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Anders Produzieren mit anderer Technik

Wir beschäftigen uns in der „Zukunftswerkstatt Jena“ ziemlich oft mit der Frage, wie eine bessere Art des Lebens und Wirtschaftens aussehen könnte. Dazu wollen wir auf bestimmte Errungenschaften der Produktivkräfte nicht verzichten, wobei wir allerdings sehen, dass große Teile der heutztage angewendeten Technik berechtigt kritisiert werden. Um dieses Thema dreht sich ein Vortraug aus dem Jahr 2010:

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Aus Konsumenten werden Makers – die nächste industrielle Revolution?

Vor etwa acht Jahren haben wir uns im Zusammenhang mit Überlegungen zu einer möglichen zukünftigen Produktions- und Lebensweise mit generativen Fertigungsverfahren befasst [http://zw-jena.de/arbeit/rp.html]. Die Ausgangs-Fragestellung war damals die Feststellung, dass viele, auch heute bereits praktizierte „utopische“ Lebensweisen häufig der Nutzung moderner Techniken eher ablehnend gegenüber stehen. Wir jedoch stehen einer Nutzung moderner Produktionstechniken durchaus aufgeschlossen gegenüber, wenn dies nicht in einem kapitalistischen Reproduktionszusammenhang geschieht. Im Bereich der Software gibt es das heute in Form der freien Software bereits. Auch bei der Herstellung von ausgewählten Verbrauchgütern gibt es das bereits [http://freebeer.org/blog/].

In ausgewählten Bereichen hat sich in den letzten zwanzig Jahren bereits eine Entwicklung vollzogen, die sich auf die Produktions- und Lebensweise auswirkt: Beispielsweise beim Drucken von Prospekten, Broschüren, individuellen Briefen, Einladungen oder Visitenkarten. Früher gab es in jedem etwas größeren Ort sogenannte Akzidenzdruckereien, die solche Dokumente herstellten. Heute ist der Akzidenzdruck quasi verschwunden – jeder, der es benötigt, erstellt sich das Dokument selbst bzw. geht mit der fertigen Datei in einen Copy-Shop und erstellt es dort.

Inzwischen ist so etwas nicht nur Drucksachen möglich, sondern mit Hilfe sogenannter 3-D-Drucker auch mit (nahezu) beliebigen Gegenständen. 3-D-Drucker sind inzwischen erschwinglich und das, was wir vor einigen Jahren als zukünftige Möglichkeit geschildert hatten, kann bald zur Realität werden. Ein Video dazu ist nachfolgend verlinkt:

Ich möchte für alle Interessenten auch auf eine Themenwoche von Deutschlandradio Kultur zu diesem Thema verweisen. [http://www.dradio.de/aktuell/1987311/]

Risiken der Ölförderung in der Arktis sind nicht versicherbar

Irgendwie kennen wir das doch: Die Risiken industrieller Aktivitäten sind nicht versicherbar. Diese Tatsache ist für Kernkraftwerke bekannt – eine Haftpflichtversicherung für Kernkraftwerke gibt es nicht, weil die Folgeschäden einer Reaktorexplosion so hoch sind, dass keine Versicherung eine solche Police ausstellen würde. In Deutschland ist deshalb für solche Fälle eine Staathaftung vorgesehen. D. h., der Steuerzahler muss in diesem Fall haften.

Nun tun sich an anderen Stellen ähnliche Probleme auf: Die in der arktischen Region vorhandenen Gas- und Ölvorkommen sollen ausgebeutet werden. Große Konzerne sehen auf Grund der nach wie vor wachsenden Nachfrage wachsende Chancen auf neue, große Gewinne. Was aber, wenn in der Arktis ein Unglück passiert wie vor einem Jahr im Golf von Mexiko mit der Bohrplattform Deep Water Horizon? Oder wie 1989 mit der Exxon Valdez? Sind die Risiken der industriellen Nutzung des arktischen Raums versicherbar?

