{"id":1882,"date":"2019-04-14T00:05:52","date_gmt":"2019-04-13T22:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=1882"},"modified":"2021-01-19T10:13:46","modified_gmt":"2021-01-19T08:13:46","slug":"fridays-for-future-no-all-days-for-future","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2019\/04\/fridays-for-future-no-all-days-for-future\/","title":{"rendered":"Fridays for Future? \u2013 No: All days for Future!"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen schw&#228;nzen junge Leute freitags die Schule und treffen sich zu Demonstrationen gegen die unzureichende T&#228;tigkeit der Politik zur Einhaltung der Klimaziele von Paris. \u201eFridays for Future\u201c nennt sich diese Bewegung unter der Demonstrations-Losung \u201eWir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut\u201c. Inzwischen wird die Bewegung auch von verschiedensten Vertretern der &#228;lteren Generation unterst&#252;tzt, vor allem von Wissenschaftlern (\u201eScientists for Future\u201c), Eltern (\u201eParents for Future\u201c) und Lehrern (\u201eTeachers for Future\u201c). Diese Bewegung hat meine volle Unterst&#252;tzung, einschlie&#223;lich der Tatsache, dass dabei einige Schulstunden \u201eausfallen\u201c, denn anderenfalls w&#252;rde vermutlich kaum jemand Notiz von den Aktionen nehmen. Volle Unterst&#252;tzung erh&#228;lt die Bewegung jedoch nicht nur durch mich pers&#246;nlich, sondern vor allem auch durch einen seit vielen Jahren bestehenden kleinen Freundeskreis, der, wie ich, ebenfalls zu der \u201e&#228;lteren\u201c Generation geh&#246;rt und sich seit vielen Jahren mit Zukunftsfragen befasst.<br \/>\nAls vor einigen Wochen die ersten gr&#246;&#223;eren Sch&#252;ler-Demonstrationen in Deutschland stattfanden habe ich spontan gedacht: Endlich. Sie sind aufgewacht. Und: Hoffentlich halten sie weiter durch. Und gleichzeitig gingen mir unheimlich viele Gedanken durch den Kopf. Einige dieser Gedanken haben wir in unserem Freundeskreis vergangene Woche er&#246;rtert. Im Sinne einer Selbstverst&#228;ndigung m&#246;chte ich im Folgenden einige &#220;berlegungen zu diesem Themenkomplex kurz darstellen.<!--more--><\/p>\n<h2>Vom Umgang mit komplexen Problemen, deren Auswirkungen in der Zukunft liegen<\/h2>\n<p>Die gegenw&#228;rtig sp&#252;rbaren Auswirkungen des Klimawandels sind eigentlich nur vergleichbar mit der Spitze eines Eisberges: Da ist etwas, was nicht &#252;bersehen werden kann, aber der weitaus gr&#246;&#223;te Teil ist gar nicht sichtbar. Das Problem ist offensichtlich viel, viel gr&#246;&#223;er und nicht so einfach &#252;berschaubar. Tats&#228;chlich ist in allt&#228;glichen Diskussionen angesichts der f&#252;r viele Menschen sp&#252;rbaren Zunahme extremer Wetterereignisse immer wieder die Frage zu h&#246;ren: Ist das einfach nur Wetter, also eine zuf&#228;llige Erscheinung, oder bereits eine Auswirkung des Klimawandels, also eine systematische Verschiebung der H&#228;ufigkeit bestimmter Wetterereignisse? Die Antwort als solche ist relativ einfach, jedoch ist die Interpretation schwierig, denn es handelt sich um eine Wahrscheinlichkeitsaussage: Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ist das eine Auswirkung des Klimawandels, mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht.