{"id":3834,"date":"2023-06-11T17:41:59","date_gmt":"2023-06-11T15:41:59","guid":{"rendered":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=3834"},"modified":"2023-06-11T18:05:24","modified_gmt":"2023-06-11T16:05:24","slug":"sichere-und-gerechte-erdsystemgrenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2023\/06\/sichere-und-gerechte-erdsystemgrenzen\/","title":{"rendered":"Sichere und gerechte Erdsystemgrenzen"},"content":{"rendered":"<p>Viele Menschen f&#252;hlen sich aktuell in ihrer gewohnten Lebensweise bedroht: Hei&#223;er Krieg in der Ukraine und sich abzeichnende Instabilit&#228;t der bisherigen USA-dominierten Weltordnung, Inflation und zunehmender Druck auf den Sozialstaat, Klimakrise und die ambivalente politische Reaktion darauf, Unsicherheit angesichts von Klientelpolitik, teils l&#228;hmende Zukunftsangst und daraus folgendes stoisches Beharren auf dem Status Quo einschlie&#223;lich verbreiteter Wut auf Aktionen zivilen Ungehorsams, wachsende Ungleichheit weltweit wie auch national, Probleme im Zusammenhang mit Migration, Ungerechtigkeit bez&#252;glich der Lebenswirklichkeiten zuk&#252;nftiger Generationen, \u2026<\/p>\n<p>Das ist sicher nur eine kleine Anzahl von empfundenen Bedrohungen, die jeder f&#252;r sich beliebig fortsetzen k&#246;nnte und sich in oftmals erst als Reaktion auf andere, tieferliegende Krisen entwickelt haben. Nun nimmt jeder Mensch die einzelnen Bedrohungen ganz individuell wahr und wichtet sie damit auch ganz individuell. Eine Frage w&#228;re damit an dieser Stelle, ob es rationale, wissenschaftlich begr&#252;ndbare Kriterien gibt, die es gestatten, den Grad der Bedrohung, die Dringlichkeit der Bew&#228;ltigung der jeweiligen Krise festzustellen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>F&#252;r unsere biophysikalischen Lebensgrundlagen gibt es einen solchen Ansatz, um deren Zustand und absehbare Entwicklung zu bewerten. Er wurde <a href=\"https:\/\/www.ecologyandsociety.org\/vol14\/iss2\/art32\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2009 von J. Rockstr&#246;m und anderen<\/a> vom Stockholm Resilience Center entwickelt: Das Konzept der planetaren Grenzen. Auch im Rahmen der Zukunftswerkstatt Jena haben wir uns, ausgehend von unserer Auseinandersetzung mit der Klimakrise <a href=\"https:\/\/philosophenstuebchen.wordpress.com\/2015\/05\/31\/planetare-grenzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bereits 2015 mit diesem Ansatz befasst<\/a>, der weit &#252;ber die Problematik der Klimakrise hinausgeht. Aus dieser Zeit stammt auch ein <a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/umwelttag_2015_01.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Poster<\/a>, welches f&#252;r den <a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2015\/06\/jenaer-umwelttag-2015\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jenaer Umwelttag 2015<\/a> erstellt wurde und diese Zusammenh&#228;nge darstellt.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt des Konzepts der planetaren Grenzen war die Erkenntnis, dass der \u201eanthropogene Druck auf das Erdsystem ein Ma&#223; erreicht hat, dass abrupte, globale Umweltver&#228;nderungen\u201c, sogenannte <a href=\"https:\/\/www.ecologyandsociety.org\/vol14\/iss2\/art32\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kipppunkte<\/a>, nicht mehr ausgeschlossen werden konnten. Identifiziert wurden damals neun problematische Bereiche des Erdsystems. F&#252;r sieben dieser Bereiche \u2013 den Klimawandel, die Versauerung der Ozeane, die Ozon-Konzentration in der Stratosph&#228;re, die biogeochemischen Kreisl&#228;ufe von Stickstoff und Phosphor, die globale Wasser-Nutzung, die &#196;nderung der Landnutzung und den zunehmenden Verlust der Biodiversit&#228;t wurden Grenzen abgesch&#228;tzt, bei deren &#220;berschreitung die Gefahr von Kipppunkten drastisch zunimmt. Zwei weitere Bereiche wurden benannt \u2013 die chemische Verschmutzung der Umwelt und die Belastung der Atmosph&#228;re mit Aerosolen, f&#252;r die jedoch damals keine Grenzwerte benannt werden konnten. Die biogeochemischen Kreisl&#228;ufe von Stickstoff und Phosphor sowie der Verlust der Biodiversit&#228;t wurden damals bereits als kritisch, also mit einem hohen Risiko f&#252;r die &#220;berschreitung von Kipppunkten bewertet. Sollten solche Kipppunkte &#252;berschritten werden, setzen sich selbst verst&#228;rkende Prozesse ein, die nicht mehr gestoppt werden k&#246;nnen und zu irreversiblen Ergebnissen f&#252;hren.<\/p>\n<p>Als Hauptbedrohungen einer sicheren biophysikalischen Lebensgrundlage wurden die Bereiche des Klimawandels und des Verlusts der Biodiversit&#228;t bewertet. Die Situation im Bereich der Biodiversit&#228;t ist insofern besonders problematisch, weil der Verlust einer Art endg&#252;ltig ist und im Nachhinein nicht mehr korrigiert werden kann. Bez&#252;glich des Klimawandels ist vor allem seine \u201eTr&#228;gheit\u201c problematisch \u2013 seine Auswirkungen werden, auch ohne die &#220;berschreitung von Kipppunkten viele hundert Jahre sp&#252;rbar sein. Sollten jedoch Kipppunkte &#252;berschritten werden, k&#246;nnen die Auswirkungen tausende Jahre andauern und damit die biophysikalischen Lebensgrundlagen, wie sie in den letzten 12.000 Jahren die Grundlage der menschlichen Entwicklung waren, f&#252;r viele zuk&#252;nftige Generationen zerst&#246;ren. Angesichts der immer mehr sp&#252;rbaren Auswirkungen, beispielsweise der Klimakrise zeigt sich zudem, dass die Betroffenheit von den Auswirkungen <a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2023\/05\/die-menschliche-klima-nische-wird-kleiner\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">h&#246;chst ungleich verteilt ist<\/a>. Die Menschen, die am wenigsten zur Belastung der planetaren Grenzen beigetragen haben, sp&#252;ren die Auswirkungen am deutlichsten und haben gleichzeitig die wenigsten Ressourcen um sich den ver&#228;nderten Bedingungen anzupassen. Das wirft zus&#228;tzlich die Frage nach der Gerechtigkeit auf.<\/p>\n<h2>Bestimmung neuer sicherer und gerechter Grenzen<\/h2>\n<p>Unter dem Titel \u201esichere und gerechte Erdsystemgrenzen\u201c hat eine Gruppe von Wissenschaftlern der <a href=\"https:\/\/earthcommission.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Earth Commission<\/a> unter Federf&#252;hrung von Johan Rockstr&#246;m vom Potsdamer Institut f&#252;r Klimafolgenforschung (PIK) in der Zeitschrift Nature eine <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-023-06083-8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie zu diesem Thema<\/a> ver&#246;ffentlicht.<\/p>\n<p>Im Kern geht es bei dieser Studie darum, das Konzept der Planetaren Grenzen weiterzuentwickeln. Neben einer weiter entwickelten Begrifflichkeit \u2013 die Rede ist von Erdsystemgrenzen (Earth system boundaries \u2013 ESBs) werden diese entsprechend aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse neu bewertet und dabei Fragen der Gerechtigkeit mit einbezogen. Um sichere Erdsystemgrenzen festlegen zu k&#246;nnen erfolgen quantitative Bewertungen f&#252;r die Bereiche Klima, Biosph&#228;re, S&#252;&#223;wasser, N&#228;hrstoffe und Luftverschmutzung auf globaler und subglobaler Ebene. Diese Bereiche umfassen somit die wichtigsten Komponenten des Erdsystems, wie Atmosph&#228;re, Hydrosph&#228;re, Geosph&#228;re, Biosph&#228;re und Kryosph&#228;re sowie die mit ihnen verkn&#252;pften Prozesse \u2013 Kohlenstoff-, Wasser- und N&#228;hrstoffkreisl&#228;ufe. Sie repr&#228;sentieren quasi die \u201eglobalen Gemeing&#252;ter\u201c, die die lebenserhaltenden Systeme des Planeten und damit das