{"id":3791,"date":"2023-02-23T16:07:51","date_gmt":"2023-02-23T14:07:51","guid":{"rendered":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=3791"},"modified":"2023-02-23T16:13:38","modified_gmt":"2023-02-23T14:13:38","slug":"klimaaktionsplan-jena-klimaneutral-spaetestens-ab-2035","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2023\/02\/klimaaktionsplan-jena-klimaneutral-spaetestens-ab-2035\/","title":{"rendered":"Klimaaktionsplan \u2013 Jena klimaneutral sp&#228;testens ab 2035"},"content":{"rendered":"<p>Im Juli 2021 beschloss der Jenaer Stadtrat, dass Jena bis 2035 klimaneutral werden soll. Zur Umsetzung dieses Beschlusses wurde das Klima-B&#252;ro <a href=\"https:\/\/www.targetgmbh.de\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">target GmbH<\/a> aus Hannover beauftragt, bis September 2022 einen Klimaaktionsplan zu erstellen. Darin soll ein Szenario einschlie&#223;lich der erforderlichen Ma&#223;nahmen entwickelt werden, deren Umsetzung zur Klimaneutralit&#228;t Jenas bis 2035 f&#252;hrt. Der erste Entwurf wurde im September 2022 vorgestellt, der endg&#252;ltige Entwurf liegt mittlerweile vor und muss nun durch den Stadtrat beschlossen werden. Der Klimaaktionsplan kann auf der <a href=\"http:\/\/www.klimaentscheid-jena.de\/kap\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Website des Klimaentscheids Jena<\/a> eingesehen werden. Wichtige ausgew&#228;hlte Aspekte des Klimaaktionsplans sind nachfolgend dargestellt.<\/p>\n<h3>#1: Einberufung von Klima-B&#252;rgerr&#228;ten<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-321\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Buergerraete.jpg\" alt=\"B&#252;rgerr&#228;te\" width=\"400\" height=\"246\" \/><br \/>\nEin B&#252;rger:innenrat ist eine zuf&#228;llig ausgeloste Versammlung mit dem Ziel, alle Perspektiven auf ein Thema \u2013 in dem Fall Klimaschutz vor Ort \u2013 sichtbar zu machen. Auf Grundlage fundierter Information wird diskutiert. Der Prozess wird von neutraler Seite moderiert, die Ergebnisse genau festgehalten. Denn diese sollen die Grundlage f&#252;r weitere Entscheidungen zum Thema werden. Echte B&#252;rger:innenbeteiligung also! Das Konzept ist nicht neu: In Irland wurde damit sogar eine Verfassungs&#228;nderung vorbereitet. Auch in Deutschland tagte bereits 2021 ein B&#252;rgerrat zum Thema Klimakrise.<br \/>\nDer Klima-Aktionsplan sagt: \u201eZiel der Ma&#223;nahme ist es, eine Versammlung zuf&#228;llig ausgeloster B&#252;rger einzuberufen, die in ihrer Zusammensetzung ein m&#246;glichst gutes Abbild der Bev&#246;lkerung darstellen sollen. Bei der Auslosung m&#252;ssen daher Kriterien wie Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnort und Migrationshintergrund ber&#252;cksichtigt werden. Die ausgelosten B&#252;rger werden eingeladen, am B&#252;rgerrat teilzunehmen. Die Arbeit [\u2026] muss durch die Bereitstellung von Fachinformation und wissenschaftlichen Erkenntnissen (z. B. durch Fachvortr&#228;ge zu Beginn) untermauert und von einer zielgerichteten Moderation begleitet werden. Das Ergebnis m&#252;ssen gemeinsame Handlungsempfehlungen sein, die dann an den Stadtrat &#252;bergeben werden.\u201c (S. 26)<\/p>\n<h3>#2: Verbesserung der Fu&#223;- und Radverkehrsinfrastruktur<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-328\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/radverkehr.