<br \/>\nWie gehen wir Menschen mit Wahrscheinlichkeiten um? \u2013 Wir tun uns zumindest nicht leicht damit. Ein Lottospieler, befragt, warum er bei einer Gewinn-Wahrscheinlichkeit von 1:140.000.000 um den Jackpot spielt (die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden und dadurch zu sterben, ist mit 1:18.000.000 fast zehnmal gr&#246;&#223;er), wird vielleicht antworten, dass gerade er jetzt, an diesem Wochenende, den Hauptgewinn landen wird\u2026 Vielleicht ist derselbe Lottospieler gleichzeitig auch Raucher. Und gefragt, warum er bei einer hunderttausendfach h&#246;heren Wahrscheinlichkeit von 1:1.400 an den Folgen seines Rauchens zu sterben, mit dem Rauchen nicht aufh&#246;rt, wird er vielleicht mit der Gegenfrage antworten, warum es gerade ihn treffen soll, als genau den Einen von den 1.400, der daran stirbt\u2026 Offensichtlich ist es das individuelle Empfinden, wie jemand ganz pers&#246;nlich mit ihn betreffenden Wahrscheinlichkeiten umgeht. Und wenn die Ereignisse sehr unwahrscheinlich sind oder fernab in der Zukunft liegen dann ist der Umgang damit vermutlich eher willk&#252;rlich. Im Gegensatz zu unmittelbar treffbaren Entscheidungen, beispielsweise, ob ich bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 95:100 den Schirm zu Hause lasse oder mitnehme: Hier werde ich vermutlich ganz pragmatisch den Schirm eben mitnehmen.<br \/>\nEntscheidungen bez&#252;glich des Klimawandels geh&#246;ren wohl eher in die erste Kategorie. Ich kann jede Ausrede, warum ich nichts dagegen unternehme, damit begr&#252;nden, dass es ja alles nur Wahrscheinlichkeitsaussagen sind. Andererseits sp&#252;re ich bei vielen Diskussionen im Alltag inzwischen ein Unbehagen bei den meisten Menschen, mit denen ich &#252;ber solche Themen rede. Ein unbestimmtes Gef&#252;hl, dass da irgendetwas schief l&#228;uft und man eigentlich etwas dagegen tun m&#252;sste und das es so nicht ewig weitergehen kann. Aber im Moment geht es eben noch. Und ich als Einzelner kann doch sowieso nichts &#228;ndern. Und rundherum macht doch auch keiner was anders als sonst\u2026<br \/>\nUnd pl&#246;tzlich sind da die jungen Leute, die freitags die Schule schw&#228;nzen und zur Demo gehen.<\/p>\n<h2>Das Eisberg-Problem<\/h2>\n<p>Ich habe weiter oben bereits den Vergleich mit einem Eisberg bem&#252;ht, um eine Vorstellung von der Problematik des Klimawandels zu bekommen. Ja, ein Eisberg ist un&#252;bersehbar \u2013 der Klimawandel ebenfalls. Und: Nur ein Siebtel des Eisberges ragt &#252;ber das Wasser hinaus, sechs Siebtel sind unsichtbar unter Wasser verborgen. So ist es meines Erachtens auch mit dem Klimawandel. Die tieferen Ursachen daf&#252;r sind auf den ersten Blick nicht erkennbar.<br \/>\nDie Ergebnisse der Klimaforscher zeigen, dass der Klimawandel ganz klar vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe angetrieben wird. Seit Beginn der industriellen Revolution vor etwa 150 Jahren wurde durch die Verbrennung von Kohle und Erd&#246;l f&#252;r Zwecke des industriellen Energiebedarfs und des Transports so viel CO2 freigesetzt, dass zus&#228;tzlich zum nat&#252;rlichen Treibhauseffekt eine Temperaturerh&#246;hung von etwas &#252;ber einem Kelvin nachweisbar ist. Das gr&#246;&#223;te Problem dabei ist gar nicht einmal die Temperaturerh&#246;hung an sich, sondern vor allem das Tempo dieses Temperaturanstiegs.