menschliche Wohlergehen auf der Erde erm&#246;glichen. Um den Aspekt der Gerechtigkeit mit in die Bewertung einzubeziehen, wird \u2013 als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung \u2013 die Minimierung der Gef&#228;hrdung der Menschen durch Ver&#228;nderungen des Erdsystems mit in Betracht gezogen. Damit soll \u201eeine quantitative Grundlage f&#252;r den Schutz der globalen Gemeinschaftsg&#252;ter f&#252;r alle Menschen jetzt und in der Zukunft\u201c geschaffen werden. Die Entwicklung der sicheren und gerechten Erdsystemgrenzen erfolgt in drei Schritten:<\/p>\n<h3>Erstens: Herausarbeiten sicherer Erdsystemgrenzen<\/h3>\n<p>Um Grenzen definieren zu k&#246;nnen, muss zuerst ein \u201eReferenzzustand\u201c festgelegt werden, von dem ausgehend Ver&#228;nderungen bewertet werden k&#246;nnen. Als Referenz f&#252;r die sicheren Erdsystemgrenzen werden die biophysikalischen Bedingungen des Holoz&#228;ns angenommen, wie sie in den vergangenen etwa 12.000 Jahren vorhanden waren und in deren Rahmen sich die Menschheit entwickelt hat. Dies wird in dem Artikel charakterisiert als \u201einterglaziales, holoz&#228;n&#228;hnliches Erdsystem, das von ausgleichenden R&#252;ckkopplungen dominiert wird, die St&#246;rungen bew&#228;ltigen, abpuffern und d&#228;mpfen\u201c. Ausgehend davon werden dann Grenzwerte auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse quantifiziert.<\/p>\n<h3>Zweitens: Herausarbeiten gerechter Erdsystemgrenzen<\/h3>\n<p>Um den Aspekt der Gerechtigkeit herauszuarbeiten, werden drei Kriterien definiert, die eine Beurteilung erlauben, ob die Einhaltung der sicheren Erdsystemgrenzen die Menschen vor erheblichen Sch&#228;den sch&#252;tzen k&#246;nnte: Als Erstes zielt die \u201eGerechtigkeit zwischen den Arten und Stabilit&#228;t des Erdsystems\u201c auf den Schutz von Menschen, anderen Arten und &#214;kosystemen ab; menschlicher Exzeptionalismus wird abgelehnt. Bei der \u201eGenerationen&#252;bergreifenden Gerechtigkeit\u201c geht es als Zweites um die Beziehungen und Verpflichtungen zwischen den Generationen, z. B. um das Erbe der Treibhausgasemissionen oder um die Zerst&#246;rung von &#214;kosystemen f&#252;r die heutige Jugend und f&#252;r k&#252;nftige Menschen. Als Drittes umfasst die \u201eIntragenerationelle Gerechtigkeit\u201c die Beziehungen zwischen gegenw&#228;rtigen Individuen, zwischen Staaten (international), zwischen Menschen verschiedener Staaten (global) und zwischen Gemeinschaftsmitgliedern oder B&#252;rgern. Intragenerationelle Gerechtigkeit zu erreichen bedeutet, \u201eden erheblichen Schaden zu minimieren, den ein Land einem anderen, eine Gemeinschaft einer anderen und ein Individuum einem anderen zuf&#252;gt\u201c.<\/p>\n<h3>Drittens: Integration der herausgearbeiteten sicheren und gerechten Erdsystemgrenzen<\/h3>\n<p>Hier erfolgt die Kombination der Gerechtigkeitskriterien mit historischen Analysen, internationalen Gesundheitsstandards, Erdsystemmodellen und Expertenurteilen, um sichere und gerechte Erdsystemgrenzen zu quantifizieren, die die Exposition des Menschen gegen&#252;ber signifikantem Schaden durch Erdsystemver&#228;nderungen minimieren. Als solche erheblichen Sch&#228;den werden weit verbreitete, schwerwiegende, existenzielle oder irreversible negative Auswirkungen auf L&#228;nder, Gemeinschaften und Einzelpersonen aufgrund von Ver&#228;nderungen des Erdsystems, wie z. B. Verlust von Leben, Lebensgrundlagen oder Einkommen, Vertreibung, Verlust von Nahrungsmitteln, Wasser oder Ern&#228;hrungssicherheit sowie chronische Krankheiten, Verletzungen oder Unterern&#228;hrung betrachtet.