{"id":127,"date":"2009-07-22T14:54:30","date_gmt":"2009-07-22T12:54:30","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=127"},"modified":"2021-01-19T10:26:31","modified_gmt":"2021-01-19T08:26:31","slug":"fuer-und-wider-desertec","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2009\/07\/fuer-und-wider-desertec\/","title":{"rendered":"F&#252;r und wider DESERTEC"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Projekt ist von Beginn an so umstritten wie DESERTEC. Hier scheiden sich auch die Geister, die grunds&#228;tzlich in dieselbe regenerative Energiezukunft wollen wie IPPNW und Greenpeace. Es geht nicht mehr allein darum, sich f&#252;r erneuerbare, insbesondere Solarenergie einzusetzen, sondern es scheint auch verh&#228;ngnisvolle Tendenzen zu geben in diesem Bereich und DESERTEC steht f&#252;r viele daf&#252;r.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<img src='http:\/\/www.thur.de\/philo\/bilder\/blogs\/desertec.jpg' alt='Supergrid f&#252;r das Projekt DESERTEC ' class='aligncenter' \/><br \/><font size=\"-2\"><br \/>\nSupergrid f&#252;r das Projekt DESERTEC (Quelle: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trans-Mediterranean_Renewable_Energy_Cooperation\">Wikipedia: DESERTEC<\/a>)<\/font><\/p>\n<p>DESERTEC stellt sich die Aufgabe, ein Sechstel des f&#252;r 2050 prognostizierten Stromverbrauchs f&#252;r Europa durch solar-thermische Anlagen im Nahen Osten und in Nordafrika zu erzeugen und &#252;ber ein verlustarmes \u201eSupergrid\u201c nach Europa zu liefern. Das w&#228;ren ca. 700 Milliarden kWh. Leitungsverluste sind mit Gleichstromnetzen sehr gering (3% auf 1000 km) und die 2-3 fach h&#246;here Sonneneinstrahlung in den Erzeugungsgebieten gleicht den erh&#246;hten Transportaufwand mehr als aus. <\/p>\n<p>Damit will DESERTEC \u201eeine integrierte L&#246;sung f&#252;r eine Reihe von globalen Kernproblemen der kommenden Jahrzehnte: Energiemangel, Wassermangel, Nahrungsmittelknappheit und Klimawandel\u201c (<a href=\"http:\/\/www.desertec.org\/fileadmin\/downloads\/DESERTEC_RedPaper_2nd_de.pdf \">DESERTEC: Red Paper<\/a>) bieten.  <\/p>\n<p><img src='http:\/\/www.thur.de\/philo\/bilder\/blogs\/desertec2.jpg' alt='Funktionsweise der Funktionsweise der thermischen Solarenergieproduktion ' class='aligncenter' \/><br \/>\n<br \/><font size=\"-2\"><br \/>\nFunktionsweise der Funktionsweise der thermischen Solarenergieproduktion (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QXURvISjh2A\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QXURvISjh2A<\/a>) <\/font><\/p>\n<p>Die technische Grundlage besteht in solarthermischen Kraftwerken (CSP: Concentrating Solar Power). Gro&#223;e Spiegel, die mit der Sonne nachgef&#252;hrt werden, b&#252;ndeln das Licht wie in einem Brennglas. Im Fokus k&#246;nnen aus der konzentrierten Energie  Stoffe erhitzt und die entstehenden D&#228;mpfe in Turbinen zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Als besonders vorteilhaft wird die Speicherm&#246;glichkeit von erhitzten Stoffen, z.B. Salzen, bewertet, die &#252;ber Nacht den am Tag gespeicherten Strom abgeben k&#246;nnen. <\/p>\n<p>DESERTEC bietet sich deshalb als optimale Erg&#228;nzung im entstehenden erneuerbaren Energiemix der Zukunft an.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDa die heimischen, regelbaren erneuerbaren Energiequellen begrenzt sind, ist der Import von gut speicher- und regelbarem Solarstrom (\u201cStrom nach Bedarf\u201c) eine ideale Erg&#228;nzung zum heimischen Energiemix.