Schlagwort-Archive: Datenschutz

Neuer Bitkom-Chef hält Datensparsamkeit für veraltet und hinderlich

Anfang Juli 2015 wurde der Vorstandschef des Mobilfunkanbieters Telefónica Deutschland, Thorsten Dirks, als neuer Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gewählt. In dieser Funktion gab er vor einigen Tagen eine Pressekonferenz anlässlich des Jahrestages der digitalen Agenda der Bundesregierung.

Dabei sieht er die in Deutschland bestehenden Prinzipien des Datenschutzes als Hindernis:

„Das Prinzip der Datensparsamkeit hat sich in fast allen Lebensbereichen überholt“ [Quelle], so Dirks. Und: „Der Datenschutz muss abgewogen werden gegenüber der Informationsfreiheit und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, etwa wenn man an Big-Data-Anwendungen in der Medizin denkt.“ [Quelle]

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Quantified-Self – die Vermessung des Ichs

Am letzten Donnerstagmorgen schaltete ich wie gewohnt nach dem Aufwachen das Radio ein und mir begegnete zu ersten Mal bewusst der Begriff „Quantiefied self“ – die Vermessung des Ichs, wie es üblicherweise übersetzt wird. Ich war bass erstaunt, dass der Moderator der Früh-Sendung seine aktuellen Werte für Pulsfrequenz, Blutdruck, Anzahl getätigter Schritte und einige weitere über den Sender gab. Für mich fiel so etwas immer unter die Rubrik „persönlich“ oder „Ärztliche Schweigepflicht“.
Nach einigen Minuten wurde ich dann in der Sendung informiert, dass es sich bei Vermessung des Selbst um eine Bewegung aus den USA handelt, die dazu dient, sich permanent selbst zu verbessern. Dieser Trend ist eine Reaktion auf zunehmenden Leistungsdruck und Konkurrenz. Die eigene Optimierung geschieht dadurch, Weiterlesen

Vortrag: Sicherheit im Internet

Vortrag

Sicherheit im Internet

Nach offiziellen Angaben lasen im Jahre 2010 die 3 deutschen Geheimdienste allein 37 Millionen e-mails mit. Jetzt warnt auch der Innen¬minister: Der Austausch von Daten im Internet ist nicht sicher. Kümmern Sie sich selbst! – So soll es sein. Daher wollen wir fragen: Wie ist es um das Postgeheimnis und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung bestellt, dürfen Behörden unsere Daten an Dritte verkaufen, wieso können oder wollen die staatlichen Stellen die Wahrung des Post- und Fernmelderechtes nicht durchsetzen, welche Daseinsberechtigung haben staatliche Behörden vor diesem Hintergrund und wie können oder sollen wir uns vor den Machenschaften dunkler Mächte schützen? Fragen über Fragen, denen wir auch ganz praktisch nachgehen wollen. Einführen in diese umfangreiche, fast unübersichtliche Thematik wird uns Dr. R.Nebelung von der Zukunftswerkstatt Jena.

Die Veranstaltung des Greizer Kreisverbandes des Deutschen Freidenker-Verbandes beginnt am Donnerstag, dem 24.10.2013, um 18 Uhr in der Gaststätte „Altstadt“ (Marienstr.30). Interessenten sind hiermit herzlich eingeladen.

Dr. Michael Gölles

Gratulation: Big Brother Award für Google

Am 12. April 2013 erhielt Google den Big Brother Award in der Kategorie Globales Datensammeln verliehen. Von mir gibt dazu ausdrücklichen Beifall, mehr noch: Stehende Ovationen.
Die Laudatio, gehalten von Rena Tangens und padeluun vom digitalcourage e. V. ist außerordentlich lesenswert. Ihr stimme in vollem Umfang zu.
Für alle diejenigen, welche die in der Laudatio erwähnten Alternativen nicht kennen und schnell mal testen wollen hier zwei Empfehlungen von mir:

  • Metager2 für eine sehr sichere und weitgehend von Müll befreite Trefferliste und
  • startpage – die Suche, die ich selber seit Langem benutze (seit scroogle.org nicht mehr verfügbar ist) und die sehr gut anpassbar ist [Link Sucheinstellungen oben rechts]. Übrigens: Diesen Link verwende ich selbst als Startseite – einfach anklicken und den Link als Startseite im Browser festgen.

Viel Spaß beim Probieren und: Der Abschied von Google sollte nicht allzu schwer fallen – vielleicht es ja der Anlass für eine nette Party zum Thema Datenschutz?