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"248\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Mobilit&#228;t<\/strong><br \/>\nDer KAP baut hier auf dem Radentscheid auf: Auf dessen Initiative wird der \u201eRadverkehrsplan 2035+\u201c erarbeitet. Zu wenig Beachtung findet aber bislang der Fu&#223;verkehr, der gerade in Jena gro&#223;e Bedeutung unter den Mobilit&#228;ts-formen hat. Kurze Wege brauchen keine R&#228;der und Motoren.<br \/>\nDer Klima-Aktionsplan sagt: \u201eUm die Verkehrsteilnehmer zum Umstieg auf Rad- und Fu&#223;verkehr zu motivieren, bedarf es [\u2026] einer Verbesserung der vorhandenen Infrastruktur. Dadurch wird einerseits die Attraktivit&#228;t des Rad- und Fu&#223;verkehrs gesteigert, andererseits tragen infrastrukturelle Verbesserungen auch zu einer erh&#246;hten Verkehrssicherheit bei.\u201c Und: \u201eRadfahrer und Fu&#223;g&#228;nger [m&#252;ssen] bei der Verkehrsplanung priorit&#228;r behandelt werden.\u201c (S. 79)<\/p>\n<h3>#3: Offensive bei erneuerbaren Energien<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-331\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/solarenergie.jpg\" alt=\"erneuerbare Energien\" width=\"400\" height=\"311\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Energieversorgung<\/strong><br \/>\nWir brauchen Energie aus erneuerbaren Quellen, wenn wir Klimaneutralit&#228;t wollen. Die Kapazit&#228;ten daf&#252;r sind auch in Jena da, selbst wenn es etwas eng ist im Saaletal. Gleich in mehreren Ma&#223;nahmen wird der Ausbau von Solarenergie festgeschrieben, wie auch die Pr&#252;fung von Windkraftanlagen. Um 2035 klimaneutral zu werden, beziffert der KAP den Bedarf von 36 ha f&#252;r Freifl&#228;chen-Photovoltaik und 10 Windkraftanlagen (je 3 MW Leistung).<br \/>\nUm die Potenziale der privaten D&#228;cher besser auszusch&#246;pfen, sollen die H&#252;rden f&#252;r Besitzer:innen unter anderem durch ein Pachtmodell klein wer-den: \u201eDie Investition in die Anlage wird im Falle eines Pachtmodells nicht durch den Hauseigent&#252;mer get&#228;tigt, sondern durch die Stadtwerke. Die Stadtwerke als Investor verpachten die Anlage dann an die Hauseigent&#252;mer, die die Anlage betreiben und den Strom selbst nutzen k&#246;nnen.\u201c (S. 117)<br \/>\nDer KAP l&#228;sst nun zus&#228;tzlich zu den Fl&#228;chen, die bereits auf ihre Eignung gepr&#252;ft werden, auch Gebiete entlang der Saale sowie Autobahn- und Zug-trassen analysieren. Auch die Mitnutzung landwirtschaftlicher Fl&#228;chen (\u201eAgri-PV\u201c) ist vorgesehen. Klar ist aber auch: \u201eAufgrund des begrenzten Fl&#228;chenangebots sollte die Stadt in diesem Zusammenhang auch unterst&#252;tzend bei der Fl&#228;chenermittlung im Umland t&#228;tig werden.