{"id":569,"date":"2010-09-15T13:14:24","date_gmt":"2010-09-15T11:14:24","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=569"},"modified":"2021-01-19T10:21:55","modified_gmt":"2021-01-19T08:21:55","slug":"der-klimawandel-und-die-laufzeitverlaengerung-der-kernkraftwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2010\/09\/der-klimawandel-und-die-laufzeitverlaengerung-der-kernkraftwerke\/","title":{"rendered":"Der Klimawandel und die Laufzeitverl&#228;ngerung der Kernkraftwerke"},"content":{"rendered":"<p>Anfang September 2010 entschied die Regierung Merkel\/Westerwelle\/Seehofer in einer Nachtsitzung die \u201eEckpunkte\u201c f&#252;r die in der Koalitionsvereinbarung bereits festgelegten l&#228;ngeren Laufzeiten f&#252;r die Kernkraftwerke in Deutschland: &#196;ltere Kraftwerke sollen um etwa acht Jahre und j&#252;ngere um etwa 12 Jahre l&#228;nger in Betrieb sein, als in dem Ausstiegsszenario der Schr&#246;der-Regierung vorgesehen ist. Da die Vorgaben nicht zeitlich definiert, sondern &#252;ber zu produzierende, begrenzt &#252;bertragbare Strommengen festgelegt werden, k&#246;nnen folgende Laufzeiten f&#252;r den Betrieb von Kernkraftwerken angenommen werden:<!--more--><\/p>\n<p><strong>Neue Restlaufzeiten der deutschen Kernkraftwerke<\/strong><\/p>\n<table  border=\"1\" cellpadding=\"3\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<th>Kernkraftwerk<\/th>\n<th>Nennleistung in Megawatt<\/th>\n<th>Betrieb seit<\/th>\n<th>Abschaltung bisher vorgesehen<\/th>\n<th>M&#246;gliche neue Laufzeit<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>BADEN-W&#220;RTTEMBERG<\/strong><\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Neckarwestheim I<\/td>\n<td>840<\/td>\n<td>1976<\/td>\n<td>2011<\/td>\n<td>Bis 2019<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Neckarwestheim II<\/td>\n<td>1.395<\/td>\n<td>1989<\/td>\n<td>2022<\/td>\n<td>Bis 2036<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Philippsburg I<\/td>\n<td>926<\/td>\n<td>1980<\/td>\n<td>2012<\/td>\n<td>Bis 2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Philippsburg II<\/td>\n<td>1.458<\/td>\n<td>1985<\/td>\n<td>2018<\/td>\n<td>Bis 2032<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>BAYERN<\/strong><\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Isar I, Essenbach<\/td>\n<td>912<\/td>\n<td>1979<\/td>\n<td>2011<\/td>\n<td>Bis 2019<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Isar II<\/td>\n<td>1.475<\/td>\n<td>1988<\/td>\n<td>2020<\/td>\n<td>Bis 2034<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Grafenrheinfeld<\/td>\n<td>1.345<\/td>\n<td>1982<\/td>\n<td>2014<\/td>\n<td>Bis 2028<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gundremmingen B<\/td>\n<td>1.344<\/td>\n<td>1984<\/td>\n<td>2015<\/td>\n<td>Bis 2030<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gundremmingen C<\/td>\n<td>1.344<\/td>\n<td>1985<\/td>\n<td>2016<\/td>\n<td>Bis 2030<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>HESSEN<\/strong><\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Biblis A<\/td>\n<td>1.225<\/td>\n<td>1975<\/td>\n<td>2012<\/td>\n<td>Bis 2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Biblis B<\/td>\n<td>1.300<\/td>\n<td>1977<\/td>\n<td>2011<\/td>\n<td>Bis 2019<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>NIEDERSACHSEN<\/strong><\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Unterweser, Esensham<\/td>\n<td>1.410<\/td>\n<td>1979<\/td>\n<td>2012<\/td>\n<td>Bis 2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Grohnde<\/td>\n<td>1.430<\/td>\n<td>1985<\/td>\n<td>2018<\/td>\n<td>Bis 2032<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Emsland, Lingen<\/td>\n<td>1.400<\/td>\n<td>1988<\/td>\n<td>2020<\/td>\n<td>Bis 2034<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>SCHLESWIG-HOLSTEIN<\/strong><\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr >\n<td>Brunsb&#252;ttel<\/td>\n<td>806<\/td>\n<td>1976<\/td>\n<td>2012<\/td>\n<td>Bis 2020<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kr&#252;mmel, Geesthacht<\/td>\n<td>1.402<\/td>\n<td>1984<\/td>\n<td>2019<\/td>\n<td>Bis 