<br \/>\nSo viel zu den Fakten. Steht die Frage, warum ist das so, dass seit 150 Jahren so viel mehr Energie f&#252;r die menschliche Lebenst&#228;tigkeit ben&#246;tigt wird. Was hat sich f&#252;r die Menschheit ge&#228;ndert? \u2013 Zuerst leben einfach viel mehr Menschen auf der Erde als vorher. Es k&#246;nnen tats&#228;chlich viel mehr Menschen versorgt werden als vor einigen 100 Jahren. F&#252;r viele Menschen ist dar&#252;ber hinaus der Lebensstandard deutlich gestiegen. Elektrizit&#228;t erm&#246;glichte vern&#252;nftige Beleuchtung in der Dunkelheit, ebenso v&#246;llig neue Kommunikationsm&#246;glichkeiten bis hin zum Internet. Neue Verkehrsmittel erm&#246;glichten bequemes und schnelles Reisen. Kaffee oder Obst aus tropischen L&#228;ndern ist f&#252;r uns heute allt&#228;glich verf&#252;gbar.<br \/>\nSchaut man sich die Entwicklung jedoch genauer an, so zeigt sich einerseits, dass dieser Lebensstandard bei weitem nicht allen Menschen zur Verf&#252;gung steht. Viele Menschen k&#246;nnen sich diesen Wohlstand nicht leisten, denn nur wer genug Geld hat kann diese Errungenschaften genie&#223;en. Andererseits zeigt sich eine bemerkenswerte zeitliche Entwicklung. So gab es in den 70-er Jahren, also in meinen pers&#246;nlichen Sturm- und Drang Jahren, beispielsweise keine Mobiltelefone, von Smartphones und Internet ganz zu schweigen. An &#246;ffentlichen Fernsprechern klebte der offizielle Hinweis \u201eFasse Dich kurz!\u201c. Ich kenne noch Dampfloks als planm&#228;&#223;ige Bespannung vor Schnell- und G&#252;terz&#252;gen auf der Saale-Bahn in Jena, bevor diese in den 80-ern (erneut) elektrifiziert wurde. Heute ist in Deutschland die Nutzung privater PKWs so hoch wie nie zuvor und ein verl&#228;ngertes Wochenende auf Mallorca nichts Ungew&#246;hnliches.<br \/>\nBeide Aspekte sind bemerkenswert: Sowohl die Differenziertheit \u2013 oder sollten wir das nicht besser Ungerechtigkeit nennen \u2013 des Lebensstandards als auch dessen in den letzten Jahren sich immer weiter beschleunigende Entwicklung. Mahnende Worte, die es auch in der Vergangenheit zur Gen&#252;ge gab, wurden freundlich ignoriert. Ich erinnere nur an die Forderung der Gr&#252;nen, ich glaube in den 90-ern, den Benzinpreis auf 5 DM (heute 2,50 \u20ac) anzuheben. Sie wurden ausgelacht und politisch abgestraft durch schlechte Wahlergebnisse. Oder gegenw&#228;rtig die simple Forderung nach einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung auf unseren Autobahnen auf 130 Km\/h, zu der unser Verkehrsminister meint, das sei \u201egegen jeden Menschenverstand\u201c.<br \/>\nDie dargestellte Entwicklung war nur m&#246;glich durch immer fortw&#228;hrendes Wachstum. Von Jahr zu Jahr mehr. Mehr Brutto-Inlandsprodukt, mehr Autos, mehr Reisen, mehr Komfort, mehr Lohn, mehr Zinsen auf dem Sparbuch, mehr, mehr, mehr. Wir waren Getriebene des Wachstums und sind es bis heute. Und wir haben es selbst mit angetrieben durch den Kauf und die Inanspruchnahme der versprochenen Vorteile. Nat&#252;rlich ist das bequem. Die Folgen dieses Lebensstils? Egal \u2013 alle leben doch so. Die aus S&#252;damerika importierten Erdbeeren zu Weihnachten sind doch sowieso da. Warum soll ich sie dann nicht auch kaufen? Wenn sie niemand kauft, werden sie weggeworfen \u2013 auch nicht besser, oder?