Datenpanne? Datenaffäre? Datenleck? – Nein: Genau das ist das Facebook Geschäftsmodell

Die Wellen schlugen hoch, als bekannt wurde, dass Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern extern abgegriffen und weiterverarbeitet wurden. Meldungen dazu u. a. bei Tagesschau oder heise.de.
Ich weiß nicht, ob wirklich jemand darauf vertraut hat, dass seine Daten bei Facebook (oder WhatsApp oder Instagram oder Twitter oder …) auch dort bleiben und nur den „Freunden“ zugänglich sind. Mir wurde bei entsprechenden Diskussionen üblicherweise entgegnet, dass man ja nichts zu verbergen hätte und das ja letztlich auch alles so schlimm nicht sein könne. Und außerdem sei es ja nun sowieso zu spät … Nun ja, das muss letztlich jeder Nutzer mit sich selbst ausmachen.
Was ich an dieser Geschichte interessant finde, ist, dass sich aus diesem Anlass heraus die Gelegenheit für mich ergab, einmal hinter die Kulissen des Geschäfts zu schauen. Vor längerer Zeit erschien in der Schweizer Zeitschrift „Das Magazin“ ein Beitrag, der wiederum auf den Seiten der Informatik-Fakultät der Universität Bremen als Literaturquelle verfügbar ist.
Hier wird die Story auch für Laien gut nachvollziehbar erzählt. Und insbesondere in den letzten Sätzen der Geschichte steckt das Fatale: Mit den in dem Artikel beschriebenen Methoden der gezielten, individuell exakt zugeschnittenen Werbung ist es möglich, den Werbeerfolg (Klick auf die Anzeige und Kauf des Produkts) um 1.400% zu steigern. Nun ist auch das sicher ein statistischer Wert, der für den jeweiligen Einzelfall keine Aussage erlaubt – aber Wahrscheinlichkeiten sind, vor allem bei großen Zahlen, sehr gute Kalkulationsgrößen. Bei der Vielzahl dieser Fälle würde ich sehr wohl von gezielter Manipulation sprechen.
Und noch etwas möchte ich in diesem Zusammenhang bemerken: Der Grund, bei diesen Netzwerken mitzumachen ist oftmals ein gewisser Gruppendruck. Wenn die Mehrzahl meiner Freunde bei Facebook oder WhatsApp ist und ich will an deren Kommunikation teilhaben, dann muss ich wohl oder übel auch mitmachen. Vernünftige Argumente, andere, nichtkommerzielle und offene, dezentral verwaltete Dienste zu nutzen, zählen ab einem gewissen Punkt nicht mehr. Ich weiß dann immer nicht so recht ob das Faulheit, Trägheit, Unbedarftheit oder Ignoranz ist.
Und warum in diesem Zusammenhang auf öffentlich rechtlichen Nachrichtenseiten Facebook-Like-Buttons angezeigt werden oder üblicherweise kritische Nachrichtensendungen wie Monitor, Panorama, Frontal21 oder quer anbieten, nach der Sendung mit den Zuschauern auf Facebook oder Twitter weiter zu diskutieren – das wissen wohl auch nur die Intendanten bzw. Redakteure. So richtig nachvollziehbar ist das für mich nicht.

3 Gedanken zu „Datenpanne? Datenaffäre? Datenleck? – Nein: Genau das ist das Facebook Geschäftsmodell

  1. Annette

    Mit dem neuen Facebook-Skandal wurde vor allem auch deutlich, dass das ganze politisch auch für jene brisant ist, die selbst datensparsam leben und nicht auf Facebook sind. Es ist kein persönliches Problem, sondern ein politisches! Wenn dieses Data Mining genutzt wurde, um erfolgreich Wahlen in einem der weltpoltisch bedeutungsvollsten Ländern zu manipulieren, dann betrifft das uns alle!

  2. Pingback: Facebook hilft die Welt zu regieren… | Philosophenstübchen-Blog

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