{"id":1843,"date":"2018-10-14T20:13:33","date_gmt":"2018-10-14T18:13:33","guid":{"rendered":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=1843"},"modified":"2021-01-19T10:13:55","modified_gmt":"2021-01-19T08:13:55","slug":"sonderbericht-des-weltklimarates-ipcc-ueber-die-folgen-von-15c-globaler-erwaermung-vom-8-oktober-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2018\/10\/sonderbericht-des-weltklimarates-ipcc-ueber-die-folgen-von-15c-globaler-erwaermung-vom-8-oktober-2018\/","title":{"rendered":"Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) &#252;ber die Folgen von 1,5\u00b0C globaler Erw&#228;rmung vom 8. Oktober 2018"},"content":{"rendered":"<p>Am 8. Oktober 2018 wurde vom Weltklimarat (IPCC) ein Sonderbericht mit dem vollst&#228;ndigen Titel \u201e1,5\u00b0C globale Erw&#228;rmung \u2013 Der IPCC-Sonderbericht &#252;ber die Folgen einer globalen Erw&#228;rmung um 1,5\u00b0C gegen&#252;ber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer St&#228;rkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bem&#252;hungen zur Beseitigung von Armut\u201c ver&#246;ffentlicht. <\/p>\n<p>Der Bericht soll vor allem die Unterschiede darstellen, wenn, wie in Paris Ende 2015 beschlossen, die globale mittlere Temperaturerh&#246;hung gegen&#252;ber dem vorindustriellen Niveau auf 1,5\u00b0C begrenzt werden kann gegen&#252;ber einer Erh&#246;hung um 2\u00b0C. Dieser Wert wird allgemein als \u201eLeitplanke\u201c betrachtet, deren &#220;berschreitung drastische und irreversible Verschlechterungen f&#252;r die Lebensbedingungen der gesamten Menschheit mit sich bringen w&#252;rde. Gleichzeitig soll dieser Zwischenbericht m&#246;gliche Entwicklungspfade und Handlungsoptionen aufzeigen, die eine Einhaltung des 1,5\u00b0C-Zieles grunds&#228;tzlich noch erm&#246;glichen. F&#252;r den Bericht wurden etwa 6.000 wissenschaftliche Ver&#246;ffentlichungen ausgewertet und zusammengefasst.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h2>Klares Bekenntnis zum 1,5\u00b0C-Ziel<\/h2>\n<p>In den Tagesmedien wurde der Bericht an verschiedenen Stellen als \u201e<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/klima-ipcc-latif-101.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Weckruf<\/a>\u201c oder als \u201e<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/klimarat-ipcc-103.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Warnung vom Weltklimarat<\/a>\u201c bezeichnet. Tats&#228;chlich werden in der Kurzfassung des Berichts (<a href=\"http:\/\/report.ipcc.ch\/sr15\/pdf\/sr15_spm_final.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Summary for Policymakers<\/a>) eine ganze Reihe wissenschaftlich belastbarer Unterschiede zwischen einer Erw&#228;rmung um 1,5\u00b0C und 2\u00b0C f&#252;r verschiedene Bereiche aufgelistet:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks-300x251.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"251\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1844\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks-300x251.jpg 300w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks-768x643.jpg 768w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks-1024x858.jpg 1024w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks-624x523.jpg 624w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/impacts_and_risks.jpg 1760w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <\/p>\n<blockquote><p>[Quelle: <a href=\"http:\/\/report.ipcc.ch\/sr15\/pdf\/sr15_spm_final.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Grafik<\/a> \u201eHow the level of global warming a\ufb00ects impacts and\/or risks associated with the Reasons for Concern (RFCs) and selected natural, managed and human systems\u201c auf Seite 13]<\/p><\/blockquote>\n<ul>\n<li>Zuk&#252;nftige Klima-Risiken h&#228;ngen von der Rate des Anstiegs der Erw&#228;rmung, deren H&#246;he und Dauer ab. Sie sind insgesamt h&#246;her und k&#246;nnen zu irreversiblen Sch&#228;den f&#252;hren, auch wenn nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf fast 2\u00b0C diese zum Ende des Jahrhunderts wieder auf 1,5\u00b0C begrenzt werden kann.