2033<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Brokdorf<\/td>\n<td>1440<\/td>\n<td>1986<\/td>\n<td>2019<\/td>\n<td>Bis 2033<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/reststrommengen102.html\">[Quelle: http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/reststrommengen102.html]<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Nach dieser &#220;bersicht w&#252;rde als letztes Kraftwerk Neckarwestheim II im Jahr 2036 vom Netz gehen. <\/p>\n<p><strong>Deutschlands Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels<\/strong><\/p>\n<p>Andererseits gibt sich die Bundeskanzlerin weltweit als Vorreiterin des Kampfes gegen den Klimawandel und sieht sich und ihre Politik als weltweit beispielgebend. Das kam auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm zum Ausdruck und zeigt auch die Bezeichnung \u201eKlimakanzlerin\u201c, die sie nie verleugnet hat.<\/p>\n<p>Was bedeutet nun \u201eKampf gegen den Klimawandel\u201c heute? &#8211; Der letzte Bericht des IPCC belegte, dass eine Eind&#228;mmung einer globalen Erh&#246;hung der Temperatur derart, dass deren Folgen kaum sp&#252;rbar sind, bereits nicht mehr m&#246;glich ist. Es geht heute darum, die Erh&#246;hung auf maximal 2 Grad zu begrenzen, was als gerade noch beherrschbar betrachtet wird und gravierende &#196;nderungen unseres Klimas nach sich ziehen wird. Was eine H&#228;ufung von Wetterextremen praktisch bedeuten, davon lieferte das Jahr 2010 einen leichten Vorgeschmack. <\/p>\n<p>Als wichtigste Ma&#223;nahme, um dieses Ziel mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit zu erreichen, ist es aus Sicht des IPCC n&#246;tig, die durch menschliche T&#228;tigkeit verursachten CO2-Emissionen bis 2050 weltweit auf 50%-80% des Wertes von 1990 zu reduzieren. Deutschland hat sich in diesem Zusammenhang verpflichtet, bis 2020 die CO2-Emission um 40% gegen&#252;ber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Diese Verpflichtung stammt aus den 1990-er Jahren und der zugrundeliegende Zeithorizont ist heute unzureichend.<br \/>\nZum Einen deshalb, weil die Begrenzung der Klimaver&#228;nderungen durch bereits geschaffene Tatsachen nur noch in einem Zeithorizont von 50 bis 100 Jahren betrachtet werden kann und deshalb die Forderung des IPCC f&#252;r die Industriestaaten lautet, bis 2050 eine CO2-Reduzierung von 80%-95% gegen&#252;ber 1990 zu erreichen. Eine Betrachtungsweise nur bis 2020 oder ganz und gar in Zeithorizonten von Legislaturperioden einer Regierung ist also nicht angebracht. Zum Anderen deshalb, weil viele Kraftwerke auf eine Nutzungsdauer von einigen Jahrzehnten ausgelegt sind und mit einem Neubau von Kraftwerken heute die Entscheidungen getroffen werden, ob die Reduktionsziele des IPCC erreicht werden k&#246;nnen. Aktuelle Neubaupl&#228;ne von Braunkohle-Gro&#223;kraftwerken, welche die Grundlast abdecken, sind damit offensichtlich nicht in Einklang zu bringen.<\/p>\n<p>Eine Verl&#228;ngerung der Laufzeit von Kernkraftwerken erscheint in diesem Zusammenhang als plausibler Weg, um das angegebene Ziel der Emissionsreduzierung zu erreichen: Im laufenden Betrieb emittieren diese Kraftwerke faktisch kein CO2 und eine ihrer Laufzeitverl&#228;ngerung scheint technisch ohne allzu gro&#223;en Aufwand machbar. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Zuerst einmal wegen der nach wie vor ungekl&#228;rten Frage der Endlagerung der radioaktiven Abfallprodukte. Desweiteren wegen der unkalkulierbaren Risiken im Betrieb der Kraftwerke &#8211; keine Versicherung ist bereit die diesbez&#252;glichen Risiken zu versichern. Darauf soll aber an dieser Stelle gar nicht eingegangen werden. Ein weiterer Widerspruch tut sich auf, ein Widerspruch zu der Aussage, dass letztendlich die Kernkraft eine \u201eBr&#252;ckentechnologie\u201c sein soll, hin zur vollst&#228;ndigen Elektroenergiegewinnung aus erneuerbaren Energien.