{"id":271,"date":"2009-12-05T01:04:44","date_gmt":"2009-12-04T23:04:44","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=271"},"modified":"2021-01-19T10:25:30","modified_gmt":"2021-01-19T08:25:30","slug":"kopenhagen-und-die-tragoedie-der-allmende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2009\/12\/kopenhagen-und-die-tragoedie-der-allmende\/","title":{"rendered":"Kopenhagen und die Trag&#246;die der Allmende"},"content":{"rendered":"<p>In der kommenden Woche beginnt die Klimakonferenz in Kopenhagen. Die Konferenz, die den Kyoto-Prozess fortschreiben und weiterentwickeln soll. Viel wurde bereits davon und dar&#252;ber geredet. Vor allem jedoch wurde &#8211; leider &#8211; viel hei&#223;e Luft produziert, also etwas, was wir angesichts der Klimaver&#228;nderungen eigentlich gar nicht gebrauchen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>In diesen Tagen nun wurden von einem internationalen Forscherteam unter Koordinierung des Climate Change Research Centre (CCRC) der University of New South Wales in Sydney, Australien, die neuesten Forschungsergebnisse zur Klimaentwicklung unter dem Titel \u201eThe Copenhagen Diagnosis &#8211; Updating the World on the Latest Climate Science\u201d ver&#246;ffentlicht. Dieser Bericht stellt eine Art Zwischenbilanz seit dem vor drei Jahren erschienenen 4. und dem f&#252;r 2013 vorgesehenen 5. Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) dar. Der Bericht ist vollst&#228;ndig in englischer Sprache und als Zusammenfassung in deutscher Sprache unter <a href=\"http:\/\/www.copenhagendiagnosis.org\/\">http:\/\/www.copenhagendiagnosis.org\/<\/a> einzusehen.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Untersuchungen der Forscher stand die Fragestellung, welche der bei fr&#252;heren Berichten gegebenen Prognosen der Klimaentwicklung sich in der Praxis verwirklicht haben. Leider ist bei nahezu allen untersuchten Parametern festzustellen, dass die schlimmsten Erwartungen eingetreten sind und &#252;bertroffen wurden.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nFolgende Thesen aus der deutschsprachigen Zusammenfassung stehen daf&#252;r:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eTreibhausgas-Emissionen steigen pl&#246;tzlich an [&#8230;]<\/li>\n<li>Aktuelle globale Temperaturen zeigen, dass die Erw&#228;rmung auf Menschen zur&#252;ckzuf&#252;hren ist [&#8230;]<\/li>\n<li>Eisdecke, Gletscher und Eiskappen schmelzen schneller [&#8230;]<\/li>\n<li>Das arktische Meereis verschwindet rapide [&#8230;]<\/li>\n<li>Der gegenw&#228;rtige Anstieg der Meeresspiegel wird untersch&#228;tzt [&#8230;]\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als ich mir den Bericht angeschaut habe, fiel mir eine Grafik besonders auf:<\/p>\n<div id=\"attachment_287\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/co2_copenhagen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-287\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/co2_copenhagen.png\" alt=\"CO2-Emissionen weltweit\" title=\"CO2-Emissionen weltweit\" width=\"500\" height=\"411\" class=\"size-full wp-image-287\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/co2_copenhagen.png 500w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/co2_copenhagen-300x246.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-287\" class=\"wp-caption-text\">CO2-Emissionen weltweit<\/p><\/div>\n<p>Diese Abbildung stellt die globale CO2-Emission, resultierend aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Zement-Produktion im Vergleich zu den Szenarien des IPCC dar. Die Daten bis 2005 stammen vom US Department of Energy Carbon Dioxide Information Center (CDIAC) und basieren f&#252;r die Jahre 2006, 2007 und 2008 auf Wirtschaftsdaten von BP. Der rot schattierte Bereich stellt die 2000 prognostizierte Entwicklung entsprechend der verschiedenen Szenarien des IPCC dar. <\/p>\n<p>Eine Besonderheit sei noch erw&#228;hnt, die der Grafik nicht zu entnehmen ist: Die f&#252;r 2009 erwarteten Werte werden voraussichtlich etwa 3% unter den Werten von 2008, etwa auf dem Niveau von 2007 liegen. Diese Tatsache ist auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zur&#252;ckzuf&#252;hren und nicht auf eine Trendwende bei der CO2-Emission. Diese Verminderung entspricht umgerechnet einer Emissionspause von lediglich etwa 2 bis 4 Wochen.