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.desertec.org\/de\/konzept\/faq\/ \">DESERTEC-FAQ<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Kritisiert wird an dieser Initiative vor allem ihr zentralistischer Charakter. Demnach wollen die Energieversorgungs-Saurier auf den Trend zu erneuerbaren Energien aufspringen, ohne ihre Macht strukturell aufgeben zu m&#252;ssen. Hermann Scheer meint dazu: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eVor allem aber geht es um &#246;konomische Strukturen. Wie s&#228;he unsere Wirtschaftsstruktur aus, wenn alle Produktionen mittelst&#228;ndischer Firmen ersetzt w&#252;rden durch Gro&#223;konzerne, weil diese durch Massenfertigung zu niedrigen St&#252;ckkosten kommen k&#246;nnen? Die Wirtschaft w&#228;re weniger innovativ, es g&#228;be Preisdiktate, ganze Wirtschaftsregionen w&#252;rden versteppen und die Verkehrsstr&#246;me zunehmen, und es g&#228;be weniger Arbeitspl&#228;tze. Eine nur mit erneuerbaren Energien m&#246;gliche Dezentralisierung der Stromerzeugung in vielen H&#228;nden mit einem Comeback der Stadtwerke erm&#246;glicht &#252;berall regionale Wertsch&#246;pfung.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/debatte\/1804073_Solarexperte-Scheer-ueber-Desertec-Wir-brauchen-keinen-Sahara-Strom.html&#038;em_comment_page=2\">Scheer 2009a<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Und weiter: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs ist ein fundamentaler volkswirtschaftlicher Unterschied, ob sie dezentral produziert werden, die Wertsch&#246;pfung also dezentral erfolgt, oder durch Gro&#223;kraftwerke mit konzentrierter monopolisierter Wertsch&#246;pfung.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.eurosolar.de\/de\/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=1143&#038;Itemid=273\">Scheer 2009b<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine &#228;hnliche Kritik vertritt der IPPNW:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Gesch&#228;ftsmodell der W&#252;stenstromerzeugung ist identisch mit dem bei fossilen und nuklearen Gro&#223;kraftwerken: Der durch staatliche Subventionen und Privilegien relativ g&#252;nstig erzeugte Strom wird zu weit &#252;berh&#246;hten Preisen an die Bev&#246;lkerung verkauft.\u201c (<a href=\"Der durch staatliche Subventionen und Privilegien relativ g&#252;nstig erzeugte\">IPPNW 2009<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dem wird in vielen Meldungen pro DESERTEC vehement widersprochen: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eOhne gro&#223;industrielle Initiativen sind Zukunftstechnologien in keinem Sektor zu stemmen \u2013 ob es um Computertechnik, Mobilit&#228;t oder Energieproduktion geht. Erg&#228;nzend dazu ist nat&#252;rlich eine dezentrale, zum Beispiel kraft-w&#228;rme-gekoppelte Energieerzeugung denkbar. Ohne die Nutzung von gro&#223;industriellen Skaleneffekten aber ist die Umstellung der Weltenergieproduktion auf CO2-freie, regenerative Energieproduktion nicht ernsthaft darstellbar.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article4113029\/Wuestenstrom-bedroht-deutsche-Solardaecher.html\">Wetzel u.a., Welt-Online<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Vorteil von DESERTEC besteht eindeutig in der Behebung des Speicher- und Grundlastdefizits der unregelm&#228;&#223;igen regionalen erneuerbaren Energien und gleichzeitig scheint die Beschr&#228;nkung auf lediglich 15 % bis 20 % Anteil des Imports an der Nutzung erneuerbarer Energien hier vor Ort den Vorwurf der zentralistischen Monopolisierung zu widerlegen.