<\/li>\n<li>Eine Begrenzung auf 1,5\u00b0C w&#252;rde einen um etwa 0,1 Meter geringeren Anstieg des Meeresspiegels im Vergleich zu 2\u00b0C Erh&#246;hung zur Folge haben, womit etwa 10 Mio. Menschen weniger unmittelbar von den entsprechenden Risiken betroffen sein w&#252;rden.<\/li>\n<li>Dar&#252;ber hinaus besteht das Risiko, dass im Temperaturbereich zwischen 1,5 und 2\u00b0C ein wichtiger Kipppunkt im Klimasystem &#252;berschritten wird \u2013 das Abschmelzen der Polkappen, was eine Erh&#246;hung des Meeresspiegels um mehrere Meter &#252;ber hunderttausende Jahre zur Folge h&#228;tte. <\/li>\n<li>Einen Begrenzung der Temperaturerh&#246;hung auf 1,5\u00b0C h&#228;tte deutlich geringere Folgen f&#252;r die Biodiversit&#228;t an Land. So w&#252;rden bei einer Erh&#246;hung um 1,5\u00b0C 6% der Insekten, 8% der Pflanzen und 4% der Wirbeltiere verloren gehen, bei einer Erh&#246;hung um 2\u00b0C jedoch 18% der Insekten, 16% der Pflanzen und 8% der Wirbeltiere. <\/li>\n<li>In den Ozeanen w&#252;rden beispielsweise bei einer 1,5\u00b0C-Erh&#246;hung etwa 70% aller Korallenriffe vernichtet werden, bei einer 2\u00b0C-Erh&#246;hung hingegen nahezu alle (>99%). Das Risiko des Verlustes vieler mariner und k&#252;stennaher &#214;kosysteme w&#228;re deutlich h&#246;her.<\/li>\n<li>Klimabedingte Risiken f&#252;r Gesundheit, Existenzgrundlagen, Nahrungs- und Wasserversorgung, menschliche Sicherheit und Wirtschaftswachstum nehmen bei einer Erw&#228;rmung um 1,5\u00b0C deutlich zu und steigen bei 2 \u00b0C deutlich weiter an.<\/li>\n<li>Der erforderliche Anpassungsbedarf ist bei einer Erw&#228;rmung um 1,5\u00b0C deutlich geringer und damit mit weniger Ressourcenaufwand verbunden als bei einer Erw&#228;rmung um 2\u00b0C.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine sehr sch&#246;ne animierte Darstellung der Folgen einer Erh&#246;hung auf 2\u00b0C im Vergleich zur 1,5\u00b0C ist in der <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/2018\/10\/07\/climate\/ipcc-report-half-degree.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">New York Times<\/a> ver&#246;ffentlicht worden.<br \/>\nAuf Grund der dargestellten Risiken orientiert der Bericht klar auf eine m&#246;glichst strikte Einhaltung des 1,5\u00b0C-Ziels. Er entwickelt Szenarien in Form von Emissionspfaden, die bis 2100 das 1,5\u00b0C Ziel erreichen und zwischenzeitlich nur gering &#252;berschreiten (overshoot). Dazu sind entsprechende radikale Emissionsreduktionen erforderlich: Bis 2030 um 45% weniger im Vergleich zu 2010 und bis 2050 bei Null.<\/p>\n<p>Der Bericht ist bis zu dieser Stelle tats&#228;chlich als eindringliche Warnung, als Weckruf zu interpretieren, die Risiken wahrzunehmen und schnellstens sp&#252;rbare Konsequenzen zu ziehen. Anderenfalls zerst&#246;ren wir heute die Lebensbedingungen unserer Kinder und Enkel.<\/p>\n<h2>Entwicklungspfade, um das 1,5\u00b0C-Ziel zu erreichen<\/h2>\n<p>Im Weiteren befasst sich der Bericht mit den m&#246;glichen Erfolgsaussichten, die Erh&#246;hung der mittleren globalen Temperatur auf lediglich 1,5\u00b0C noch zu begrenzen und zeigt daf&#252;r mehrere Pfade auf, wie sich die Emissionen von CO2 und den anderen Treibhausgasen dazu entwickeln m&#252;ssten. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways-300x207.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"207\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1845\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways-300x207.jpg 300w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways-768x531.jpg 768w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways-1024x708.jpg 1024w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways-624x431.jpg 624w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways.jpg 1286w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>[Quelle: <a href=\"http:\/\/report.ipcc.ch\/sr15\/pdf\/sr15_spm_final.