<br \/>\nWas verbirgt sich hinter alldem als eigentliche Ursache, wie sehen die sechs Siebtel des Eisberges aus, die unter der Oberfl&#228;che sind? Letztlich ist es die kapitalistische Produktions- und Lebensweise, die seit einigen hundert Jahren praktiziert wird und immer mehr Lebensbereiche dominiert. Inzwischen auch weltweit dominiert. Kern dieser Produktions- und Lebensweise ist der Zwang zu immerw&#228;hrendem Wachstum. Kapital wird eingesetzt um etwas zu produzieren, ein Gut oder eine Dienstleistung, zu dem Zweck, dass am Ende mehr Kapital herauskommt. Eine Rendite muss sein. Es muss \u201esich rechnen\u201c. Wenn das Produkt auch einen anerkannten, guten Nutzen hat \u2013 sch&#246;n. Wenn der Nutzen nicht so richtig erkennbar ist muss das Marketing es halt richten. Entscheidend ist nur eines: Rendite. Rendite ist letztendlich der Zweck dieser Produktions- und Lebensweise.<br \/>\nNun ist unser Planet aber ein begrenztes System, fortdauerndes Wachstum also schlicht nicht m&#246;glich. Wird es trotzdem versucht, so st&#246;&#223;t es unweigerlich irgendwann an seine Grenzen. Ein Beispiel: Luftverkehr. Dass dies die umweltsch&#228;dlichste Verkehrsart ist, dar&#252;ber sind sich alle Beteiligten einig. Trotzdem wird immer mehr Werbung gemacht f&#252;r Kurztrips beispielsweise bei durch Br&#252;ckentage verl&#228;ngerten Wochenenden. Oder es wird mit Billigpreisen versucht, die Menschen zu Kurzstreckenfl&#252;gen zu bewegen, auf Strecken, die bequem auch mit der Bahn bedient werden k&#246;nnten. Wieso geht das? \u2013 Nun, die Airlines m&#252;ssen beispielsweise auf Kerosin keine Steuern bezahlen. Auf den Ticketpreis wird bei Fl&#252;gen in das Nicht-EU-Ausland keine Mehrwertsteuer erhoben. Anders bei der Bahn: Ab 50 Km Entfernung liegt der volle Mehrwertsteuersatz auf dem Ticketpreis. Diesel und Strom muss die Bahn voll versteuern. Fragt man die Politiker, warum beispielsweise Kerosin nicht besteuert wird, kommt als Standardantwort immer, dass die Airlines dann nicht mehr konkurrenzf&#228;hig w&#228;ren und Arbeitspl&#228;tze wegfallen w&#252;rden. Ehrlicherweise w&#228;re aber zuerst zu sagen, dass die Aktion&#228;re der Airlines dann keine Rendite erzielen w&#252;rden, denn das ist der eigentliche Zweck des Unternehmens. Der Flugbetrieb und damit die daf&#252;r erforderlichen Arbeitspl&#228;tze ist lediglich das Mittel zum Zweck. Und dass dabei der Klimawandel befeuert wird, nun ja, wie die Milit&#228;rs sagen w&#252;rden: Kollateralschaden.<br \/>\nAnders ausgedr&#252;ckt: Durch Umweltverschmutzung sichern wir uns den Wohlstand, der zu immer mehr Umweltverschmutzung f&#252;hrt. Oder: Der Klimawandel ist eine Konsequenz unseres Wohlstands und wenn wir diesen Wohlstand weiter steigern wollen, dann m&#252;ssen wir eben den Klimawandel weiter vorantreiben. Ein Teufelskreis. Und zwar einer von der ganz fiesen Sorte, denn der gr&#246;&#223;te Teil der Menschheit hat noch gar nicht unser Wohlstands-Niveau und will es nat&#252;rlich \u2013 gerechterweise \u2013 auch haben und auch viele Menschen bei uns k&#246;nnen \u2013 ungerechterweise \u2013 daran nicht teilhaben\u2026 Was also tun? Offensichtlich erweist sich der oben zitierte Eisberg als ein ganz sch&#246;n dickes Ding, was wohl kaum einfach so zu umschiffen sein wird.