{"id":1437,"date":"2015-07-16T23:53:52","date_gmt":"2015-07-16T21:53:52","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=1437"},"modified":"2021-01-19T10:15:44","modified_gmt":"2021-01-19T08:15:44","slug":"laudato-si-die-enzyklika-des-papstes-diese-welt-gehoert-uns-allen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2015\/07\/laudato-si-die-enzyklika-des-papstes-diese-welt-gehoert-uns-allen\/","title":{"rendered":"\u201eLaudato Si\u201c \u2013 die Enzyklika des Papstes: Diese Welt geh&#246;rt uns allen"},"content":{"rendered":"<p>Ende Juni ver&#246;ffentlichte der Vatikan die <a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/dam\/francesco\/pdf\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si_ge.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Enzyklika des Papstes \u201eLaudato Si\u201c<\/a>.<br \/>\nDie Enzyklika umfasst insgesamt 246 Einzelpunkte (Abs&#228;tze), und ist damit viel zu umfangreich, um an dieser Stelle ausf&#252;hrlich dargestellt werden zu k&#246;nnen. Im Kern geht es in einem ersten Abschnitt um die konkrete Darstellung der &#246;kologischen Krise auf der Basis des aktuellen Standes der Wissenschaft. Darauf folgend wird versucht, die Ebene der Symptome zu verlassen und die tieferen Ursachen dieser Krise darzustellen. Auf dieser Basis wird aus christlicher Sicht eine &#214;kologie vorgeschlagen, \u201edie in ihren verschiedenen Dimensionen den besonderen Ort des Menschen in dieser Welt und seine Beziehungen zu der ihn umgebenden Wirklichkeit einbezieht.\u201c (Abs. 15)<br \/>\nDie Enzyklika stellt die Position der katholischen Kirche zur Problematik des Klimawandels dar. Dabei wird der Problemkreis jedoch deutlich weiter gefasst: Als ein gesellschaftliches Problem, welches grunds&#228;tzlich den Umgang der Menschheit mit der Natur aber auch die Problematik der Armut und der ungleichen Verteilung von G&#252;tern beinhaltet.<\/p>\n<blockquote><p> \u201eDer Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; sie stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar.\u201c (Abs. 25)<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\nDie Gr&#252;nde daf&#252;r werden in den gegenw&#228;rtigen \u201eProduktionsmodellen und Konsumgewohnheiten\u201c (Abs. 26) gesehen. Thematisiert werden dabei in jeweils eigenen Kapiteln ausf&#252;hrlich die Problematik des Klimawandels, der Verf&#252;gbarkeit von Wasser, der Verlust der biologischen Vielfalt sowie die &#220;bernutzung nat&#252;rlicher Ressourcen. In Verbindung damit wird ebenfalls auf die Verschlechterung der Lebensqualit&#228;t und den sozialen Niedergang sowie auf die damit verbundene weltweite soziale Ungerechtigkeit verwiesen. Betont wird die Schw&#228;che der internationalen politischen Reaktion: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel &#252;ber Umweltfragen. Es gibt allzu viele Sonderinteressen, und leicht gelingt es dem wirtschaftlichen Interesse, die Oberhand &#252;ber das Gemeinwohl zu gewinnen und die Information zu manipulieren, um die eigenen Pl&#228;ne nicht beeintr&#228;chtigt zu sehen.\u201c (Abs. 54)<\/p><\/blockquote>\n<p>Beklagt wird des Weiteren eine verbreitete oberfl&#228;chliche Sicht auf die Probleme: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eWenn wir auf den &#228;u&#223;eren Eindruck schauen, hat es, abgesehen von einigen sichtbaren Zeichen der Verseuchung und des Verfalls, den Anschein, als seien die Dinge nicht so schlimm und der Planet k&#246;nne unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen noch lange Zeit fortbestehen. Diese ausweichende Haltung dient uns, unseren Lebensstil und unsere Produktions- und Konsumgewohnheiten beizubehalten. Es ist die Weise, wie der Mensch sich die Dinge zurechtlegt, um all die selbstzerst&#246;rerischen Laster zu pflegen: Er versucht, sie nicht zu sehen, k&#228;mpft, um sie nicht anzuerkennen, schiebt die wichtigen Entscheidungen auf und handelt, als ob nichts passieren werde.\u201c (Abs. 59)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wissenschaftlichkeit der getroffenen Aussagen<\/strong><\/p>\n<p>In der Enzyklika wird die &#220;bereinstimmung der Meinung der katholischen Kirche mit den aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen klar hervorgehoben:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs besteht eine sehr starke wissenschaftliche &#220;bereinstimmung dar&#252;ber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erw&#228;rmung des Klimasystems befinden. [\u2026] [Z]ahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass der gr&#246;&#223;te Teil der globalen Erw&#228;rmung der letzten Jahrzehnte auf die starke Konzentration von Treibhausgasen [\u2026] zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, die vor allem aufgrund des menschlichen Handelns ausgesto&#223;en werden.\u201c (Abs. 23)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ebenso wird die wissenschaftlich wohlbegr&#252;ndete Tatsache hervorgehoben, dass der \u201eintensive Gebrauch fossiler Kraftstoffe\u201c und die \u201ezunehmende Praxis einer ver&#228;nderten Bodennutzung\u201c die haupts&#228;chlichen Ursachen des Klimawandels sind.