\u201c (S. 115)<\/p>\n<h3>#4: F&#246;rderung klimafreundlicher Ern&#228;hrung in st&#228;dtischen Einrichtungen<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/ernaehrung.jpg\" alt=\"klimafreundliche Ern&#228;hrung\" width=\"400\" height=\"222\" class=\"aligncenter size-full wp-image-322\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimafreundliche Lebensweise<\/strong><br \/>\nErn&#228;hrung spielt eine gewichtige Rolle in der Klimabilanz. Nicht nur (aber auch!) aus tierethischen Gr&#252;nden, sondern weil der Ressourcenverbrauch tierischer Nahrungsmittel an Landfl&#228;che, Wasser und Treibhausgasemissionen die Grenzen des Wachstums l&#228;ngst &#252;berschritten hat, braucht es hier einen Wandel. Doch nicht nur mehr Pflanzliches muss auf den Tisch, auch sollten wir (wieder) mehr Saisonalit&#228;t und Regionalit&#228;t wagen!<br \/>\nDer Klima-Aktionsplan sagt hier: \u201eAusweitung des veganen\/vegetarischen Angebots oder eine Reduktion des Angebots von tierischen Produkten\u201c; \u201eInsbesondere in den Schulen besteht die M&#246;glichkeit der aktiven Teilhabe der Nutzergruppen (z. B. durch eine Einbindung von Schulk&#246;chen oder Arbeitsgemeinschaften mit den Sch&#252;lern)\u201c (S. 121)<br \/>\nUnd der KAP greift eine Idee, die auch in Jena angekommen ist: Die eines Ern&#228;hrungsrates. Wenn dich das Thema interessiert, melde dich gern bei der Mailingliste des \u201eStammtischs Nachhaltige Ern&#228;hrungswende Jena\u201c an, aus dem heraus die Gr&#252;ndung eines Ern&#228;hrungsrates diskutiert wird (einfach per mail an ernaehrungsstammtisch-jena-subscribe@lists.riseup.net)<\/p>\n<h3>#5: Nutzung von Flussthermie f&#252;r einen Teil der Fernw&#228;rme<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/flussthermie.jpg\" alt=\"Flussthermie\" width=\"400\" height=\"258\" class=\"aligncenter size-full wp-image-323\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Energieversorgung<\/strong><br \/>\nBislang verbrennt im Burgauer Kraftwerk fossiles Erdgas f&#252;r die Fernw&#228;rme der Stadt. Im KAP wird zusammenfassend kommentiert: \u201eDie Dekarbonisierung der W&#228;rmeversorgung ist eine der wichtigsten Stellschrauben zur Erreichung der Klimaneutralit&#228;t.\u201c Mit anderen Worten: Wir m&#252;ssen weg vom Gas!<br \/>\nDer KAP schl&#228;gt hier vorsichtig eine Variante vor, wie es gehen k&#246;nnte: \u201eErste Untersuchungen zeigen, dass die [\u2026] Potenziale besonders hinsichtlich der Nutzung der Flussthermie der Saale mittels W&#228;rmepumpen erheblich sind. Natur-, Umwelt- und Gew&#228;sserschutz bilden elementare Leitplanken der tats&#228;chlichen Nutzung und bed&#252;rfen Untersuchungen im Rahmen entsprechender Genehmigungsverfahren.\u201c (S. 106)<br \/>\nTats&#228;chlich handelt es sich bei Flussthermie um eine in Deutschland noch wenig etablierte Technik. Am 10. Februar 2023 kam bei NANO (3Sat) ein Beitrag, der sich mit genau dieser Frage befasste am Beispiel der Wei&#223;en Elster in Neum&#252;hle und in Gera. <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/wissen\/nano\/230210-sendung-erdbeben-wie-gefaehrdet-ist-istanbul-nano-100.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Hier ist der Link auf die Sendung<\/a>. Der Beitrag zur Flussw&#228;rme l&#228;uft etwa von der Sendeminute 6 bis 13. Vielleicht wird Jena hier eine Vorreiterin \u2013 aber die gebotene Vorsicht macht es notwendig, auch andere Konzepte parallel zu erarbeiten, um auch sicher und bald den Abschied von einer geopolitisch und klimabezogen nicht mehr tragbaren Energieform feiern zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h3>#6: Finanzielle Attraktivit&#228;t des &#246;ffentlichen