmet sich u.a. Fragen der Klimaschuld, Rechte von Indigenen und Klimamigration.

Von deutschen Klimaaktivist_innen wurde nun ein Entwurf für einen Aufruf vorgestellt, der im folgenden dokumentiert wird. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten gibts unter http://www.klimacamp08.net/.

Hier nun der Aufruf:


Von Kopenhagen nach Cochabamba, von Cochabamba nach Bonn:

Für einen Gesellschaftswandel, der zugleich menschliche Unterdrückung, Klima- und Naturzerstörung überwindet!

Zur Erinnerung: Vor Kopenhagen haben wir insbesondere gesagt: Erstens, das „2°-Ziel“ ist neokolonial gesetzt und ignoriert Lebensinteressen von Millionen Menschen. Zweitens: Die Instrumente des Kyoto-Protokolls haben die sozialen, ökologischen und globalen Probleme bestärkt. Die Marktinstrumente sind ungeeignet, sozial gerecht Klimawandel zu bekämpfen.

Mit Aktionen, Protesten, mit alternativen Forderungen und Konzepten haben wir in Kopenhagen versucht, unsere Positionen politikwirksam zu artikulieren.

Unmittelbar nach  dem Scheitern des Klimagipfels hat Evo Morales eine „Weltkonferenz der Völker zum Klimawandel und zu den Rechten von Mutter Erde“ initiiert. Er hat Vertreter/innen der Völker, soziale Bewegungen, Ärztinnen und Ärzte, Juristinnen und Juristen, Wissenschaftler/innen, Politiker/innen und all jene nach Cochabamba eingeladen, die sich konsequent gegen globale Erwärmung, menschliche Unterdrückung und Zerstörung der Natur engagieren.

Unsere Proteste und Aktionen Anfang Juni finden nach der Konferenz von Cochabamba und vor einem weiteren Klimagipfel statt: Wir sollten also das Klimaforum in Bonn auch und insbesondere dazu nutzen, diese Konferenz auszuwerten. Sie verfolgt sechs Ziele, die inhaltlich mit unseren Protesten und Aktionen voll zusammen gehen: die Ursachen des Klimawandels analysieren und Wege seiner Überwindung aufzeigen; eine Erklärung zu den „Rechten von Mutter Erde“ diskutieren und annehmen; Vorschläge für neue Verpflichtungen zum Kyoto-Protokoll und für COP-Beschlüsse vereinbaren; ein Globales Referendum der Völker zum Klimawandel organisieren; ein Tribunal zu Klimagerechtigkeit vorbereiten; Aktionen und Strategien gegen Klimawandel, Naturzerstörung und Ausbeutung verabreden.

Wir wollen unsere Lebensweisen und damit politische Strategien zum grundlegenden Umbau sozialer und ökologischer Lebensverhältnisse in das Zentrum unseres Erfahrungs- und Gedankenaustauschs stellen. Wir wollen sagen, wie wir leben und unsere Vorstellungen realisieren wollen:

Wir nehmen nicht hin, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse uns zwingen, an der Ausgrenzung von global Armen und am Raubbau der Natur zu partizipieren. Wir wollen selbstbestimmt in Würde, solidarisch miteinander und vernünftig im Umgang mit der Natur leben und stoßen dabei unentwegt an gesellschaftlich gesetzte Grenzen. Dagegen protestieren, opponieren und rebellieren wir, üben radikale – weil an die Ursachen der Probleme gehende – Kritik und arbeiten an politischen Alternativen.

Bring Dich, bringt Euch ein – bietet Fragen, Themen und Konzepte an, zu denen Ihr diskutieren möchtet. Ladet zum Erfahrungsaustausch und zu Aktions-Verabredungen ein.