{"id":3974,"date":"2025-11-07T23:02:25","date_gmt":"2025-11-07T21:02:25","guid":{"rendered":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=3974"},"modified":"2025-11-07T23:02:25","modified_gmt":"2025-11-07T21:02:25","slug":"cop30-unter-schwierigen-vorzeichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2025\/11\/cop30-unter-schwierigen-vorzeichen\/","title":{"rendered":"COP30 unter schwierigen Vorzeichen"},"content":{"rendered":"<p>Die klimatische Lage spitzt sich zu. Wenn am Montag die Weltklimakonferenz COP 30 in Belem am Rande des Amazonas-Regenwalds beginnt, sind 10 Jahre seit dem Beschluss von Paris vergangen, die Klimaerw&#228;rmung auf deutlich unter zwei Grad, m&#246;glichst 1,5 Grad &#252;ber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Ziel ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichbar. Aktuell liegt die globale Mitteltemperatur im f&#252;nfj&#228;hrigen Mittel bereits zwischen 1,3 und 1,4 Grad &#252;ber dem vorindustriellen Niveau, wie aus den Daten von <a href=\"https:\/\/www.d-copernicus.de\/daten\/beispiele-und-anwendungen\/atmosphaere-und-klimawandel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Copernicus<\/a> hervorgeht, der Erdbeobachtungsagentur der EU.<\/p>\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/www.dpg-physik.de\/veroeffentlichungen\/publikationen\/stellungnahmen-der-dpg\/klima-energie\/klimaaufruf\/stellungnahme\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gemeinsamen Aufruf der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft<\/a> wird ausgef&#252;hrt, dass sowohl die internationalen Ambitionen wie auch dar&#252;ber hinaus deren Umsetzung v&#246;llig unzureichend sind um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Es besteht die Gefahr, dass bereits Mitte des Jahrhunderts die mittlere globale Temperatur um 2 bis 3 Grad &#252;ber dem vorindustriellen Niveau liegen k&#246;nnte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/temp_1881_2024.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-473\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/temp_1881_2024-1024x557.png\" alt=\"Jahrestemperaturen in Deutschland 1881- 2024 . &#220;ber die Zeit ist eine deutliche Zunahme der Temperatur hin zu h&#246;heren Temperaturen zu erkennen. \u00a9 Stefan Rahmstorf; Datengrundlage: Deutscher Wetterdienst, CC BY-SA 2.0\" width=\"625\" height=\"340\" \/><\/a><em>Jahrestemperaturen in Deutschland 1881- 2024 . &#220;ber die Zeit ist eine deutliche Zunahme der Temperatur hin zu h&#246;heren Temperaturen zu erkennen.<\/em><br \/>\n<em>\u00a9 Stefan Rahmstorf; Datengrundlage: Deutscher Wetterdienst, CC BY-SA 2.0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/zivilisation.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-474\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/zivilisation-1024x616.png\" alt=\"Das gem&#228;&#223;igte Klima der letzten 10 Jahrtausende hat die Voraussetzungen f&#252;r die Entwicklung menschlicher Zivilisationen geschaffen. Die gegenw&#228;rtige Generation junger Menschen muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sie m&#246;glicherweise das Ende dieser gem&#228;&#223;igten Umweltbedingungen mit all ihren Konsequenzen erleben wird. \u00a9 DPG \/ Gehlen 2025 [IV]\" width=\"625\" height=\"376\" \/><\/a><em>Das gem&#228;&#223;igte Klima der letzten 10 Jahrtausende hat die Voraussetzungen f&#252;r die Entwicklung menschlicher Zivilisationen geschaffen. Die gegenw&#228;rtige Generation junger Menschen muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sie m&#246;glicherweise das Ende dieser gem&#228;&#223;igten Umweltbedingungen mit all ihren Konsequenzen erleben wird.<\/em><br \/>\n<em>\u00a9 DPG \/ Gehlen 2025 [IV]<\/em><\/p>\n<p>Inzwischen ist f&#252;r jeden sp&#252;rbar, dass sich unsere Natur gewandelt hat: Extreme Wetterereignisse, wie St&#252;rme, &#220;berschwemmungen, sintflutartige Regenf&#228;lle und die Gegens&#228;tze wie D&#252;rren und Hitzewellen haben zugenommen. Inzwischen sind sieben von neun planetaren &#220;berlastungsgrenzen &#252;berschritten.<\/p>\n<p>Die steigenden Temperaturen f&#252;hren derweil dazu, dass ex\u00adtre\u00adme Wetterereignisse wie St&#252;rme, sintflutartige Regen\u00adf&#228;lle, &#220;berschwemmungen, aber auch D&#252;rren und Hitzewellen immer mehr zunehmen. Sogenannte Kipppunkte, an denen einzelne Teilsysteme der gro&#223;en Klima- und Biosph&#228;renmaschine unseres Planeten unwiederbringlich in einen anderen Zustand &#252;bergehen, kommen in greifbare N&#228;he. Die planetaren Belastungsgrenzen werden immer weiter &#252;berschritten.<\/p>\n<p>Ende September wurde ein \u201e<a href=\"https:\/\/www.planetaryhealthcheck.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">planetarer Gesundheitscheck<\/a>\u201c ver&#246;ffentlicht.