<br \/>\n<img src='http:\/\/www.thur.de\/philo\/bilder\/blogs\/desertec3.gif' alt='Entwicklung der Anteile verschiedener Energiequellen f&#252;r Europa' class='aligncenter' \/><br \/>\n<br \/><font size=\"-2\"><br \/>\nEntwicklung der Anteile verschiedener Energiequellen f&#252;r Europa (<a href=\"http:\/\/www.dlr.de\/tt\/Portaldata\/41\/Resources\/dokumente\/institut\/system\/projects\/TRANS-CSP_Full_Report_Final.pdf\">DLR: TRANS-CSP<\/a>: 115) <\/font><\/p>\n<p>Schauen wir uns diese Abbildung genauer an, so sehen wir, dass tats&#228;chlich die erneuerbaren Energien in Europa selbst auch weitere Anteile an der Energieproduktion gewinnen. Allerdings stellt DESERTEC tats&#228;chlich ein Stoppschild f&#252;r einige ambitionierte Pl&#228;ne der Photovoltaik dar. Die Photovoltaik wird eindeutig nicht ab 2015 zu \u201eeiner Hauptenergiequelle\u201c (<a href=\"http:\/\/www.q-cells.com\/medien\/ir\/hauptversammlung\/2009\/QCE_hv_2009_ceo_deutsch.pdf\">Milner 2009<\/a>) werden. Gerhard Stryi-Hipp, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) geht davon aus, dass Photovoltaik langfristig 30 % des Strombedarfs decken kann (<a href=\"http:\/\/www.fvee.de\/fileadmin\/publikationen\/Themenhefte\/th2007\/th2007_09.pdf\">Podiumsdiskussion 2007<\/a>: 153). Anton Milner plant mit einer photovoltaischen Stromproduktion von 210 bis 420 TWh bereits f&#252;r 2020 (<a href=\"http:\/\/www.epia.org\/index.php?id=284\">Milner 2008<\/a>) \u2013 Der DESERTEC-Plan sieht aber sogar f&#252;r 2050 lediglich ca. 200 TWh f&#252;r die PV vor. F&#252;r viele Investoren mag deshalb DESERTEC eine Alternative gegen&#252;ber der doch recht riskanten Anlage im Bereich der Photovoltaik, in der es gerade einen starken Verdr&#228;ngungswettbewerb gibt, sein \u2013 was wiederum den PV-Bef&#252;rwortern nat&#252;rlich nicht gelegen kommt. <\/p>\n<p>Energiewirtschaftlich gesehen macht es jedoch durchaus Sinn, diejenigen Energiequellen bevorzugt zu verwenden, die h&#246;here Energiedichten vorweisen k&#246;nnen, wenn der Transportaufwand vertretbar ist. Wenn es keine politischen Unruheherde und keine Profitdominanz in der Wirtschaft g&#228;be, k&#246;nnte eine optimale Erg&#228;nzung der verschiedenen regenerativen Energiequellen Synergieeffekte hervorbringen, die allerdings eine grundlegend andere Wirtschaftsstruktur voraus setzen. Dann w&#252;rde sich z.B. nicht mehr die Energienachfrage nach den Produktionserfordernissen richten m&#252;ssen, sondern die Produktion k&#246;nnte intelligent entsprechend der gerade anfallenden regenerativen Energie gesteuert werden. Au&#223;erdem k&#246;nnten dann &#214;ko- und Life-Cycle-Bilanzen f&#252;r die jeweiligen Energietechniken zu Rate gezogen werden (vgl. <a href=\"http:\/\/philosophenstuebchen.wordpress.com\/2009\/07\/07\/ist-photovoltaik-umwelt-und-klimavertraglich\/\">Schlemm 2009<\/a>), um wirklich eine &#246;kologisch optimale Energieversorgung zu erm&#246;glichen, anstatt solche Entscheidungen den Marktkr&#228;ften und dem Lobbyismus zu &#252;berlassen. <\/p>\n<p>Es ist also insgesamt nicht einfach, hier eine fundierte Position zu beziehen. Bef&#252;rworter wie Gegner haben Argumente auf ihrer Seite. Rein technisch, organisatorisch bzw. finanztechnisch haben die Gegenargumente wenig Bestand \u2013 bedeutsamer erscheinen mir die Fragen der energetischen Machtpolitik. Es zeigt sich, dass auch in der Energiepolitik nicht automatisch eine anscheinend progressive Technologieform eine bessere Wirtschaftsweise mit sich bringt, sondern die Frage der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und wirtschaftlichen Machtpositionen ein eigenst&#228;ndiges Problemfeld darstellt.<br \/>\n <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/offers-zaim\/ezaem-zaim-online-za-15-minut.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/urinary-tract-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/how-to-get-fast-payday-loan-online.php\">https:\/\/zp-pdl.com\/how-to-get-fast-payday-loan-online.php<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Projekt ist von Beginn an so umstritten wie DESERTEC. 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