<\/p>\n<p>Eine Br&#252;cke hat f&#252;r mich zuerst den Aspekt des Verbindenden. In diesem Fall ist also Kernkraft eine Technik, die den &#220;bergang zur immer st&#228;rkeren Verwendung von erneuerbaren Energien f&#246;rdert. Mit der beschlossenen Laufzeitverl&#228;ngerung passiert jedoch das genaue Gegenteil: Die Entwicklung der erneuerbaren Energien wird ausgebremst. Der Grund daf&#252;r ist ein rein technischer, er kann also nicht durch politisches Sch&#246;nreden beseitigt werden.<\/p>\n<p><strong>\u201eKlassischer\u201c Lastgang bei konventioneller Stromerzeugung<\/strong><\/p>\n<p>Um diesen Zusammenhang darzustellen, muss zuerst einmal betrachtet werden, wie sich der Elektroenergieverbrauch im Verlauf eines Tages entwickelt. Dieser ist keineswegs konstant, sondern hat einen charakteristischen Verlauf:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_01_400.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_01_400.png\" alt=\"\" title=\"klassischer Lastgang\" width=\"400\" height=\"300\" class=\"alignnone size-full wp-image-575\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_01_400.png 400w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_01_400-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abbildung 1: Tagesgang des Elektroenergieverbrauchs<\/p>\n<p>In den Morgenstunden nimmt der Verbrauch immer mehr zu um nach einer Spitze wieder abzusinken. In der Tagesmitte zeigt sich eine weitere Spitze. Abends sinkt der Verbrauch wieder deutlich.<\/p>\n<p>Da im Energienetz zu jeder Zeit die Einspeisung und der Verbrauch von Elektroenergie gleich sein m&#252;ssen, bedeutet das praktisch, dass je nach Bedarf Kraftwerke zu- bzw. abgeschaltet werden m&#252;ssen. Das ist aber nicht mit jedem Kraftwerk technisch machbar. Deshalb werden verschiedene Typen von Kraftwerken unterschieden:<\/p>\n<ul>\n<li>Grundlastkraftwerke &#8211; sie laufen kontinuierlich rund um die Uhr und sind nur sehr schwer regelbar. Wasserkraftwerke, Kernkraftwerke und gro&#223;e Braunkohlenkraftwerke laufen heute in Deutschland als Grundlastkraftwerke. Um ein solches Kraftwerk anzufahren bedarf es einiger Stunden, bei &#228;lteren Kernkraftwerken sogar Tage, bis diese stabil im Grundlastbetrieb laufen. Die Leistung der Grundlastkraftwerke insgesamt ist so ausgelegt, dass der Minimalbedarf gerade abgedeckt wird.<\/li>\n<li>Mittellastkraftwerke &#8211; sie liefern nach Bedarf Elektroenergie, jedoch ist dieser Bedarf absehbar. Die Betreiber dieser Kraftwerke wissen also genau, wann sie am Netz sein m&#252;ssen und richten den Betrieb des Kraftwerkes darauf aus. F&#252;r die Mittellast werden oft Steinkohlenkraftwerke eingesetzt<\/li>\n<li>Spitzenlastkraftwerke &#8211; sie liefern die Energie im Spitzenlastbereich. Ob sie ben&#246;tigt werden oder nicht, wissen die Kraftwerksbetreiber nicht. Deshalb m&#252;ssen diese Kraftwerke sehr schnell, &#252;blicherweise innerhalb weniger Minuten, hoch- und heruntergefahren werden k&#246;nnen. Hierf&#252;r kommen typischerweise Pumpspeicherwerke oder Gasturbinenkraftwerke zum Einsatz.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um den Lastgang eines Tages absichern zu k&#246;nnen, wird alle 15 Minuten der Bedarf ermittelt und an die Betreiber der Kraftwerke jeweils die Lastanforderung weitergegeben, die dann die Kraftwerke entsprechend fahren. Dieser Vorgang, zus&#228;tzlichen Bedarf abzufordern, wird als Dispatch bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Lastgang bei hohem Anteil erneuerbarer Energien<\/strong><\/p>\n<p>Nun kommen aber zunehmend erneuerbare Energien hinzu. Eine technische Besonderheit dieser Energien ist die Tatsache, dass sie praktisch nicht regelbar und sehr schlecht vorhersehbar sind. Ob Wind weht oder die Sonne scheint ist nicht planbar. Trotzdem muss das irgendwie in den Lastgang \u201eeingebaut\u201c werden. Ein Beispiel, wie ein Lastgang bei starkem Aufkommen von Windenergie aussehen k&#246;nnte, ist nachfolgend dargestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_02_400.