Neues Meldegesetz

Irgendwie hatte ich so was fast erwartet: Der Fußball-EM-Taumel wird von der Bundesregierung genutzt, um möglichst unbemerkt die Lobbyinteressen von Unternehmen zu befriedigen. Am Abend des 28. Juni 2012, dem Abend, an dem Deutschland im Halbfinale aus dem EM-Fußball-Turnier ausschied, beschloss der Bundestag ein bundeeinheitliches Meldegesetz, welches ab 2014 die bisherigen, in jedem Bundesland anderen Meldegesetze ablösen soll.

Am Rande interessant ist die Anzahl der Abgeordneten, die an jenem Abend ihre Stimme angaben. Dazu nachfolgend ein Video des Bundestages [Quelle: bundestag.de]:

Was ist an dem neuen Gesetz so problematisch? – Bisher konnte jeder Bürger der Weitergabe seiner Meldedaten beispielsweise an Adress-Verlage widersprechen. Damit war gesichert, dass die Adresse nicht gehandelt werden konnte. Wenn ich, beispielsweise bei einem Versandhaus oder einem Online-Handel meine Adresse angebe, weil ich dort Kunde werden möchte, dann ist dies meine bewusste Entscheidung. Und der Händler darf meine Kundendaten nicht weitergeben. Auch kann ich, wenn auch meist im Kleingedruckten versteckt, der Nutzung meiner Daten für Marketingzwecke widersprechen, woran sich der Händler ebenfalls zu halten hat. Ich habe also zumindest grundsätzlich die Kontrolle über meine Daten.

In dem neu beschlossenen Gesetz ist es ebenfalls möglich, der Weitergabe meiner Daten zu widersprechen. So weit so gut. Aber: Einem Unternehmen, welches meine Daten bereits hat, ist es nun möglich, zum Zweck der „Überprüfung“ und „Aktualisierung“ Daten bei den Melderegistern abzufragen, auch wenn ich der Weitergabe eigentlich widersprochen habe. Die „Überprüfung“ beinhaltet auch Angaben wie Umzüge oder Todesfälle.

Das bedeutet faktisch, dass jemand, der irgendwann einmal an einem Preisausschreiben teilgenommen oder mal einen Katalog bestellt hat, die Aktualisierung seiner Daten bis zu seinem Tod nicht mehr verhindern kann und dass diese Daten dann vielleicht auch noch weiterverkauft werden.

Es lebe das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Ein Dankeschön an die Regierung.

PS: Auf der Seite http://www.tagesschau.de/inland/meldewesen110.html gibt es am Ende eine Nicht-Repräsentative Umfrage, ob jemand mit damit einverstanden ist, dass das neue Meldegesetz den Adresshandel erlaubt. Mit Stand vom 8. Juli 2012 um 17:42 wurden insgesamt 42.015 Stimmen abgegeben, davon mit „Ja“ 337 (0,8%), mit „Nein“ 41.623 (99,1%) und mit „Keine Meinung“ 55 (0,1%). Eine so eindeutige Aussage habe ich im Web bisher selten gesehen.

BigBrotherAward 2011 vergeben

Am 1. April war es wieder einmal soweit: Zum 11. mal wurde der BigBrotherAward vom FoeBuD e. V. in Bielefeld vergeben.  Die Vergabe erfolgte in verschiedenen Kategorien und ist hier nachzulesen.

Am interessantesten erscheint mir die Kategorie „Kommunikation“. Hier ging der Preis an die Facebook Deutschland GmbH. Die Laudatio dazu, gehalten von Rena Tangens, zeigt eine neue Qualität von Datensammelwut. Zitat aus der Laudatio:

Facebook sammelt alles an Daten, was sie bekommen können. Nicht nur Name, Adresse, Profilbild, Telefon, Handynummer, Fotos, Texte, Statusupdates, Aufenthaltsort, Nachrichten an Freunde, besuchte Webseiten und und und…

Eine interaktive grafische Darstellung, wie sich die Datenschutz-Voreinstellungen auf Facebook seit 2005 verändert haben hat der Programmierer Matt McKeon sehr anschaulich in einer Grafik als eine Art Blume dargestellt. Hier zeigt sich, dass ohne Zutun der Facebook-Nutzer deren private Details immer öffentlicher werden, einfach weil Facebook die Voreinstellungen ändert.

Über die Hintergründe dieser Datenspionage, insbesondere die wirtschaftlichen Hintergründe, wird in dem Buch von Constanze Kurz, Frank Rieger: „Datenfresser. Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen“ (S. Fischer Verlage, Frankfurt am Main) informiert. Ein Vorabdruck des ersten Kapitels wurde von der Zeit online veröffentlicht. Bereits nach der Lektüre dieses Auszugs kann ich jedem das Buch nur wärmstens empfehlen.

Ich weiß gar nicht, ob ich an dieser Stelle noch viel Spaß damit wünschen kann – trotzdem: Es lohnt sich.