{"id":48,"date":"2008-12-18T21:23:52","date_gmt":"2008-12-18T19:23:52","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=48"},"modified":"2021-01-19T10:27:23","modified_gmt":"2021-01-19T08:27:23","slug":"nuetzliche-ent-taeuschungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2008\/12\/nuetzliche-ent-taeuschungen\/","title":{"rendered":"N&#252;tzliche Ent-T&#228;uschungen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Grenzen-Kapitalismus-Wachstum-scheitern\/dp\/3800073668\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1229626167&amp;sr=8-1\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Grenzen-Kapitalismus-Wachstum-scheitern\/dp\/3800073668\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1229626167&amp;sr=8-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-49\" title=\"gw\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/gw.png\" alt=\"\" width=\"75\" height=\"75\" \/><\/a><\/p>\n<p>W&#228;hrend mir gestern an einem einzigen Tag beim Fernsehzappen zwei Reportagen &#252;ber den beschleunigten Klimawandel auffallen, enden die internationalen Klimagespr&#228;che in Poznan so gut wie ergebnislos. Mitten in den forcierten Sozialabbau f&#228;llt die globale Finanzkrise der Wirtschaft. W&#228;hrend sich vielerorts die Menschen gegen diese Zumutungen wehren, werden die \u201eSicherheits-\u201eGesetze versch&#228;rft. Wahrlich, es geht zu Ende mit dieser Lebens- und Wirtschaftsordnung. Das Problem dabei ist: Es geht nicht mehr nur gegen \u201edie da oben\u201c, sondern unsere eigene, auf eine bestimmte Form des Wohlstands orientierte Lebensweise wird in Frage gestellt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDass die industrielle Raubbauwirtschaft an <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Grenzen_des_Wachstums\">\u201eGrenzen des Wachstums\u201c<\/a>  sto&#223;en wird, ist seit langem bekannt. F&#252;r jene, die sich dem Sozialabbau entgegenstellen, mehr Teilhabe am Wohlstand und soziale Lebensverbesserung fordern, muss es wie eine Zumutung erscheinen, dass ihnen gesagt wird: \u201eEs geht sowieso nicht mehr weiter mit dem Wohlstand, macht euch auf karge Zeiten gefasst, denn die Ressourcen reichen nicht mehr.\u201c Wenn der Klimawandel Verzicht auf Wohlstand fordert, muss er wohl eine Erfindung des Gegners sein, der uns ausschlie&#223;en will. <\/p>\n<p>Dass dies nicht so ist, weisen Andreas Exner, Christian Lauk und Konstantin Kulterer in ihrem Buch: <a href=\"http:\/\/www.social-innovation.org\/\">\u201eDie Grenzen des Wachstums. Wie wir am Wachstum scheitern\u201c <\/a> nach. Knallharte Fakten beweisen, dass die industrielle Produktionsweise an die Grenzen des Verbrauchs von fossiler Energie und auch des Materialeinsatzes st&#246;&#223;t. Aber auch scheinbar sanfte Reformen, wie die \u201eEffizienzrevolution\u201c oder der Ausbau von Erneuerbarer Energie k&#246;nnen unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nicht retten. F&#252;r viele mag das eine Ent-T&#228;uschung sein. Es w&#228;re doch zu sch&#246;n, wenn wir weiter immer l&#228;ngere Flugreisen, schwerere Autos, geheizten Wohnraum und W&#228;schetrockner haben k&#246;nnten, und die Wirtschaft des eigenen Landes durch die technische Effizienzsteigerung und den wachsenden Markt f&#252;r Erneuerbare Energien auch noch auf dem Weltmarkt Vorteile erlangen k&#246;nnte! F&#252;r einzelne Branchen, wie die Photovoltaik funktioniert das auch. Mitten in der Krise wird in Th&#252;ringen ein weiteres gro&#223;es Solarwerk aufgebaut, ein gro&#223;er Solarkonzern wollte gar einen kriselnden Autobauer aufkaufen. Global gesehen jedoch geht die Rechnung nicht auf. Dies wird in diesem Buch mit vielen Zahlen und Daten nachgewiesen. Sie beziehen sich einerseits auf die stofflich-energetischen Fragen, andererseits auf polit-&#246;konomische Zusammenh&#228;nge. Und besonders letzteres unterscheidet dieses Buch von den vielen anderen &#214;kob&#252;chern, die es seit Jahrzehnten gibt. Es &#252;berbr&#252;ckt die Kluft, die leider zwischen den sozialen und den &#246;kologischen Bewegungen immer noch besteht. Denn es ist nicht irgendeine menschliche Lebensweise, die an ihre Grenzen gelangt, sondern die kapitalistische. Die &#246;kologischen