<\/p>\n<p><strong>Rolle der Politik<\/strong><\/p>\n<p>Die Enzyklika benennt in aller Klarheit die Machtinteressen der politischen Kr&#228;fte, die den Klimawandel leugnen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eViele von denen, die mehr Ressourcen und &#246;konomische oder politische Macht besitzen, scheinen sich vor allem darauf zu konzentrieren, die Probleme zu verschleiern oder ihre Symptome zu verbergen, und sie versuchen nur, einige negative Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren.\u201c (Abs. 26)<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie betont im Weiteren das notwendige Engagement der Zivilgesellschaft, von Nichtregierungsorganisationen und Kooperativen quasi als Gegenpol zu etablierten Politik. Diese sollen neben der Machtkontrolle der Politik einen lokalen, unmittelbaren und konkreten Beitrag zur L&#246;sung der Probleme leisten.<\/p>\n<p><strong>Bekenntnis zu Gemeing&#252;tern<\/strong><\/p>\n<p>An prominenter Stelle bekennt die Enzyklika:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und f&#252;r alle.\u201c (Ans. 23)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wiederholt wird betont, dass die Nutzung der Ressourcen unserer Erde, der Ozeane, der Atmosph&#228;re, der Biosph&#228;re allen Menschen in gleichem Ma&#223;e zusteht. Damit wird das eigentliche Grundproblem der globalen Krise recht klar beschrieben: Die &#220;bernutzung der Ressourcen. Zu einem \u201eglobalen Gemeinwohl\u201c geh&#246;ren Regeln, die von allen gemeinsam festgelegt, eigehalten und &#252;berwacht werden m&#252;ssen. Eine Vereinnahmung durch Deklaration der Ressourcen als Privateigentum ist ethisch durch nichts gerechtfertigt.<br \/>\nDie Bedeutung der Auffassung, dass beispielsweise die Atmosph&#228;re als Gemeingut angesehen werden muss, wird deutlich, wenn man das bekannte 2-Grad-Ziel betrachtet: Eine Erh&#246;hung der mittleren globalen Temperatur um mehr als 2 Grad gegen&#252;ber dem vorindustriellen Niveau soll vermieden werden. Dazu d&#252;rfen maximal nur noch 1.000 Gt Kohlendioxid in der Atmosph&#228;re \u201edeponiert\u201c werden. Jedoch lagert noch ein Vielfaches an fossilen Ressourcen im Boden. Wenn diese nicht mehr genutzt werden d&#252;rften, um das 2-Grad-Ziel einzuhalten, w&#228;ren sie quasi entwertet, die Eigent&#252;mer w&#228;ren enteignet. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Foto_3_zu_4_Carbon_Pricing_gro&#223;.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Foto_3_zu_4_Carbon_Pricing_gro&#223;.png\" alt=\"Foto_3_zu_4_Carbon_Pricing_gro&#223;\" width=\"917\" height=\"613\" class=\"alignnone size-full wp-image-1436\" \/><\/a><br \/>\n[Quelle: <a href=\"http:\/\/www.scilogs.de\/klimalounge\/der-himmel-gehoert-uns-allen-die-neue-enzyklika-des-papstes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klimablog<\/a>]<\/p>\n<p>Die Enzyklika betont, dass <\/p>\n<blockquote><p>\u201edas Privateigentum z.B. an fossilen Ressourcen nur dann ethisch gerechtfertigt ist, wenn es dem Gemeinwohl dient. Die Entwertung der Verm&#246;genswerte stellt somit keine widerrechtliche Enteignung dar, sondern ist legitim, weil sie dem Gemeinwohl dient, n&#228;mlich der Reduzierung der Risiken und Folgen des Klimawandels.\u201c [Quelle: <a href=\"http:\/\/www.scilogs.de\/klimalounge\/der-himmel-gehoert-uns-allen-die-neue-enzyklika-des-papstes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klimablog<\/a>]<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Politiker werden in dieser Hinsicht vermutlich gro&#223;e Probleme haben, diese Sicht auf die Probleme zu teilen. Diese Gesellschaft beruht auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln, wozu auch Ressourcen und Deponiem&#246;glichkeiten geh&#246;ren. Es ist also auch auf der Klimakonferenz in Paris Ende dieses Jahres nicht damit zu rechnen, dass ein Beschluss zur Nutzung der Atmosph&#228;re als Gemeingut mit dem entsprechenden Regelwerk gefasst wird. Die Enzyklika richtet sich deshalb auch an ein breitestm&#246;gliches Spektrum gesellschaftlicher Akteure auf allen Ebenen. Ihre Vernetzung m&#246;ge einen Beitrag leisten, der zur gerechten Bewirtschaftung der globalen Gemeing&#252;ter f&#252;hrt. Dies sollte die wichtigste Aufgabe der nahen Zukunft sein. In diesem Sinne stimme auch ich als Atheist dem Papst voll und ganz zu.<br \/>\n <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/zaymi-na-kartu-blog-single.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/surgery-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/\">https:\/\/zp-pdl.com<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Juni ver&#246;ffentlichte der Vatikan die Enzyklika des Papstes \u201eLaudato Si\u201c. Die Enzyklika umfasst insgesamt 246 Einzelpunkte (Abs&#228;tze), und ist damit viel zu umfangreich, um an dieser Stelle ausf&#252;hrlich dargestellt werden zu k&#246;nnen. 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