<\/p>\n<h2>Bewertung der gegenw&#228;rtigen Situation<\/h2>\n<p>Die hier beschriebenen gerechten Grenzen, sind notwendige, aber nicht hinreichende Bedingungen f&#252;r die Gerechtigkeit des Erdsystems, die auch den Zugang zu Ressourcen f&#252;r alle sowie Verteilungs- und Verfahrensgerechtigkeit erm&#246;glichen muss. Eine Grundlage, die ein Minimum an Zugang zu Wasser, Nahrung, Energie und Infrastruktur f&#252;r alle Menschen erm&#246;glicht, k&#246;nnte in Verbindung mit einer sicheren und gerechten Erdsystem-Obergrenze f&#252;r den maximal zul&#228;ssigen menschlichen Druck auf biophysikalische Bereiche, einen sicheren und gerechten \u201eKorridor\u201c im Laufe der Zeit bilden.<\/p>\n<div id=\"attachment_3839\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3839\" src=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01-1024x856.jpg\" alt=\"Abbildung sicherer und gerechter Erdsystemgrenzen\" width=\"625\" height=\"522\" class=\"size-large wp-image-3839\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01-1024x856.jpg 1024w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01-300x251.jpg 300w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01-768x642.jpg 768w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01-624x521.jpg 624w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/abb_01.jpg 1259w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3839\" class=\"wp-caption-text\">sichere und gerechte Erdsystemgrenzen<\/p><\/div>\n<p>Die Grafik visualisiert die sicheren Erdsystemgrenzen (dunkelrote Linie) und die gerechten (nicht signifikant sch&#228;dlichen) Erdsystemgrenzen (blaue Linie). F&#228;lle, in denen sichere und gerechte Grenzen &#252;bereinstimmen, sind durch eine gr&#252;ne Linie markiert. Die Radialachsen sind auf sichere Erdsystemgrenzen normiert. Der aktuelle globale Zustand ist durch die Erdsymbole dargestellt. Ein Mindestzugang zu Wasser, Nahrung, Energie und Infrastruktur f&#252;r alle Menschen (gepunktete gr&#252;ne Linie) k&#246;nnte die Grundlage f&#252;r einen sicheren und gerechten \u201eKorridor\u201c (gr&#252;n ausgef&#252;llte Fl&#228;che) bilden.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass f&#252;r die Bereiche Klima und atmosph&#228;rische Aerosolbelastung die sicheren und gerechten Erdsystemgrenzen nicht zusammenfallen, wobei die gerechte Grenze unterhalb der sicheren Grenze liegt, also sch&#228;rfer ist. Wie begr&#252;nden sich diese Ergebnisse? \u2013 F&#252;r den Bereich des Klimas beispielsweise, gr&#252;nden sie sich auf folgende Herangehensweise: Zun&#228;chst wurden sichere Erdsystemgrenzen f&#252;r die Erw&#228;rmung ermittelt. Diese basieren auf der Minimierung der Wahrscheinlichkeit der Ausl&#246;sung von Klimakipppunkten, der Aufrechterhaltung der Funktionen von Biosph&#228;re und Kryosph&#228;re und der Ber&#252;cksichtigung der Klimavariabilit&#228;t des Holoz&#228;ns (&lt;0,5-1,0 \u00b0C) und fr&#252;herer Zwischeneiszeiten (&lt;1,5-2 \u00b0C).<\/p>\n<p>Die Autoren kommen danach zu dem Schluss, dass eine globale Erw&#228;rmung von mehr als 1,0 \u00b0C &#252;ber dem vorindustriellen Niveau [das bereits &#252;berschritten wurde(!)] mit einer m&#228;&#223;igen Wahrscheinlichkeit Kippeffekte wie den Zusammenbruch des gr&#246;nl&#228;ndischen Eisschilds oder ein lokales abruptes Auftauen des borealen Permafrosts ausl&#246;sen k&#246;nnte. Bei einer Erw&#228;rmung von mehr als 1,5 \u00b0C oder 2,0 \u00b0C steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kipppunkte ausgel&#246;st werden, auf hoch bzw. sehr hoch.