Nahverkehrs<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/verkehr.jpg\" alt=\"&#246;ffentlicher Nahverkehr\" width=\"400\" height=\"253\" class=\"aligncenter size-full wp-image-334\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klima-neutrale Mobilit&#228;t<\/strong><br \/>\nHier lautet die Hauptaussage im KAP: &#214;ffentlicher Nahverkehr muss g&#252;nstiger sein als die Nutzung des Autos! Wichtig ist aber ebenso, dass das Angebot an &#214;ffis auch entsprechend ausgebaut wird, unter anderem durch:<\/p>\n<ul>\n<li>Ausbau des Liniennetzes<\/li>\n<li>Investition in Infrastruktur (z. B. Haltestellen)<\/li>\n<li>Einbindung alternativer Bedienungsformen (\u201eon-demand\u201c-Verkehre)<\/li>\n<li>Clevere Verkn&#252;pfung verschiedener Verkehrsarten an Mobilit&#228;tsstationen (&#214;PNV, Rad-, Fu&#223;verkehr, Car-Sharing)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ohne Frage geh&#246;ren zu den Anreizen f&#252;r bessere &#214;PNV-Nutzung im Gegenzug auch jene Faktoren, die den Autoverkehr zur&#252;ckdr&#228;ngen. Im engen Jena ist insbesondere der hohe Fl&#228;chenbedarf parkender Autos (denn die Fahrzeuge sind in der aktuellen Nutzungsform zu einem &#252;bergro&#223;en Teil der Zeit doch eher \u201eSteh\u201czeuge) ist hierbei ein Faktor, der einer Verkehrswende und generell lebensn&#228;herer Nutzung des Stadtraumes bisher im Wege steht. Hier soll gegengesteuert werden durch Verknappung der Stellpl&#228;tze und Anpassung der Parkgeb&#252;hren. Letztere sollen zuk&#252;nftig mit der Preisentwicklung im &#214;PNV gekoppelt werden, damit die Wahl f&#252;r umweltfreundlichen Verkehr sich stets preislich auszahlt. (S. 74, 81) Nicht im KAP steht jedoch irgendeine Form von Verbot, auch werden Ausnahmeregelungen f&#252;r Menschen mit Behinderungen sowie der Faktor Einkommensst&#228;rke f&#252;r Verg&#252;nstigungen klar benannt, um keine soziale Ungleichheiten zu schaffen. Teilhabe und Zugang zur Innenstadt f&#252;r alle wird es weiterhin geben!<\/p>\n<h3>#7: Klimaneutrale Geb&#228;ude und Quartiere<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/quartiere.jpg\" alt=\"klimaneutrale Geb&#228;ude und Quartiere\" width=\"400\" height=\"268\" class=\"aligncenter size-full wp-image-327\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Geb&#228;ude und Quartiere<\/strong><br \/>\nThema W&#228;rme: Wie w&#228;re es, wenn wir davon einfach weniger brauchen, weil unsere H&#228;user sie \u201ef&#252;r sich\u201c behalten? Jena steht in Sachen energetischer Geb&#228;udesanierung nicht schlecht da \u2013 aber f&#252;r das ambitionierte Ziel, bis 2035 klima-neutral zu werden, m&#252;ssen alle Potentiale ausgesch&#246;pft werden.<br \/>\nEine ganze Palette von Ma&#223;nahmen im KAP soll daf&#252;r sorgen, dass im Geb&#228;udebestand und auch in Neubauten so wenig wie m&#246;glich Energie \u201everheizt\u201c wird. Dazu sollen z. B. zehn Modellquartiere ausgew&#228;hlt und saniert werden, die in Alter und Zustand jeweils homogen sind und sich dadurch gut f&#252;r integrierte L&#246;sungen eignen. (S. 37) Zudem soll es in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen eine aktive, kontinuierliche Beratungskampagne zum Thema energetische Sanierungen f&#252;r Hausbesitzer:innen geben.