{"id":96,"date":"2009-12-27T01:21:37","date_gmt":"2009-12-26T23:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=96"},"modified":"2021-01-19T10:24:03","modified_gmt":"2021-01-19T08:24:03","slug":"gutes-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2009\/12\/gutes-leben\/","title":{"rendered":"Eine andere Welt und ein \u201egutes Leben\u201c sind m&#246;glich!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/wsf1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-98\" title=\"wsf1\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/wsf1.png\" alt=\"\" width=\"112\" height=\"138\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor wenigen Stunden fand in Jena eine Veranstaltung mit Silke Helfrich statt, bei der sie von ihren Erlebnissen beim Weltsozialforum 2009 in Bel\u00e9m (Brasilien) berichtete. 135 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer berieten sich in &#252;ber 2000 Veranstaltungen &#252;ber ihre Positionen und Vorhaben. Nur die wenigsten TeilnehmerInnen waren aus Europa, Afrika oder auch Lateinamerika, die meisten kamen direkt aus der Region, durch die die Schlachten der Globalisierung unmittelbar hindurch gehen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gerade in Brasilien brodeln Konfllikte zwischen den sozialen und &#246;kologischen Forderungen der sozialen Bewegungen (wie der Landlosen in Brasilien) und der zerst&#246;rerischen Gro&#223;projekt-Industrie-Wachstumspolitik der Lula-Regierung und der Gewerkschaften. Die Kosten f&#252;r diese Wachstumspolitik sind nicht mehr tragbar; nicht nur die Folgen des dadurch verursachten Klimawandels machen den vorwiegend von Indigenen bewohnten Regionen zu schaffen, sondern auch einschneidende gro&#223;industrielle Infrastrukturen und die Orientierung auf eine monokulturell-exportorientierte Landwirtschaft schadet ihnen ganz unmittelbar. Deshalb wurde vor allem die Anwesenheit des brasilianischen Pr&#228;sidenten Lula zu einem so gro&#223;en Problem, dass die Landlosenbewegung sich nicht innerhalb des Weltsozialforums engagierte, sondern au&#223;erhalb. <\/p>\n<p>Auch der st&#228;ndige Widerstreit der Forderung nach Horizontalit&#228;t bei gleichzeitig gew&#252;nschtem medialen Effekt, der meist nur &#252;ber gro&#223;e Namen oder gro&#223;e offizielle Verlautbarungen erreicht werden kann, bleibt weiter akut. Wie Silke berichtete, bem&#252;ht man sich aber immer mehr um wirklich programmatische inhaltliche Arbeit, die vorwiegend in 27 thematischen Foren wie zum Klima oder zur Wassernutzung verwirklicht wurde. In diesen Foren wurden Konsenspapiere erarbeitet und bei der abschlie&#223;enden \u201eVersammlung der Versammlungen\u201c vorgetragen. <\/p>\n<p><img src='http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3414\/3233527326_878688773d_m.jpg' alt='' class='alignright' \/><br \/>\nEine wichtige Erfahrung war die aktive Beteiligung der indigenen Menschen, die ihren Gegenentwurf zur neoliberalen \u201eModernisierung\u201c unter der Bezeichnung <strong>\u201egutes Leben\u201c<\/strong> (portugiesisch: <em>bem viver<\/em>) vertraten. Damit ist vor allem gemeint, dass Menschen selbst entsprechend ihren regionalen Gegebenheiten bestimmen wollen, wie sie leben wollen. Dieses \u201egute Leben\u201c wird weder f&#252;r alle Menschen auf der Erde einheitlich sein, noch wird es statisch ein f&#252;r allemal gegeben sein. Es wird immer wieder von den Menschen selbst bestimmt, was f&#252;r sie ein \u201egutes Leben\u201c ist. Gleichzeitig jedoch f&#252;hrt der Grundsatz der <em>Diversit&#228;t <\/em>nicht zu einer Zersplitterung, sondern wird unter dem Stichwort \u201e<em>Konvergenz<\/em>\u201c immer wieder zusammen gef&#252;hrt. Zentral waren bei allen Themen immer wieder Fragen des Eigentums, der sozialen Beziehungen und des Zugangs zu Ressourcen. <\/p>\n<p>Wie <a href=\"http:\/\/commonsblog.wordpress.com\/2009\/02\/02\/weltsozialforum-fordert-wiederaneignung-der-gemeinguter\/\">Silke schon in ihrem Blog berichtete<\/a> wurden die Gemeing&#252;ter bei diesem Sozialforum erstmals zu einem gro&#223;en Thema und es wurde ein <strong>\u201cAufruf an alle Menschen zur Wiedergewinnung der Gemeing&#252;ter\u201d<\/strong> gestartet. <\/p>\n<p>Ein wichtiges Ergebnis des Weltsozialforums nannte Silke am Schluss ihres Berichts. Es gibt eine Zusammenstellung von \u201ezentralen Elementen eines neuen politischen Paradigmas\u201c von Jos\u00e9 Correa Leite. Er nennt folgende Punkte:<\/p>\n<ul>\n<li>Klimagerechtigkeit<\/li>\n<li>Gutes Leben<\/li>\n<li>Wiedergewinnung der Gemeing&#252;ter<\/li>\n<li>Kollektive Rechte<\/li>\n<li>plurinationale Staaten<\/li>\n<li>De-Kolonialisierung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist schade, dass dieser Impuls einer weltweiten antikapitalistischen und durch konkrete Utopien getr&#228;nkten Bewegung bei uns so gut wie gar nicht ankommt. Bei uns neigen sogar die Linken dazu, auf eine baldige Stabilisierung des kapitalistischen \u201ebusiness as usual\u201c zu hoffen. Viele Debatten versuchen immer wieder einen besseren Kapitalismus auszudenken, radikale Alternativen scheinen hinterm Horizont verschwunden&#8230; Ob eine \u201eandere Welt m&#246;glich ist\u201c, entscheidet sich aber nicht in unseren Elfenbeinturmdebatten, sondern in Bel\u00e9m und anderswo, wo wir nicht sind&#8230; <\/p>\n<p><em>Noch nicht? <\/em><\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/offer\/kredit-nalichnymi-renescans-kredit.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/hypertension-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/\">www.zp-pdl.com<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor wenigen Stunden fand in Jena eine Veranstaltung mit Silke Helfrich statt, bei der sie von ihren Erlebnissen beim Weltsozialforum 2009 in Bel\u00e9m (Brasilien) berichtete. 135 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer berieten sich in &#252;ber 2000 Veranstaltungen &#252;ber ihre Positionen und Vorhaben. 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