<\/p>\n<p>Werden jedoch anschlie&#223;end die enormen Sch&#228;den, die der Klimawandel verursacht, ebenfalls ber&#252;cksichtigt, so ist es naheliegend, eine strengere gerechte Grenze anzusetzen. \u201eBei einer globalen Erw&#228;rmung von 1,0 \u00b0C w&#228;ren Dutzende von Millionen Menschen extremen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%BChlgrenztemperatur\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Feuchtkugeltemperaturen<\/a> ausgesetzt, was Bedenken hinsichtlich der inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit aufwirft. Bei einer Erw&#228;rmung um 1,5 \u00b0C k&#246;nnten mehr als 200 Millionen Menschen, darunter unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig viele, die bereits gef&#228;hrdet, arm und ausgegrenzt sind (intragenerationale Ungerechtigkeit), <a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2023\/05\/die-menschliche-klima-nische-wird-kleiner\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">noch nie dagewesenen Jahresmitteltemperaturen<\/a> ausgesetzt sein, und mehr als 500 Millionen Menschen k&#246;nnten einem langfristigen Anstieg des Meeresspiegels ausgesetzt sein.\u201c Die Autoren kommen zu dem Schluss, \u201edass die Grenze der Gerechtigkeit bei oder unter 1,0 \u00b0C liegen sollte, wenn vermieden werden soll, dass Dutzende Millionen Menschen erheblichen Sch&#228;den ausgesetzt werden.\u201c<br \/>\nAuch f&#252;r die anderen Bereiche wurden in der Arbeit die sicheren und gerechten Grenzen herausgearbeitet. Als besonders bedroht erwiesen sich dabei die biophysikalischen Systeme S&#252;&#223;wasser und regionale Biosph&#228;ren.<\/p>\n<p>Als Fazit stellen die Autoren fest, dass <\/p>\n<blockquote><p>\u201esieben der acht global quantifizierten Erdsystemgrenzen und mindestens zwei lokale Erdsystemgrenzen in weiten Teilen der Welt &#252;berschritten wurden, wodurch die Lebensgrundlagen der heutigen und zuk&#252;nftigen Generationen gef&#228;hrdet sind. Um das menschliche Wohlergehen zu sichern, ist nichts Geringeres als ein gerechter globaler Wandel in allen Erdsystemgrenzen erforderlich. Diese Umgestaltung muss systemisch sein, d. h. die Bereiche Energie, Ern&#228;hrung, St&#228;dtebau und andere Sektoren umfassen, die wirtschaftlichen, technologischen, politischen und anderen Triebkr&#228;fte des Wandels des Erdsystems ber&#252;cksichtigen und den Zugang f&#252;r die Armen durch eine Verringerung und Umverteilung der Ressourcennutzung sicherstellen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p> Es geht also letztlich um nicht weniger als eine grundlegende Transformation unserer gesamten Lebens- und Wirtschaftsweise.<\/p>\n<p>Die wohl prominenteste Schlussfolgerung der Studie ist jedoch, dass das in Paris vereinbarte Klimaziel der Begrenzung der mittleren globalen Erderw&#228;rmung auf m&#246;glichst 1,5 Grad Celsius nicht ausreicht, um den Klimawandel mit seinen verheerenden Folgen zu stoppen. Die Autoren der Studie schlagen deshalb eine Begrenzung auf ein Grad Celsius vor. Sie weisen aber gleichzeitig nachdr&#252;cklich darauf hin, dass f&#252;r ein sicheres und gerechtes Leben auf der Erde, die Gesamtheit der Erdsystemgrenzen eingehalten werden muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Menschen f&#252;hlen sich aktuell in ihrer gewohnten Lebensweise bedroht: Hei&#223;er Krieg in der Ukraine und sich abzeichnende Instabilit&#228;t der bisherigen USA-dominierten Weltordnung, Inflation und zunehmender Druck auf den Sozialstaat, Klimakrise und die ambivalente politische Reaktion darauf, Unsicherheit angesichts von Klientelpolitik, teils l&#228;hmende Zukunftsangst und daraus folgendes stoisches Beharren auf dem Status Quo einschlie&#223;lich verbreiteter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3,14],"tags":[32,66,63],"class_list":["post-3834","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-berichte","category-fundstuecke","tag-aktuelle-politik","tag-gesellschaft","tag-klimakrise"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3834"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3834\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3843,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3834\/revisions\/3843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}