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_02_400.png\" alt=\"\" title=\"Tagesgang bei hohem Aufkommen von Windenergie\" width=\"400\" height=\"300\" class=\"alignnone size-full wp-image-576\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_02_400.png 400w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_02_400-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abbildung 2: Tagesgang bei hohem Aufkommen von Windenergie<\/p>\n<p>Unter den dargestellten Bedingungen kann von einer klaren Trennung zwischen Grundlast, Mittellast und Spitzenlast nicht mehr die Rede sein. Hier taucht ein Dilemma auf: Entweder, es wird bei der althergebrachten Fahrweise der Kraftwerke geblieben &#8211; das bedeutet aber, Verzicht auf erneuerbare Energien, Verst&#228;rkung des Klimawandels (sofern Kohle als Betriebsstoff eingesetzt wird) und hohe variable Kosten, weil Betriebsstoffe bezahlt werden m&#252;ssen. Oder, die Fahrweise der Kraftwerke wird ver&#228;ndert &#8211; das bedeutet aber, Verzicht auf einen Grundlastbetrieb, Errichtung von Energie-Speicherkapazit&#228;ten einschlie&#223;lich einer entsprechenden Netz-Infrastruktur, Abschw&#228;chung des Klimawandels und geringe variable Kosten, weil Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen keine Betriebsstoffe ben&#246;tigen.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.umweltrat.de\/cln_135\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/06_Hintergrundinformationen\/2009_Thesen_Weichenstellungen_Stromversorgung_Hohmeyer.html\">Thesenpapier <\/a>des Sachverst&#228;ndigenrates f&#252;r Umweltfragen \u201eWeichenstellungen f&#252;r eine nachhaltige Stromversorgung\u201c wurde aus Daten des Netzbetreiber E.ON in Schleswig-Holstein f&#252;r einen hohen Ausbau der Windenergie ein m&#246;glicher Lastgang hochgerechnet. Diese Daten sind nachfolgend dargestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_03_400.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_03_400.png\" alt=\"\" title=\"Lastgang bei starkem Energieertrag aus Windkraft\" width=\"400\" height=\"300\" class=\"alignnone size-full wp-image-577\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_03_400.png 400w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_03_400-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abbildung 3: Durch Skalierung hochgerechneter Lastgang f&#252;r das E.ON-Netz in Schleswig-Holstein bei starkem Energieertrag aus Windkraft<\/p>\n<p>Wird die Differenz beider Kurven dargestellt, ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_04_400.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_04_400.png\" alt=\"\" title=\"resultierender Speicher- bzw. Dispatchbedarf\" width=\"400\" height=\"300\" class=\"alignnone size-full wp-image-578\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_04_400.png 400w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/energie_04_400-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abbildung 4: resultierender Speicher- bzw. Dispatchbedarf<\/p>\n<p>Aus dieser Darstellung wird deutlich, dass es faktisch keine Grundlast mehr gibt. Dieser Dispatchbedarf kann nur noch &#252;ber Mittellast- und Spitzenlastkraftwerke abgesichert werden. Und noch etwas wird deutlich: Es wird n&#246;tig sein, Speicherkapazit&#228;ten f&#252;r &#252;bersch&#252;ssige Energie zur Verf&#252;gung zu haben. Die heute in Deutschland verf&#252;gbaren Kraftwerke sind einige Pumpspeicherwerke und ein Druckluft-Speicher-Kraftwerk, welches seit vielen Jahren im Forschungsbetrieb l&#228;uft. Potentielle Standorte nennenswerter neue Pumpspeicherkraftwerke sind in Deutschland aufgrund der Geografie nicht verf&#252;gbar. Eine L&#246;sung kann hier nur ein europaweiter Netzverbund sein, der Speicherm&#246;glichkeiten in anderen L&#228;ndern (Schweiz, Norwegen) erschlie&#223;t.<\/p>\n<p><strong>kontraproduktive Orientierung auf die Grundlast<\/strong><\/p>\n<p>Die Tatsache, dass Grundlastkraftwerke immer weniger ben&#246;tigt werden ergibt sich aus den dargestellten Zusammenh&#228;ngen. Das wird auch in der Leitstudie des Sachverst&#228;ndigenrates f&#252;r Umweltfragen deutlich:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBei sehr hohen Anteilen an EE (Erneuerbaren Energiequellen) [&#8230;] verschwindet die herk&#246;mmliche Grundlaststromerzeugung weitgehend, die verbleibenden fossilen Kondensationskraftwerke stellen dann ausschlie&#223;lich die zu einer sicheren Stromversorgung erforderliche Leistung zur Verf&#252;gung.