<\/p>\n<h2>Meinen Kindern soll es einmal besser gehen<\/h2>\n<p>Das war die stehende Redewendung, wenn man einen Vertreter meiner Generation danach gefragt hatte, was er sich f&#252;r seine Kinder und Enkel am Ende w&#252;nscht. Ja klar, ein noch besseres, komfortableres, sichereres Leben \u2013 ein nachvollziehbarer, sch&#246;ner Wunsch. Wir stellen uns vor, dass unsere Kinder sich nicht erst m&#252;hsam ihren Haushalt von nahezu Null an aufbauen m&#252;ssen, sondern einen soliden finanziellen Anschub mitbekommen. Die Welt sollen sie in ihrer Jugend kennenlernen \u2013 eine Fernreise nach dem erfolgreichen Schulabschluss w&#228;re da gut vorstellbar. Ach so, der F&#252;hrerschein mit 17 und das zugeh&#246;rige Auto mit 18 w&#228;ren auch etwas sehr Sch&#246;nes und N&#252;tzliches. Und das Smartphone gibt es schon viel eher, vielleicht zum Start im Gymnasium, in der f&#252;nften Klasse oder vielleicht sogar schon noch fr&#252;her.<br \/>\nWie wird das finanziert? Nun ja, vielfach haben die Eltern, &#246;fter noch die Gro&#223;eltern etwas angespart, auf die \u201ehohe Kante\u201c gelegt. Heute w&#252;rde man eher sagen m&#252;ssen, sie haben etwas Geld \u201eangelegt\u201c. Das meint, dass Zinsen von der Geldanlage erwartet werden, das Geld soll \u201earbeiten\u201c. Hat jemand schon mal Geld arbeiten sehen? Gewiss nicht. Gemeint ist, dass es Rendite bringen, also als Kapital eingesetzt werden muss. Nun wird kaum jemand mit ein paar angesparten Euros die Aktien einer Airline kaufen, das w&#228;re nicht sinnvoll. Aber das Geld in einem Fonds anzulegen, der von einer Bank gemanagt wird und der auch Aktien von Airlines h&#228;lt, das ist weit verbreitete Praxis. Und weil die Gelder, die der Fonds verwaltet sichere Rendite bringen sollen, werden da auch Aktien von Bauunternehmen, Autoherstellern, Gesundheitsdienstleistern, R&#252;stungsschmieden, und, und, und mit im Portfolio sein.<br \/>\nNun ist das ja mit der Starterleichterung f&#252;r die Kinder oder Enkel so eine Sache \u2013 das kann man tun, muss es aber nicht, oder tut es vielleicht nur in einem geringeren Umfang. Schlie&#223;lich sollen die Kinder ja auch merken, dass das Leben kein \u201ew&#252;nsch dir was\u201c ist. Viel schlimmer, weil inzwischen nahezu unverzichtbar, ist das mit der eigenen, sogenannten \u201eprivaten Altersvorsorge\u201c der &#228;lteren Generation. Seit vielen Jahren wird das solidarische Rentensystem zur&#252;ckgefahren. Grund: Die Unternehmen m&#252;ssen die H&#228;lfte des monatlichen Beitrages zur Rentenversicherung bezahlen, und das schm&#228;lert schlie&#223;lich unmittelbar deren Rendite. Also sollen doch bittesch&#246;n die Rentenbeitr&#228;ge gesenkt werden oder zumindest nicht steigen und die Leute sollen selber privat f&#252;r ihre Rente vorsorgen. Gemeint ist damit, einen Teil des Einkommens f&#252;r die Rente anzusparen. Sprich anzulegen, mit m&#246;glichst guter Rendite, \u2026 \u2013 siehe oben.<br \/>\nHier haben wir die Stelle, wo sich die Katze in ihren Schwanz bei&#223;t. Was hei&#223;t denn gute Rendite? Letztlich Wachstum. Gute Rendite &#252;ber ein langes Arbeitsleben? Letztlich permanentes Wachstum.<br \/>\nJetzt k&#246;nnen wir wieder einmal nach oben schauen, zur Spitze des Eisberges. Wenn wir also gute Startbedingungen f&#252;r unsere Kinder und Enkel wollen oder f&#252;r eine ausk&#246;mmliche Rente privat vorsorgen m&#252;ssen, dann ist das bei der gegenw&#228;rtigen Produktions- und Lebensweise zwangsl&#228;ufig damit verbunden, dass wir den Klimawandel vorantreiben, und zwar beschleunigt. Im Umkehrschluss bedeutet das nat&#252;rlich genauso, dass, wenn wir den Klimawandel zur&#252;ckdr&#228;ngen wollen, wir entweder unseren Kindern und Enkeln (fast) nichts f&#252;r den Start mitgeben k&#246;nnen und f&#252;r unser eigenes Alter nicht hinreichend vorsorgen k&#246;nnen. Ein Teufelskreis. Wie bereits gesagt, einer von der ganz fiesen Sorte.