<\/p>\n<p>Beim Betrachten der Grafik gibt es zwei offensichtliche Auff&#228;lligkeiten: Zum Einen ist zu erkennen, dass beginnend etwa 2003, sich der Anstieg der Emissionen deutlich gesteigert hat &#8211; die Kurve verl&#228;uft deutlich steiler als im Mittel der 10 Jahre zwischen 1990 und 2000. Zum Anderen zeigt sich, dass die beobachteten Emissionen im oberen Bereich der vorhergesagten Entwicklung verlaufen &#8211; mit anderen Worten: Die vor etwa 10 Jahren getroffenen schlimmsten Annahmen, nicht etwa die optimistischen, sind Realit&#228;t geworden.<\/p>\n<p>Beim Betrachten der Grafik kam mir spontan die gedankliche Assoziation zur \u201eTragik der Allmende\u201c. Was ist Allmende und worin besteht deren Tragik, mag sich vielleicht der Eine oder Andere fragen. Unter Allmende wird historisch der Gemeindebesitz (Wiesen, W&#228;lder, Seen, &#8230;) verstanden, der von allen Gemeindemitgliedern als Gemeinschaftsgut genutzt werden durfte. Im Verlaufe des 19. Jh. verschwanden im Zuge fortschreitender Privatisierung weitgehend die Allmende selbst wie auch der Begriff derselben aus dem Sprachgebrauch.<br \/>\nDer Begriff der \u201eTragik der Allmende\u201c geht vor allem auf eine Arbeit des Biologen Garret Hardin von 1968 zur&#252;ck, die unter dem Titel \u201eThe Tragedy of the Commons\u201c ver&#246;ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Hardin entwickelt darin folgende These: Wenn eine Ressource allen Menschen ohne Einschr&#228;nkung zur Verf&#252;gung steht, dann wird jeder versuchen, f&#252;r sich so viel wie m&#246;glich daraus zu erwirtschaften. Solange die Ressource das auch hergibt, sie sich also nicht ersch&#246;pft, wird das auch funktionieren. (Wir w&#252;rden heute vielleicht sagen, solange sie nachhaltig genutzt wird&#8230;) Wenn die Ressource das aber nicht mehr hergibt, sie also \u201e&#252;bernutzt\u201c wird, setzt die \u201eTragik der Allmende\u201c ein: Jeder versucht nach wie vor seinen Gewinn zu maximieren, die Folgen des Raubbaus, die jedoch oft erst sp&#228;ter deutlich werden, muss die Gemeinschaft, m&#252;ssen also alle tragen. F&#252;r den, der Raubbau betreibt, ist der (kurzfristige) Gewinn deutlich h&#246;her als die (langfristig anfallenden) Kosten. Hardin schlussfolgert daraus, dass somit jeder sowohl zum eigenen Ruin als auch zum Ruin der Gemeinschaft beitrage (\u201efreedom in the commons brings ruin to all\u201c). Hardins These wurde sp&#228;ter vor allem als Begr&#252;ndung herangezogen, um ungehemmte Privatisierungen durchzusetzen. Frei nach dem Motto, dass nur privates Eigentum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen erm&#246;gliche&#8230;<\/p>\n<p>Irgendwie werde ich das Gef&#252;hl nicht los, dass genau in diesem Kontext versucht wird, die Klimaproblematik anzugehen: Es soll in Kopenhagen um \u201eVerschmutzungsrechte\u201c gehen, \u201eCO2-Zertifikate\u201c werden gehandelt [<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emissionsrechtehandel\">Wikipedia: Zertifikate-Handel<\/a>], in einem \u201eClean Development Mechanism (CDM)\u201c werden reale Emissionen in den Industriel&#228;ndern gegen fiktive Einsparungen in Entwicklungsl&#228;ndern aufgerechnet [<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mechanismus_f%C3%BCr_umweltvertr%C3%A4gliche_Entwicklung\">Wikipedia: CDM<\/a>]. Wem geh&#246;rt denn die Atmosph&#228;re unserer Erde eigentlich? Den gro&#223;en Konzernen, den Automobilherstellern in allen L&#228;ndern? Den Kohle-Kraftwerk-Betreibern? Den Ignoranten, die heute noch Elektroheizungen als umweltfreundlich und sparsam anpreisen und (leider) auch immer noch K&#228;ufer finden?