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Zusammenfassend kann damit gesagt werden, dass in einem Energiesystem mit hohen Anteilen fluktuierender Einspeisung aus regenerativen Energiequellen Grundlastkraftwerke entscheidend an Bedeutung verlieren. Mehr noch, sie sind aufgrund ihrer technischen Eigenschaft, dass sie nur sehr langsam angefahren werden k&#246;nnen auch nicht mehr geeignet, die notwendigen Aufgaben regelbarer Kraftwerkskapazit&#228;ten in dem neuen Energiesystem sinnvoll zu erf&#252;llen. Im Gegenteil dazu werden Kraftwerke mit gutem Regelverhalten und schneller Verf&#252;gbarkeit ben&#246;tigt. <\/p>\n<p>Die von der Bundesregierung getroffene Entscheidung zur Verl&#228;ngerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken steht dazu in klarem Widerspruch. Vielmehr f&#252;hrt diese Entscheidung zu einer Behinderung des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien. N&#246;tig sind Investitionen in Kraftwerke, die flexibel auf Lastschwankungen reagieren k&#246;nnen, wie zum Beispiel gasbefeuerte Kraftwerke. N&#246;tig sind Investitionen in den Ausbau des Netzes, hin zu einem \u201eintelligenten\u201c Netz, welches Lastfluktuationen schnell ausregeln kann.<\/p>\n<p><strong>Situation der \u201eEnergieriesen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Betreiber der Grundlastkraftwerke k&#246;nnen nat&#252;rlich diese Problematik nicht negieren. Wenn der Grundlastbedarf zur&#252;ckgeht, wird das f&#252;r ihre Kraftwerke zun&#228;chst einmal eine verringerte Auslastung bedeuten und damit erh&#246;hte Kosten, weil bei gleichbleibenden Fixkosten weniger Strom verkauft wird. Hinzu kommt, dass diese Kraftwerke immer &#246;fter herauf und heruntergefahren werden m&#252;ssen, von Vollast- auf Teillastbetrieb. Daf&#252;r sind diese Kraftwerke aber nicht ausgelegt. Es wird ein gr&#246;&#223;erer Wartungsaufwand n&#246;tig sein, was wieder mehr Kosten verursacht. Und ob es f&#252;r die technische Sicherheit eines Kernkraftwerkes f&#246;rderlich ist, wenn &#246;fters der Betriebszustand gewechselt werden muss, ist zu bezweifeln. Inwiefern vor diesem Hintergrund die Laufzeitverl&#228;ngerung mit Kosteneinsparungen in Verbindung gebracht werden kann, ist mehr als schleierhaft.<\/p>\n<p>Betrachten wir aber den Kern der T&#228;tigkeit der Kraftwerksbetreiber: Ziel ist es, Rendite zu erwirtschaften. Unter den dargestellten Bedingungen m&#252;ssten diese also die erneuerbaren Energien ausbremsen, was jedoch nicht durchsetzbar ist. Sie k&#246;nnten den Netzausbau behindern, was auch redlich versucht wird, aber die Entwicklung lediglich vielleicht um einige Jahre verz&#246;gern kann. Und sie k&#246;nnten versuchen, die Regierung zu veranlassen, die Rahmenbedingungen zu &#228;ndern. Genau das ist offensichtlich geschehen. Denn gegen jeden technischen Sachverstand den Betrieb der Kernkraftwerke l&#228;nger zu gestatten und damit Milliardengewinne f&#252;r die Energiekonzerne zu garantieren kann nur als Kniefall vor den Konzernen oder als \u201ezu Kreuze kriechen\u201c verstanden werden.<\/p>\n<p>Am <a href=\"http:\/\/www.ausgestrahlt.de\/\">18. September 2010<\/a> gibt es die M&#246;glichkeit, eine abweichende Meinung klar zu &#228;u&#223;ern. <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/order\/zaymyi-kredito24.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/brands-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/emergency-payday-loans.php\">https:\/\/zp-pdl.com\/emergency-payday-loans.php<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang September 2010 entschied die Regierung Merkel\/Westerwelle\/Seehofer in einer Nachtsitzung die \u201eEckpunkte\u201c f&#252;r die in der Koalitionsvereinbarung bereits festgelegten l&#228;ngeren Laufzeiten f&#252;r die Kernkraftwerke in Deutschland: &#196;ltere Kraftwerke sollen um etwa acht Jahre und j&#252;ngere um etwa 12 Jahre l&#228;nger in Betrieb sein, als in dem Ausstiegsszenario der Schr&#246;der-Regierung vorgesehen ist. 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