Grenzen werden traditionell von den &#214;kos diskutiert \u2013 die eher sozialen Krisen des Kapitalismus von sozialen Bewegungen. Und prompt geraten sie zuerst einmal aneinander, gegeneinander: Wenn die &#246;kologischen Grenzen ein Bremsen des Wohlstandswachstums oder gar ein Herunterfahren des Wohlstands erfordern, so m&#252;ssen sich die sozialen Bewegungen gef&#228;hrdet f&#252;hlen. Und wenn statt Sozialabbau die weitere Beteiligung aller Menschen am Wohlstand gefordert wird, erkennen die &#246;kologischen Bewegungen, dass der Raubbau an der Natur beschleunigt wird. Dass diese beiden nicht gegen einander sondern <a href=\"http:\/\/www.thur.de\/philo\/as234.htm\">nur miteinander gemeinsam aus der l&#228;hmenden Verklammerung heraus komme<\/a>n , bedarf eines tieferen Blicks in die &#246;konomischen Zusammenh&#228;nge, die die kapitalistische Wirtschaftsweise beherrschen. Dann zeigt es sich auch, dass die Art von Wachstum, die der Kapitalismus zustande bringt, schon l&#228;ngst an den Interessen der allermeisten Menschen vorbei geht. Daran ist nicht viel zu retten, nicht einmal die Arbeitsproduktivit&#228;t, bei der in der US-amerikanischen Landwirtschaft mehr Energie in Form von &#214;l eingesetzt wird, als an essbaren Kilokalorien heraus kommen. Eine der vielen  sch&#246;nen treffenden Themen&#252;berschriften hei&#223;t deshalb auch \u201eWir essen &#214;l\u201c.  <\/p>\n<p>Das ganze Buch ist letztlich ein Durchgang durch noch oft anzutreffende Illusionen und deren Widerlegung. Eine Ent-T&#228;uschung folgt der anderen.<br \/>\nWer das durchh&#228;lt, wird aber nicht alternativlos allein gelassen. Das Buch beginnt mit dem Blick nach Detroit, wo der R&#252;ckzug des Automobilbaus schon vor Jahrzehnten Ruinen zur&#252;ck gelassen hat \u2013 aber am Ende kommen wir zur&#252;ck nach Detroit und entdecken, dass dort auch Neues zu bl&#252;hen begonnen hat. In Gemeinschaftsg&#228;rten und anderen Projekte nehmen die Menschen ihr Leben mehr und mehr wieder selbst in die Hand. Auch Argentinien ist ein Vorbild, einerseits f&#252;r den Crash des Industriekapitalismus, andererseits f&#252;r die Kraft der Menschen, die Fabriken zu besetzen, zu &#252;bernehmen und in eigener Regie weiter zu f&#252;hren. Das alles braucht uns nicht wieder in verfr&#252;hte Illusionen verf&#252;hren. Aber es sind Bausteinchen, auf denen unsere Hoffnungen aufsetzen k&#246;nnen und mit denen wir beginnen k&#246;nnen, in unseren eigenen Lebensbereichen mehr und mehr Autonomie und Selbstorganisation zu beginnen. Umsonst- und Gemeinschaftsprojekte sind auf vielen Gebieten m&#246;glich. <\/p>\n<p><strong>\u201eWir m&#252;ssen die Produktion in unsere Hand bekommen&#8230;<br \/>\nUnd diese Hand muss sich mit anderen H&#228;nden direkt verschr&#228;nken.\u201c (S. 213)<\/strong><br \/>\n<a href='http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/gw1.png'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/gw1.png\" alt=\"\" title=\"gw1\" width=\"75\" height=\"75\" class=\"alignleft size-medium wp-image-50\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Das Buch:<\/strong><br \/>\nExner, Andreas; Lauk, Christian; Kulterer, Konstantin (2008): Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern. Wien: Ueberreuter. <\/p>\n<p><strong>Weitere Texte von mir zum Buch von Exner u.a.:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/philosophenstuebchen.wordpress.com\/2008\/12\/18\/revolution-as-usual\/\">Revolution as usual?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/philosophenstuebchen.wordpress.com\/2008\/12\/18\/peak-wachstum\/\">Peak Wachstum<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p> <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/order\/kreditnye-karty-raiffeisen-bank-card.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/migraine-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/\">https:\/\/www.zp-pdl.com<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&#228;hrend mir gestern an einem einzigen Tag beim Fernsehzappen zwei Reportagen &#252;ber den beschleunigten Klimawandel auffallen, enden die internationalen Klimagespr&#228;che in Poznan so gut wie ergebnislos. 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