<br \/>\nF&#252;r neu errichtete Geb&#228;ude sollen Bauleitplanung und Mindeststandards angepasst werden: \u201eZiel dieser Ma&#223;nahme ist es, nur noch klimaneutrale Neubauten zu errichten, die den &#246;kologischen Einfluss von Neubauten auf ein Minimum reduzieren.\u201c (S. 41)<\/p>\n<h3>#8: Reduktion der Lebensmittelverschwendung<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/lebensmittel.jpg\" alt=\"keine Verschwendung von Lebensmitteln\" width=\"400\" height=\"262\" class=\"aligncenter size-full wp-image-325\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimafreundliche Lebensweise<\/strong><br \/>\n\u201eLaut Bundesministerium f&#252;r Ern&#228;hrung und Landwirtschaft werden in Deutschland j&#228;hrlich ca. 11 Millionen Tonnen an Lebensmitteln entsorgt. Neben der Art der Ern&#228;hrung (regional, saisonal, &#246;kologisch), nimmt diese Ma&#223;nahme daher eine wesentliche Rolle hinsichtlich einer klimafreundlichen Ern&#228;hrung ein.\u201c (S. 122)<br \/>\nNeben einer &#214;ffentlichkeitskampagne soll laut KAP gepr&#252;ft werden, ob Tausch- und Sharingzentren in der Stadt und den Stadtteilen aufgebaut werden k&#246;nnen. Auch gepr&#252;ft werden soll, wie der Einzelhandel und die Gastronomie zum Spenden &#252;bersch&#252;ssiger Lebensmittel verpflichtet werden k&#246;nnen. Auch die Unterst&#252;tzung lokaler Initiativen wie Foodsharing und konkret eines Foodsharing-Caf\u00e9s werden vorgeschlagen.<\/p>\n<h3>#9: Regionaler &#214;kostromtarif f&#252;r Unternehmen<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/regionalstrom.jpg\" alt=\"erneuerbare Energie\" width=\"400\" height=\"257\" class=\"aligncenter size-full wp-image-330\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Unternehmen<\/strong><br \/>\nDie Wirtschaft spielt eine gro&#223;e Rolle in der Klimabilanz. Wie sich lokale Unternehmen aufstellen, liegt nur bedingt in der Befugnis der Stadt \u2013 hat aber einen wichtigen Effekt. Darum sind im Themenfeld auch vor allem indirekte Ma&#223;nahmen zu finden, z. B. das Einrichten einer Klima-Servicestelle f&#252;r Unternehmen: \u201eUm eine breite Wissensbasis zu schaffen, wie sich Unternehmen k&#252;nftig aufstellen k&#246;nnen, sollte der Fokus dieser Stelle auf Vernetzung und Wissenstransfer liegen.\u201c (S. 48)<br \/>\nSehr konkret ist hingegen der Vorschlag, einen eigenen &#214;kostromtarif auf den Weg zu bringen: \u201eDer Tarif muss dabei so ausgestaltetet sein, dass z. B. durch einen F&#246;rderbeitrag, der auf den spezifischen Strompreis aufgeschlagen wird, Investitionen in regionale Erneuerbare-Energien-Anlagen get&#228;tigt werden.\u201c Ziel ist dabei, die Unternehmen \u201e[\u2026] auf dem Weg zur Klimaneutralit&#228;t zu unterst&#252;tzen [\u2026].\u201c (S. 51)<\/p>\n<h3>#10: Optimierung der Stadt-Umland-Beziehungen<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/umland.jpg\" alt=\"Beziehungen zum Umland\" width=\"400\" height=\"266\" class=\"aligncenter size-full wp-image-333\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Strategische Ma&#223;nahmen<\/strong><br \/>\nJena ist eng. Das ist nicht nur bei der notwendigen Verkehrswende eine Herausforderung, sondern auch bei der Bereitstellung gr&#252;ner Energie. F&#252;r Solar- und Windkraft ist Fl&#228;che n&#246;tig! Der KAP betont hier: \u201eAufgrund des begrenzten Fl&#228;chenangebots im Stadtgebiet von Jena, kann eine regionale erneuerbare Energieerzeugung nur in Kooperation mit dem Umland erfolgen. Dar&#252;ber hinaus gibt es weitere klimarelevante Schnittstellen, die f&#252;r das Ziel Klimaneutralit&#228;t ber&#252;cksichtigt werden m&#252;ssen (z. B. Mobilit&#228;t und Pendlersituation).