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Grafik<\/a> \u201eGlobal emissions pathway characteristics\u201c auf Seite 18]<\/p><\/blockquote>\n<p>In dieser &#220;bersicht werden beispielhaft vier m&#246;gliche Emissionspfade dargestellt. Alle vier erreichen das Ziel, im Jahr 2100 die Temperaturerh&#246;hung auf 1,5\u00b0C begrenzt zu haben, jedoch mit jeweils unterschiedlichen Emissions-Entwicklungen und teilweise mit zwischenzeitlichen deutlichen &#220;berschreitungen dieses Wertes (overshoot).<\/p>\n<p>Bei genauerer Betrachtung f&#228;llt jedoch auf, dass allen Emissionspfaden eines gemeinsam ist: Sie liegen ab etwa 2050 \u2026 2060 mehr oder weniger ausgepr&#228;gt im negativen Bereich der CO2-Emissionen! Das bedeutet im Klartext, dass sp&#228;testens ab diesem Zeitpunkt aktiv CO2 aus der Atmosph&#228;re entfernt werden muss. Deshalb sollen die m&#246;glichen Entwicklungspfade etwas n&#228;her betrachtet werden. Dazu sind in der &#220;bersicht auf Seite 19 des bereits genannten Berichts detaillierte Angaben zu den Emissionspfaden zu finden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1846\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2-270x300.jpg 270w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2-768x853.jpg 768w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2-922x1024.jpg 922w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2-624x693.jpg 624w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_2.jpg 1307w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>[Quelle: <a href=\"http:\/\/report.ipcc.ch\/sr15\/pdf\/sr15_spm_final.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#220;bersicht<\/a> \u201eGlobal emissions pathway characteristics\u201c auf Seite 19]<\/p><\/blockquote>\n<p>Im oberen Teil der &#220;bersicht sind in Form von Fl&#228;chendiagrammen die Bereiche dargestellt, aus denen die CO2-Emissionen resultieren. Erkennbar ist, dass die Absenkungen der CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und industriellen Quellen (grau hinterlegter Bereich) unterschiedlich schnell erfolgen \u2013 f&#252;r P1 am schnellsten und P4 am langsamsten. Das bedeutet, dass im Verh&#228;ltnis jeweils mehr Klimagase emittiert werden d&#252;rfen, bzw. die Senkung der Emissionen erst sp&#228;ter, weiter in der Zukunft erfolgen muss. Ad&#228;quat dazu muss nat&#252;rlich das im Vergleich dann zus&#228;tzlich emittierte CO2 wieder aus der Atmosph&#228;re entfernt werden. Dies soll einerseits durch eine ver&#228;nderte Land- und Forstwirtschaft sowie eine ver&#228;nderte Landnutzung (braun hinterlegte Fl&#228;chen \u2013 AFOLU), beispielsweise durch Aufforstung von bisher nicht genutzten Brachfl&#228;chen erreicht werden.<\/p>\n<p>Andererseits sollen rein technische Ma&#223;nahmen wie Carbon Capture and Storage (CCS), wo CO2 direkt aus der Atmosph&#228;re entnommen, verdichtet und in tieferen Gesteinsschichten oder im Ozean verpresst wird zur Anwendung kommen. Eine Erweiterung dieses Verfahrens stellt das Bioenergie-CCS (BECCS, gelb hinterlegte Fl&#228;chen) [http:\/\/klima-der-gerechtigkeit.de\/2016\/01\/08\/negative-emissionstechnologien-sind-gefaehrliche-wolkenkuckucksheime\/ ]dar, bei dem Energiepflanzen angebaut und anschlie&#223;end energetisch verwertet (verbrannt) werden und das dabei entstehende CO2 aufgefangen und verpresst wird. Beide Verfahren befinden sich bisher eher in einem technischen Versuchsstadium und somit ist deren Leistung und Verf&#252;gbarkeit in dem angedachten Umfang eher theoretischer Natur und keineswegs praktisch gesichert. Sie werden deshalb, vor allem aber wegen ihres immensen Land-, Wasser- und Ressourcenverbrauchs kritisch gesehen, sind jedoch trotzdem Teil der angegebenen Entwicklungspfade.<\/p>\n<p>Grunds&#228;tzlich kann jedoch davon ausgegangen werden, dass umfassendes Geoengineering, also die globale Beeinflussung der Umwelt im gro&#223;en Ma&#223;stab, in diesem IPCC-Bericht abgelehnt wird: In einem Satz (C1.4) werden Techniken des Solar Radiation Managements (SRM) als riskant und unsicher eingesch&#228;tzt, weshalb sie in die hier dargestellten Emissions-Entwicklungspfade nicht einbezogen wurden. Solche Verfahren des Geoengineerings gelten auf Grund ihrer Komplexit&#228;t als nicht beherrschbar und werden von vielen Menschen deshalb grunds&#228;tzlich abgelehnt. Die beispielhaft dargestellten Emissionsminderungspfade sind wie folgt charakterisiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Entwicklungspfad P1 ist gekennzeichnet durch eine schnelle und drastische Verringerung des Energieverbrauchs aber auch einen Anstieg des Lebensstandards, vor allem im globalen S&#252;den. Die Energiequellen werden z&#252;gig dekarbonisiert. Aufforstung ist hier die einzige Methode, um der Atmosph&#228;re CO2 aktiv zu entziehen.