<br \/>\nSchaut man sich die Fachliteratur zu Teufelskreisen an, so wird als eventuell m&#246;glicher Ausweg immer vorgeschlagen, die Perspektive zu wechseln, sich also \u201e&#252;ber den Kreis\u201c zu erheben, von oben, von au&#223;en drauf zu schauen und Randbedingungen zu suchen, die eventuell ge&#228;ndert werden k&#246;nnen. Der Teufelskreis w&#252;rde dann quasi \u201ege&#246;ffnet\u201c. Tats&#228;chlich, g&#228;be es auch in unserem Fall eine Option, die aus dem beschriebenen Teufelskreis herausf&#252;hren kann: Die \u201eRandbedingung\u201c, also unsere Produktions- und Lebensweise zu ver&#228;ndern. Das ist an dieser Stelle zugegebenerma&#223;en leicht daher gesagt. Aber es w&#228;re eine M&#246;glichkeit. Eine M&#246;glichkeit jedoch mit harten Konsequenzen.<br \/>\nSo m&#252;sste zuallererst anerkannt werden, dass die Kapitallogik bis heute zwar zu einem enormen Lebensstandard f&#252;r viele gef&#252;hrt hat, sie diesen Standard aber nicht f&#252;r alle Menschen sichern kann ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerst&#246;ren. Der angeh&#228;ufte Reichtum der Minderheit muss also im Sinne der Gerechtigkeit sinnvoll umverteilt werden. Das meint definitiv keine Gleichverteilung, sondern angemessenen Verzicht dort, wo sehr viel ist und erforderliche Zuwendung dort, wo zu wenig ist. Diese Anerkenntnis muss verbunden sein mit einer Abbitte, einer Bitte um Entschuldigung an die Menschen, auf deren Kosten wir bisher unseren Reichtum angeh&#228;uft haben. Muss verbunden sein mit einer Abbitte an die jungen Menschen, deren zuk&#252;nftige Lebensgrundlagen durch die Anh&#228;ufung unseres Reichtums in Frage gestellt sind. Und muss verbunden sein mit einer Abbitte aller der verantwortlichen Politiker und Entscheider, die heute noch, ich behaupte, oftmals wider besseren Wissens, diese Kapitallogik propagieren und als die beste Gesellschaft hinstellen, in der die Menschheit je gelebt hat.<br \/>\nDes Weiteren muss gemeinsam er&#246;rtert werden, was es zuk&#252;nftig hei&#223;t, gut zu leben. Bezogen auf die jetzige Art in Wohlstand zu leben wird das in vielerlei Hinsicht wahrscheinlich Verzicht bedeuten. Verzicht auf mehrere Urlaubsfl&#252;ge im Jahr. Verzicht auf das Br&#246;tchenholen mit dem Auto beim 500 Meter entfernten B&#228;cker. Verzicht auf frisch eingeflogene Erdbeeren zu Weihnachten. Verzicht auf den Geschwindigkeitsrausch im eigenen SUV bei 230 Stundenkilometern auf der Autobahn. Verzicht auf die Auswahl von 50 Sorten Bier aus der ganzen Welt. Verzicht vielleicht auch auf das allw&#246;chentliche Grillen unseres wohl verdienten Steaks oder Rostbr&#228;tels.<br \/>\nAber gewiss kein Verzicht auf einen sch&#246;nen Urlaub und auf das Erkunden der ganzen Welt. Kein Verzicht auch auf wunderbare frische Br&#246;tchen zum Wochenendfr&#252;hst&#252;ck. Kein Verzicht auf selbst angesetzten Rumtopf mit Erdbeeren zu Weihnachten. Kein Verzicht auf eine individuelle Fahrt mit einem PKW. Und auf gar keinen Fall der Verzicht auf ein gutes Bier oder das Zubereiten von Stockbrot am Lagerfeuer. Wie eine solche Produktions- und Lebensweise funktionieren kann, dazu gibt es bereits viele &#220;berlegungen. Die k&#246;nnen ja als Anregung dienen f&#252;r unsere anstehende, notwendige Diskussion.