\u00a0 Johan Rockstr&#246;m, Direktor des PIK fasste darin zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMehr als drei Viertel der lebenswichtigen Erdsystem-Funktionen befinden sich nicht mehr im sicheren Bereich. Die Menschheit verl&#228;sst ihren sicheren Handlungsraum und erh&#246;ht so das Risiko, den Planeten zu destabilisieren\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Betroffen sind nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt, wichtige N&#228;hrstoffkreisl&#228;ufe und die Versauerung der Ozeane, Letzteres eine Folge des steigenden CO2-Gehalts der Atmosph&#228;re.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/planetare_Gesundheit_neu_03-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-479\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/planetare_Gesundheit_neu_03-1-1024x884.png\" alt=\"Planetare Gesundheit auf einen Blick\" width=\"625\" height=\"540\" \/><\/a>Planetare Gesundheit auf einen Blick<\/p>\n<p>Mit der zunehmenden Erw&#228;rmung des Klimas steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sogenannte Kipppunkte im Erdsystem zu &#252;berschreiten. Gemeint ist damit, dass bestimmte Erdsystemprozesse soweit aus dem bisherigen Gleichgewicht geraten, dass sie in ein neues, anderes Gleichgewicht kippen und nicht mehr in ihren vorherigen Zustand zur&#252;ckkehren k&#246;nnen. Die Ver&#228;nderung ist irreversibel. Im Oktober wurde der \u201e<a href=\"https:\/\/global-tipping-points.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Global Tipping Points Report 2025<\/a>\u201c ver&#246;ffentlicht, der ma&#223;geblich an der britischen Universit&#228;t von Exeter erarbeitet wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/tipping_points_de.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-476\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/tipping_points_de-1024x728.png\" alt=\"Kipppunkte\" width=\"625\" height=\"444\" \/><\/a>In diesem Bericht wird festgestellt, dass die Korallenriffe quasi unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehen. Es wird eingesch&#228;tzt, dass dies der erste erreichte Kipppunkt ist und die Korallenriffe endg&#252;ltig zerst&#246;rt sind. Korallen leben mit Algen in Symbiose. Wird das Wasser zu warm, verlassen die Algen ihre Korallen und diese verlieren damit ihre Nahrungsquelle. &#220;ber die Zeit und sterben die Korallen dann ab. Die Systemdienstleistung der Korallenriffe als Heimat vieler Fischarten f&#228;llt damit aus. Somit sind die dort lebenden Menschen unmittelbar mit betroffen: Fisch als Einkommen der Fischer und als Eiwei&#223;quelle f&#252;r die Ern&#228;hrung der Menschen in der Region steht nicht mehr ausreichend zur Verf&#252;gung. Ebenso funktioniert der K&#252;stenschutz durch die Korallenriffe nicht mehr.<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass die n&#246;tige Reduzierung des Aussto&#223;es von Treibhausgasen um die Klimaziele von Paris zu erreichen, v&#246;llig unzureichend erfolgt ist. Nun meinen einige, man k&#246;nne ja CO2 einfangen und im Untergrund speichern. Das Potential solcher Ma&#223;nahmen wird jedoch stark &#252;bersch&#228;tzt. Im September erschien dazu im <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-023-41105-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachjournal \u201enature\u201c ein Artikel<\/a> der die Grenzen der Kohlenstoffspeicherung im Untergrund aufzeigt. Es wird festgestellt, dass ohne klare und drastische Reduktionsvorgaben f&#252;r den Verbrauch von Kohle, &#214;l und Gas, die auch strikt einzuhalten sind, die Klimaziele nicht erreicht werden k&#246;nnen. Abscheidungs- und Speicherverfahren f&#252;r CO2 sind bestenfalls erg&#228;nzende Ma&#223;nahmen um die CO2-Konzentration wieder zu senken, wenn die Emissionen endlich drastisch zur&#252;ckgefahren sein sollten.<\/p>\n<p>Als Fazit kann an dieser Stelle stehen, dass der Kampf um jedes Zehntel Grad gehen muss, das an Klimaerw&#228;rmung vermieden werden kann. Mit allen zur Verf&#252;gung stehenden Mitteln. Die Vertr&#246;stung auf technische Verfahren und Wirtschaftswachstum, um diese Verfahren breit anwenden zu k&#246;nnen, wie Herr Merz im Vorfeld der COP30 in Brasilien ausf&#252;hrte, ist schlicht ein Irrweg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die klimatische Lage spitzt sich zu. Wenn am Montag die Weltklimakonferenz COP 30 in Belem am Rande des Amazonas-Regenwalds beginnt, sind 10 Jahre seit dem Beschluss von Paris vergangen, die Klimaerw&#228;rmung auf deutlich unter zwei Grad, m&#246;glichst 1,5 Grad &#252;ber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Ziel ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichbar. 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