\u201c<br \/>\n\u201eDie Ma&#223;nahme zielt darauf ab, eine notwendige Kooperation [\u2026] zu verdeutlichen. Dies ist als Querschnittsaufgabe in allen relevanten Themengebieten zu sehen. Im Umland werden Erneuerbare-Energien-Anlagen realisiert, deren Strom dann zum Beispiel f&#252;r ein regionales &#214;kostromangebot in der Stadt genutzt werden kann. Im Gegenzug unterst&#252;tzt die Stadt Jena das Umland durch Anreize und Verg&#252;nstigungen [\u2026]\u201c (S.31)<br \/>\nZiel ist es also, eine Win-Win-Situation herzustellen, in der sowohl die Stadt als auch das Umland von der Zusammenarbeit profitieren und sich anhand der unterschiedlichen Bedingungen und Bed&#252;rfnissen erg&#228;nzen k&#246;nnen.<\/p>\n<h3>#11: Tempo-Reduzierung im Stra&#223;enverkehr<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/tempo.jpg\" alt=\"Temporeduzierung\" width=\"400\" height=\"264\" class=\"aligncenter size-full wp-image-332\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Mobilit&#228;t<\/strong><br \/>\nIm Individualverkehr wird viel CO2 emittiert, dies muss reduziert werden: \u201eEine wirksame Ma&#223;nahme dazu ist die Durchsetzung von Temporeduzierungen. Instrumente wie die Einf&#252;hrung von temporeduzierten Bereichen (z. B. Tempo-30-Zonen) sind in Jena bereits g&#228;ngige Praxis. Es gilt, im Rahmen dieser Ma&#223;nahme weitere Zonen der Stadt im Hinblick auf Temporeduzierung und Verkehrsberuhigung zu identifizieren und umzusetzen.\u201c (S. 86)<br \/>\nDer KAP begr&#252;ndet, dass Temporeduktion neben dem geringeren Schadstoffaussto&#223; auch in anderer Hinsicht die Lebensqualit&#228;t verbessert: \u201eTemporeduzierungen und Verkehrsberuhigungen wirken sich nicht nur reduzierend auf Treibhausgas-, sondern auch auf L&#228;rmemissionen aus.\u201c (S. 86)<br \/>\nWeitere Nebeneffekte: Weniger gef&#228;hrliche Verkehrssituationen \u2013 auch f&#252;r alle nicht autofahrenden Verkehrsteilnehmenden; eine angenehmere Aufenthaltssituation im Stra&#223;enbereich \u2013 und ein Anreiz mehr, auf andere Verkehrsarten umzusteigen!<\/p>\n<h3>#12: Bessere Anbindung an Regional- und Fernverkehr<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/bahnverkehr.jpg\" alt=\"Anbindung an Regional- und Fernverkehr\" width=\"400\" height=\"265\" class=\"aligncenter size-full wp-image-320\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimaneutrale Mobilit&#228;t<\/strong><br \/>\nMit dem Auto nach Jena zu pendeln ist f&#252;r viele Menschen n&#246;tig, aber f&#252;r das Verkehrssystem der Stadt wie auch f&#252;r die Klimabilanz nicht zutr&#228;glich. Um hier m&#246;glichst vielen Menschen den Umstieg auf die Schiene zu erm&#246;glichen, soll Jena besser an Regional- und Fernverkehr angebunden werden: \u201eBezogen auf den Regionalverkehr erfordert das eine engere Taktung auf den wichtigen Nord-S&#252;d- (Naumburg-Saalfeld) und Ost-West-Verbindungen (Weimar-Hermsdorf), auch an den Wochenenden und in den Nachtstunden.