<\/li>\n<li>Der Entwicklungspfad P2 orientiert umfassend auf Nachhaltigkeit in allen Bereichen. Er orientiert auf Ausgleich und internationale Kooperation. Erforderlich sind umfassende Aufforstung und eine gesellschaftliche Akzeptanz von BECCS in einem gewissen, begrenzten Umfang.<\/li>\n<li>Der Pfad P3 wird als \u201eMittelweg-Szenario\u201c dargestellt. Er folgt historischen Vorgaben und erfordert eine langsamere Absenkung des Energieverbrauchs. Geoengineering in Form von BECCS muss in gr&#246;&#223;erem Ma&#223;stab Anwendung finden.<\/li>\n<li>Der Entwicklungspfad P4 geht davon aus, dass die Emission von CO2 kurzfristig noch ansteigen und erst relativ sp&#228;t absinken wird. Er ist durch einen treibhausgasintensiven Lebensstil einschlie&#223;lich eines hohen Energieaufwands f&#252;r Mobilit&#228;t gepr&#228;gt. Die Netto-Emissionsreduzierungen kommen haupts&#228;chlich aus der breiten Anwendung von BECCS. Dieser Pfad f&#252;hrt im Gegensatz zu den drei anderen zu einer zwischenzeitlichen Erh&#246;hung der Temperatur bis dicht an 2\u00b0C, was die Gefahr des &#220;berschreitens von Kippunkten (z. B. das Abschmelzen der Polkappen) vergr&#246;&#223;ert, die zu irreversiblen Ver&#228;nderungen f&#252;hren k&#246;nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im unteren Teil der &#220;bersicht ist tabellarisch dargestellt, wie sich die Daten f&#252;r die Emission von Treibhausgasen, den Energieverbrauch, die Zusammensetzung der Prim&#228;r-Energiequellen und andere Daten im Einzelnen entwickeln sollen \u2013 jeweils f&#252;r das Jahr 2030 und 2050. Die Analyse der Zahlen zeigt folgende Auff&#228;lligkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Alle Emissionspfade orientieren auf einen schnellen und drastischen Ausstieg aus der Nutzung von Kohle. Dies sollte f&#252;r Deutschland ein Signal f&#252;r einen sofortigen, schnellen und umfassenden Ausstieg aus der Kohleverstromung sein.<\/li>\n<li>Alle Emissionspfade sehen im Vergleich zu 2010 eine mehr oder weniger deutliche Erh&#246;hung der Nutzung von Kernenergie vor. Angesichts der bekannten Probleme im Zusammenhang mit der Nutzung von Kernenergie, insbesondere mit der ungel&#246;sten Frage der Entsorgung der hochradioaktiven Abf&#228;lle ist dieser Ansatz mehr als fragw&#252;rdig.<\/li>\n<li>Bis auf den ersten Pfad (P1) sehen alle anderen Pfade die Anwendung von Verfahren zur aktiven Entfernung von CO2 aus der Atmosph&#228;re vor. Die betrifft konkret das Bioenergie-CCS (BECCS). Auf Grund der der Unklarheit, ob dieses Verfahren in dem angedachten Umfang &#252;berhaupt technisch funktioniert ist auch dieser Ansatz grunds&#228;tzlich in Frage zu stellen. Hinzu kommt bei BECCS der immense Landverbrauch f&#252;r den Anbau der entsprechenden Energiepflanzen, der dann f&#252;r die Ern&#228;hrung nicht mehr zur Verf&#252;gung steht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insbesondere die zuletzt herausgearbeiteten Fakten des Einsatzes von Kernkraft und von BECCS erwecken den Eindruck, dass hier &#214;konomen und Technokraten am Werk waren, denen es vor allem darauf ankommt L&#246;sungen zu unterbreiten, die das aktuelle kapitalistische Wirtschaftssystem und den damit verbundenen Wachstumsfetisch nur ja nicht in Frage stellen. <\/p>\n<h2>Zielkonflikte und Synergien der Entwicklungspfade und der Ziele f&#252;r nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen<\/h2>\n<p>Im letzten Teil des Berichtes werden die Wechselwirkungen zwischen den aufgezeigten Entwicklungspfaden und den 17 Zielen f&#252;r eine nachhaltige Entwicklung der UN untersucht. Die &#220;bersichtsdarstellung der Ergebnisse erfolgt in Form einer Grafik, die nachfolgend als Auszug dargestellt ist. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1847\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3-231x300.jpg 231w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3-768x998.jpg 768w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3-788x1024.jpg 788w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3-624x811.jpg 624w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/pathways_3.jpg 1326w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>[Quelle: <a href=\"http:\/\/report.ipcc.ch\/sr15\/pdf\/sr15_spm_final.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Grafik<\/a> \u201eIndicative linkages between mitigation options and sustainable development using SDGs\u201c auf Seite 27]<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Bericht wird festgestellt, dass es zahlreiche Synergien wie auch Zielkonflikte zwischen den Entwicklungspfaden hin zu einer Begrenzung der globalen mittleren Temperaturerh&#246;hung auf 1,5\u00b0C und den 17 Zielen f&#252;r eine nachhaltige Entwicklung der UN gibt. Synergien sind vor allem bei den Zielen 3 (Gesundheit), 7 (saubere Energie), 11 (St&#228;dte und Kommunen), 12 (verantwortungsvolle Konsumtion und Produktion) und 14 (Ozeane) sehr wahrscheinlich. Zielkonflikte drohen in den Bereichen 1 (Armut), 2 (Hunger), und 6 (Wasser), wenn die Entwicklungen nicht mit gro&#223;er Sorgfalt gemanagt werden.<br \/>\nDer Entwicklungspfad P1 hat die meisten Synergien und die wenigsten Zielkonflikte und ist insofern der beste der aufgezeigten M&#246;glichkeiten, das 1,5\u00b0C-Ziel zu erreichen. Im Weiteren beschreibt der IPCC-Bericht soziale Gerechtigkeit und reduzierte Ungleichheit als zentrale Aspekte einer klimaresilienten Entwicklung. Auch die Bedeutung der Anwendung von lokalem und indigenem Wissen wird betont.<\/p>\n<p>Als Fazit mag an dieser Stelle dienen, dass es dem IPCC mit diesem Bericht gelungen ist, die Bem&#252;hungen um eine Einhaltung des 1,5\u00b0C-Ziels umfassend zu begr&#252;nden und die Einhaltung einer 2\u00b0C-Grenze als zu gef&#228;hrlich f&#252;r die Menschheit darzustellen. Gleichzeitig werden Wege aufgezeigt, wie das 1,5\u00b0C-Ziel erreicht werden kann. Diese Wege sind jedoch hinsichtlich des vermehrten Einsatzes von Kernkraft und dem erforderlichen Einsatz von Techniken zur aktiven Entfernung von CO2 aus der Atmosph&#228;re (BECCS) als fragw&#252;rdig zu beurteilen.<\/p>\n<p>Die eigentlich l&#228;ngst bekannten M&#246;glichkeiten, unsere gesamte Produktions- und Lebensweise, unseren Lebensstil zu &#228;ndern, die fossilen Brennstoffe einfach im Boden zu lassen, Subventionen klimasch&#228;dlichen Verhaltens abzubauen, Wirtschaftskreisl&#228;ufe zu dezentralisieren und zu regionalisieren, die Landwirtschaft und damit verbunden unsere Ern&#228;hrung umzubauen, und, und, und \u2026 \u2013 die Liste kann beliebig fortgeschrieben werden \u2013 all diese M&#246;glichkeiten fehlen in den angef&#252;hrten Entwicklungspfaden. Sie w&#252;rden sehr wahrscheinlich auch zur Einhaltung des 1,5\u00b0C-Zieles f&#252;hren und die 17 Ziele f&#252;r nachhaltige Entwicklung der UN noch besser treffen als der im Bericht aufgezeigte Entwicklungspfad P1. <\/p>\n<p>In diesem Sinne bleibt nach wie vor viel zu tun.<br \/>\n <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/order\/do-zar.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/gastrointestinal-tract-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/emergency-payday-loans.php\">https:\/\/zp-pdl.com\/emergency-payday-loans.php<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. Oktober 2018 wurde vom Weltklimarat (IPCC) ein Sonderbericht mit dem vollst&#228;ndigen Titel \u201e1,5\u00b0C globale Erw&#228;rmung \u2013 Der IPCC-Sonderbericht &#252;ber die Folgen einer globalen Erw&#228;rmung um 1,5\u00b0C gegen&#252;ber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer St&#228;rkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bem&#252;hungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1843","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1843"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1843\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}