<br \/>\nDas schwierigste Problem wird wohl der Weg hin zu einer anderen, nichtkapitalistischen, solidarischen Produktions- und Lebensweise sein. Einerseits, weil wohl doch erst einmal der Verzicht dominieren wird, bevor die Alternativen als gut und lebenswert anerkannt und gelebt werden. Gewohnheiten sind z&#228;h. Und andererseits, weil die in h&#246;chstem Ma&#223;e achtenswerte Lebensleistung vieler Menschen sich f&#252;r sie teilweise als Lebensl&#252;ge erweisen wird. Der Umgang damit bedarf vielleicht einer kollektiven Selbstverst&#228;ndigung, damit wir dar&#252;ber nicht unsere Selbstachtung verlieren.<br \/>\nViele aus der &#228;lteren Generation wissen nicht erst seit heute um die dargestellten Probleme. Viele wissen seit langem, dass wir auf Kosten der Umwelt und damit der Zukunft, auf Kosten anderer Menschen und damit der Gerechtigkeit leben. Die Konsequenz, dass wir damit unserem eigenen Wunsch, unseren Kindern und Enkeln m&#246;ge es besser gehen, zuwider handeln wird vielen aus unserer Generation erst langsam bewusst.<br \/>\nIch kann die junge Generation nur best&#228;rken, ihre Forderungen laut und deutlich und unnachgiebig zu stellen. Wir \u2013 gemeint ist wieder der eingangs bereits erw&#228;hnte kleine Freundeskreis, helfen gerne dabei, die angerissenen Probleme genauer zu er&#246;rtern. Wir unterst&#252;tzen Eure Forderungen. Als am 8. April 2019 die Forderungen an die Politik ver&#246;ffentlicht wurden, dachte ich mir: Oha, f&#252;rs Erste einmal sehr gute Forderungen: Sofortige Einstellung jeglicher Subventionierung von fossilen Energietr&#228;gern; Stilllegung eines Viertels der Kohlekraftwerke bis Ende 2019 und starke Besteuerung der Emission von Klimagasen. Und das Beste: Die Politik m&#246;ge selber beschlie&#223;en, wie sie die Forderungen umsetzt. In meinem Kopfkino sah und h&#246;rte ich schon die Schnappatmung einiger Damen und Herren Politiker\u2026<br \/>\nIch selbst kann die junge Generation nur um Nachsicht bitten, dass wir nicht die Traute hatten, solche Forderungen schon vor Jahren aufzumachen, als f&#252;r uns zumindest die Konsequenzen schon erkennbar waren. Bringen wir es also wenigstens jetzt gemeinsam voran. Nicht nur freitags, sondern Alltags.<br \/>\n <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/kredit\/kredit-rosbank.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/beauty-products-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/emergency-payday-loans.php\">https:\/\/zp-pdl.com\/emergency-payday-loans.php<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen schw&#228;nzen junge Leute freitags die Schule und treffen sich zu Demonstrationen gegen die unzureichende T&#228;tigkeit der Politik zur Einhaltung der Klimaziele von Paris. \u201eFridays for Future\u201c nennt sich diese Bewegung unter der Demonstrations-Losung \u201eWir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut\u201c. Inzwischen wird die Bewegung auch von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1882\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}