\u201c (S. 91) Auch im Fernverkehr und f&#252;r regionale und Fernbuslinien solle sich die Stadt um einen besseren Anschluss bem&#252;hen.<br \/>\nWichtiges Stichwort hierbei: Vertaktung \u2013 also m&#246;glichst aufeinander abgestimmte Ankunfts- und Abfahrtszeiten im Nah- und Regional\/Fernverkehr, damit die sogenannten \u201eintermodalen Wegketten\u201c, gestaffelte Fahrten mit verschiedenen Verkehrsmitteln, durch wegfallende Wartezeiten verk&#252;rzt und somit attraktiver werden.<\/p>\n<h3>#13: F&#246;rderung regionaler Produkte und Dienstleistungen<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/regionalisierung.jpg\" alt=\"regionale Erzeugnisse und Dienstleistungen\" width=\"400\" height=\"270\" class=\"aligncenter size-full wp-image-329\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimafreundliche Lebensweisen<\/strong><br \/>\nGem&#252;se aus Spanien, &#196;pfel aus Neuseeland? Warum nicht aus Dornburg oder Thalb&#252;rgel? Es geh&#246;rt zu den Absurdit&#228;ten unserer Zeit, dass unsere Produkte mehr von der Welt sehen als wir. Per LKW und Flugzeug kommt ein gro&#223;er Teil unseres Essens von fern her, statt auf den umliegenden &#196;ckern zu wachsen. Die niedrigen Transportkosten machen es m&#246;glich \u2013 nicht einbezogen sind aber die Kosten der Folgesch&#228;den f&#252;r das Weltklima. Dann geht die Rechnung n&#228;mlich schon lange nicht mehr auf.<br \/>\nDer KAP meint hierzu: \u201eWesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen und klimafreundlichen Lebensweise ist es, Produkte zu konsumieren (und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen), die regional erzeugt (bzw. angeboten) werden. Insbesondere im Bereich der Lebensmittelproduktion gibt es hier viele Ansatzpunkte [\u2026].\u201c (S. 123) Die Stadt k&#246;nne hierzu z. B. die Standgeb&#252;hren von regional-&#246;kologischen Anbieter:innen reduzieren und Direktvermarktung f&#246;rdern.<br \/>\n\u201eZeitgleich ist es wichtig, lokale Dienstleistungen zu f&#246;rdern\/bevorzugen, um die heimische Wirtschaft zu st&#228;rken, aber nat&#252;rlich auch, um lange Fahrtwege zu vermeiden. [\u2026] Eine sinnvolle Erg&#228;nzung k&#246;nnen zudem finanzielle Anreize sein, z. B. durch Gutscheine f&#252;r regional\/&#246;kologisches Einkaufen [\u2026] oder durch ein regionales Klimaschutz-Gutscheinbuch [\u2026].\u201c<\/p>\n<h3>#14: F&#246;rderung von Stadtgr&#252;n und Aufenthaltsqualit&#228;t<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/gruen.jpg\" alt=\"Klimaanpassung - Stadtgr&#252;n f&#246;rdern\" width=\"400\" height=\"268\" class=\"aligncenter size-full wp-image-324\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Klimafreundliche Lebensweisen<\/strong><br \/>\nHier gehen Klimaschutz und -Anpassung an die folgen steigender Temperaturen Hand in Hand: Gr&#252;nfl&#228;chen in der Stadt tragen signifikant zur Abk&#252;hlung bei. Sie verdunsten Wasser und spenden Schatten, was dem (gerade in Jena starken) W&#228;rmeinseleffekt im st&#228;dtischen Raum entgegenwirkt.<br \/>\n\u201eDies umfasst nicht nur &#228;sthetische Aspekte in der Stadtgestaltung, sondern hat mit der Entsiegelung von Fl&#228;chen auch gesundheitliche, klimarelevante und lebensqualitative Einfl&#252;sse.