Einer der weltweit größten Versicherer ist Lloyd’s in London, und wenn irgendein Risiko halbwegs sinnvoll berechenbar ist, so wird es bei Lloyd’s auch versicherbar sein – schließlich verdient Lloyd’s damit sein Geld. Bezüglich der Risiken der industriellen Erschließung der arktischen Region gibt es jedoch keine Erfahrungen. Deshalb haben Lloyd’s of London und Chatham House eine entsprechende Studie „Arctic opening“ erstellt. Im Ergebnis warnen die Autoren, dass die Umweltfolgen einer Katastrophe in der Arktis wahrscheinlich schlimmer sind, als in anderen Regionen. Es gebe „Unsicherheiten“, wie mit den Risiken industrieller Aktivitäten umgegangen werden könne.

Wahrscheinlich bedeutet dieses Ergebnis, dass Lloyd’s eine Versicherung der Risiken von Gas- und Ölförderungen in der Arktis wohl ablehnen wird. Weitere Informationen dazu u. a. in Berichten in den Tageszeitungen Neues Deutschland und TAZ.

Neue Broschüren erschienen!


Gerade sind zwei Broschüren aus der Reihe „Fragend voran…“ mit Beiträgen von mir erschienen. Ich war auch an der Redaktion beteiligt. Es handelt sich um

Hier können sie (und andere Materialien) bestellt werden.

   

Das Dauerthema: ENERGIE

Wir sind diese Woche in Gera und nächste Woche in Halle, um einen neuen Vortrag über die aktuelle Energiedebatte vorzustellen.

Zusätzlich gibts einige neue Beiträge über dieses Thema in einem anderen Blog:


Power Flower – eine domestizierte Windkraftanlage

Gestern gab es im Umsonstladen eine Diskussion zur „Kernkraft als Brückentechnologie“ im Kontext des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl und im aktuellen Kontext von Fukushima. Dabei gab es natürlich Diskussionen zu Alternativen und zu den bekannten Problemen großer Windkraftanlagen, die zur „Verspargelung“ der Landschaft führen.
Heute Vormittag habe ich zufällig im Radio einen Beitrag gehört zu „Power Flowers“, einer Art „domestizierter Windkraftanlage“ und konnte mir nicht darunter vorstellen. Neugierig geworden, begann ich zu suchen und wurde nach vielen Links zu Karnevalskostümen (warum müssen diese Kostüme eigentlich englische Namen tragen?) tatsächlich fündig:

Power Flower - ein domestiziertes Windrad

Power Flower


Eine interessante Weiterentwicklung eines eigentlich bekannten Prinzips einer Windmühle mit vertikalen Rotoren. Mit vielversprechenden Parametern übrigens, sowohl was die elektrische Leistung angeht als auch die Lärmentwicklung und die Einbindung des Windmühlendesigns in die Landschaft. Damit lässt sich dezentral auf Hightech-Basis Energie erzeugen.
Unter diesem Link und auf der Seite der niederländischen Architekten sind noch mehr Bilder und weitere Informationen zu finden. Viel Spaß dabei.

Besuch in einer Offenen Werkstatt in Berlin

Bei meinem Besuch in Berlin konnte ich erstmalig eine Offene Werkstatt kennenlernen, in der Handwerk und High Tech dazu einladen,  eigene Projekte zu verwirklichen. Dabei liegt ein Schwerpunkt rein technisch vor allem darin, dass Baupläne und Konstruktionsunterlagen für computergesteuerte Maschinen genau so wie Freie Software in Form eines sog. „Open Designs“ im Internet frei zur Verfügung gestellt und verändert weiter gegeben werden können.

Dadurch entstehen neue soziale Netzwerke mit Menschen, die sich produktiv erproben können und dadurch ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten bereichern können. In diesen Werkstätten wird also eine ganz andere Form von Reichtum erzeugt als jene, die sich mit  Geld messen lässt 😉

Mehr dazu gibts in meinem Blog.

Zwei der mir bekannten derartigen Werkstätten kooperieren eng mit den jeweiligen Coworking-Projekten vor Ort – deshalb „passt“ es gerade ausgezeichnet, dass sich in Jena gerade eine Coworking-Projektgruppe konstituiert. 😉

Während des Werkstatt-Lastenfahrrad-Workshops im ODC

Wer sich hier in Jena für solch eine Offene Werkstatt interessiert (Vorüberlegungen siehe auch unter dem Stichwort „Commons-Werkstatt“), kann sich bitte bei mir melden unter contactATzw-jena.de (AT durch das at-Zeichen ersetzen) melden und erhält dann weitere Informationen und Einladungen zu Treffen.

Annette