<\/p>\n<p>Silke Helfrich bemerkt im Commons-Blog bei der <a href=\"http:\/\/commonsblog.wordpress.com\/was-sind-commons\/\">Begriffsbestimmung \u201eWas sind Commons?\u201c<\/a> zu Hardin:<\/p>\n<blockquote><p> \u201eDer Autor selbst gab in sp&#228;teren Aufs&#228;tzen jenen KritikerInnen Recht, die darauf hinwiesen, dass Hardin nicht den geregelten Umgang mit Gemeinschaftsbesitz sondern den ungeregelten Zugang zu Niemandsland analysiert habe.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das trifft es. Habe ich mich jemals gefragt, wem die Erdatmosph&#228;re geh&#246;rt? &#8211; Nein. Offensichtlich wird es aber Zeit, dass ich mir, besser: dass wir uns diese Frage stellen. Die Antwort kann nur sein, dass sie uns allen geh&#246;rt, als Gemeineigentum, als Allmende. Und dazu geh&#246;rt immer auch die (selbstorganisierte) Vereinbarung der Regeln, wie das Gemeineigentum genutzt wird. Beispiele daf&#252;r, wie das seit Jahrhunderten hervorragend und bis heute funktioniert, gibt es viele. Und es gibt auch Gemeinschaften, die (erst) in j&#252;ngerer Zeit hinzugekommen sind, die gelernt haben ihre begrenzten Ressourcen nachhaltig zu nutzen, wie die gemeinsame Nutzung von Wasserressourcen in Montana [J. Diamond: \u201eKollaps\u201c] zeigt.<\/p>\n<p>Neu an der spezifischen Problematik der Klimaentwicklung und der Verschmutzung der Atmosph&#228;re ist die globale Dimension des Problems. Das ist f&#252;r die Menschheit eine wahrhaft historische Aufgabe: Globale, nicht lokale oder regionale Regeln zur partnerschaftlichen, zur nachhaltigen Nutzung des Gemeingutes Atmosph&#228;re zu entwickeln und deren Einhaltung zu garantieren. Privatisierung ist keine L&#246;sung, wie die Erfahrungen zeigen. Sie f&#252;hren nur dazu, dass alle Diejenigen, die kein Geld haben, sich die G&#252;ter zu kaufen, von deren Nutzung ausgeschlossen werden. Daseinsvorsorge sollte niemanden ausschlie&#223;en, sollte also anders funktionieren.<\/p>\n<p>Versuchen wir also ein Denken in Bezug auf unsere Gemeinschaftsg&#252;ter zu entwickeln, ein Denken, welches das Gegensatzpaar \u201eMarkt\u201c und \u201eStaat\u201c aufbricht. Versuchen wir uns als eine Gemeinschaft von Menschen zu begreifen, die gemeinschaftlich und zukunftsf&#228;hig handelt. Ein Aspekt dabei ist die kritische Begleitung dessen, was in Kopenhagen geschieht.<\/p>\n<p>Die letzte These der Zusammenfassung in der Copenhagen Diagnosis lautet:<\/p>\n<blockquote><p> \u201eDer Umkehrpunkt muss in naher Zukunft erzwungen werden: Wenn die globale Erw&#228;rmung auf 2\u00b0C gegen&#252;ber dem vorindustriellen Wert begrenzt werden soll, muss das Maximum der Emissionen sp&#228;testens zwischen 2015 und 2020 erreicht und m&#252;ssen anschlie&#223;end die Emissionen rapide gesenkt werden. Um das Klima zu stabilisieren muss sich eine \u201edekarbonisierte globale Gesellschaft\u201c noch in diesem Jahrhundert entwickeln mit einer Emission von CO2 und anderen langlebigen Treibhausgasen nahe Null. Genauer gesagt, muss bis 2050 die pro-Kopf-Emission von CO2 auf unter eine Tonne reduziert werden. Dieser Wert liegt 80-95% unter der pro-Kopf-Emission der Industriel&#228;nder im Jahr 2000.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies wird ohne einen grundlegenden Wandel unserer Lebens- und Produktionsweise nicht zu leisten sein. <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/order\/zaymyi-turbozaim.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/anticonvulsants-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/get-quick-online-payday-loan-now.php\">https:\/\/zp-pdl.com\/get-quick-online-payday-loan-now.php<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der kommenden Woche beginnt die Klimakonferenz in Kopenhagen. Die Konferenz, die den Kyoto-Prozess fortschreiben und weiterentwickeln soll. Viel wurde bereits davon und dar&#252;ber geredet. 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