\u201c (S. 125) Explizit soll die Pflege st&#228;dtischer Gr&#252;nfl&#228;chen durch reduziertes M&#228;hen und F&#246;rderung der Biodiversit&#228;t angepasst werden.<br \/>\nDie Ma&#223;nahme zur Steigerung der Wohn- und Aufenthaltsqualit&#228;t geht &#252;ber diese direkten Effekte noch deutlich hinaus und nennt unter anderem eine Reihe an Ma&#223;nahmen, um die Stadtteile abseits des Zentrums attraktiver zu machen (und in der Folge das Pendeln in die Stadt zu reduzieren): \u201eF&#246;rderung der stadtteilbezogenen Arbeit von Initiativen, [\u2026] Unterst&#252;tzung\/Schaffung von Angeboten wie Stadtteil- und Reparaturcaf\u00e9s, Vernetzungsm&#246;glichkeiten, Gemeinschaftsr&#228;umen, Selbsthilfegruppen; Sicherung wichtiger Dienstleistungen im Quartier (Waren des t&#228;glichen Bedarfs, Arztpraxen, Pflegedienst, Apotheke, Kitas, Schulen); Schaffung von Gemeinschaftsfl&#228;chen: Spielfl&#228;chen, Bewegungsr&#228;ume, Quartiersg&#228;rten\u201c (S. 130)<\/p>\n<h3>#15: Monitoring-Konzept zur &#220;berpr&#252;fung der Umsetzung<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/p4f-jena.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/monitoring.jpg\" alt=\"Monitoring und Anpassung\" width=\"400\" height=\"258\" class=\"aligncenter size-full wp-image-326\" \/><br \/>\n<strong>Themenfeld: Strategische Ma&#223;nahmen<\/strong><br \/>\nAlle Ziele helfen nichts, wenn niemand sie umsetzt! Darum ist im Klima-Aktionsplan ein j&#228;hrliches Monitoring vorgesehen, also die &#220;berpr&#252;fung, dass die Zwischenziele erreicht werden.<br \/>\n\u201eFerner m&#252;ssen, &#228;hnlich wie im Bundes-Klima-schutzgesetz (KSG), Pr&#252;fkriterien erarbeitet werden, die greifen, sobald die im Klima-Aktionsplan formulierten Ziele verfehlt werden. [\u2026] Dabei ist ein sektorales Monitoring auf Grundlage der im Klimaaktionsplan ausgewiesenen Etappenziele (2025, 2030) anzustreben.\u201c (S. 19) Werden Ziele in einem Bereich verfehlt, \u201emuss innerhalb einer festgesetzten Frist von wenigen Monaten ein Sofortprogramm vorgelegt werden, um das Umsetzungs-defizit zu beseitigen.\u201c Hier wird also eine R&#252;ckkopplung eingebaut, die sicherstellt, dass wir auf dem richtigen Weg bleiben, n&#228;mlich Richtung Klimaneutralit&#228;t 2035!<\/p>\n<p>Wer alle weiteren Ma&#223;nahmen und Hintergr&#252;nde nachlesen will, kann dies <a href=\"http:\/\/www.klimaentscheid-jena.de\/kap\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juli 2021 beschloss der Jenaer Stadtrat, dass Jena bis 2035 klimaneutral werden soll. Zur Umsetzung dieses Beschlusses wurde das Klima-B&#252;ro target GmbH aus Hannover beauftragt, bis September 2022 einen Klimaaktionsplan zu erstellen. Darin soll ein Szenario einschlie&#223;lich der erforderlichen Ma&#223;nahmen entwickelt werden, deren Umsetzung zur Klimaneutralit&#228;t Jenas bis 2035 f&#252;hrt. Der erste Entwurf wurde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3],"tags":[],"class_list":["post-3791","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-berichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3791"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3791\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}