{"id":103,"date":"2009-12-15T23:52:49","date_gmt":"2009-12-15T21:52:49","guid":{"rendered":"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/?p=103"},"modified":"2021-01-19T10:24:56","modified_gmt":"2021-01-19T08:24:56","slug":"kernenergie-ist-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/2009\/12\/kernenergie-ist-keine-loesung\/","title":{"rendered":"Kernenergie ist keine L&#246;sung&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Annette betont in ihrem Artikel <a href=\"http:\/\/philosophenstuebchen.wordpress.com\/2009\/03\/12\/gaia-nemesis\/\">&#8222;Gaias Rache&#8220;<\/a> zurecht, dass nur eine &#196;nderung unserer Lebensweise zu einer L&#246;sung der Probleme f&#252;hren kann, die un&#252;bersehbar vor uns stehen.<\/p>\n<p>Angesichts der in diesem Jahr anstehenden Bundestagswahl und des in diesem Zusammenhang von der Kernkraft-Lobby gehegten Wunsches, den Atomkonsens \u2013 kein Neubau von Kernkraftwerken und schrittweise Abschaltung der bestehenden Kernkraftwerke nach Erreichung ihrer technischen Nutzungsdauer \u2013 aufzuk&#252;ndigen, sei es mir an dieser Stelle noch einmal gestattet, auf einige Argumente der Kernkraft-Bef&#252;rworter zu entgegnen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>1. Strom aus Kernenergie belastet die Umwelt nicht mit CO2 und ist deshalb quasi als \u201egr&#252;ner\u201c Strom anzusehen und ein Beitrag zur Reduzierung der Klimaver&#228;nderungen.<\/strong><\/p>\n<p>Nun, das trifft auf den unmittelbaren Betrieb eines Kernkraftwerkes tats&#228;chlich zu. Jedoch ist die Frage zu stellen, wie denn das Kraftwerk gebaut wurde \u2013 wird dabei keine Energie gebraucht, fahren dabei keine Fahrzeuge, die Abgase emittieren? Auch die Frage, wie der Kernbrennstoff in der technisch n&#246;tigen Form (angereichertes Uran) in den Reaktor kommt wird freundlicherweise gar nicht erst gestellt. Wer einmal Bilder von einem Uran-Tagebau in Australien gesehen hat, ahnt, wieviel CO2 dabei und beim Transport nach Europa und der dann n&#246;tigen Aufbereitung freigesetzt wird. Richtig ist bestenfalls die Aussage, dass die beim Betrieb eines Kernkraftwerkes &#252;ber seine gesamte Betriebsdauer erzeugte Elektroenergie mit deutlich weniger CO2\u2013Emissionen verbunden ist, als w&#228;re die gleiche Energiemenge beispielsweise durch Kohleverbrennung erzeugt worden. Diese Aussage trifft aber beispielsweise auf durch Windkraftanlagen erzeugten Strom genauso zu.<\/p>\n<p><strong>2. Kernkraftwerke sind eine sichere Technologie zur Elektroenergieerzeugung.<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle muss diskutiert werden, was unter dem Begriff \u201eSicherheit\u201c verstanden werden soll. Wenn darunter verstanden wird, dass es inzwischen eine ganze Menge Erfahrungen mit dem Bau und Betrieb von Kernkraftwerken weltweit gibt und deshalb der &#252;bliche Betrieb solcher Anlagen technisch beherrscht wird, dann ist diese Aussage sicher richtig. Wird aber unter \u201esicherer Technologie\u201c die Wahrscheinlichkeit verstanden, dass es zu Betriebsst&#246;rungen mit unterschiedlich schweren Auswirkungen kommen kann, dann ist diese Aussage falsch. Die Wahrscheinlichkeit daf&#252;r ist nicht Null. Und dann, und nur dann, d&#252;rfte der Begriff \u201eSicherheit\u201c verwendet werden. <\/p>\n<p>Und hier setzen die Folgeprobleme an: Wenn ein Windrad zusammenbricht, dann kann das durchaus gro&#223;en Schaden anrichten, auch Menschenleben fordern. Wenn hingegen ein Kernkraftwerk \u201ezusammenbricht\u201c (egal, warum, und sei es, weil ein Passagierflugzeug darauf herunterf&#228;llt), dann wird eine ziemlich gro&#223;e Region f&#252;r etliche (hunderte!?) Jahre unbewohnbar. Die Folgen des GAUs eines Kernkraftwerkes (Gr&#246;&#223;ter Anzunehmender Unfall \u2013 ein Terminus Technicus in der Kernkraft-Technologie) sind, im Gegensatz zum \u201eGAU\u201c eines Windrades, nicht mehr beherrschbar. <\/p>\n<p>Dass dies auch praktisch so gewertet wird, zeigt sich in der Tatsache, dass sich auf der ganzen Welt kein Versicherer findet, der ein Kernkraftwerk versichern w&#252;rde. Hier muss der Staat einspringen und f&#252;r die nicht versicherbaren Risiken durch Staatshaftung einstehen. Und: Wer w&#252;rde Versicherungsmathematikern wohl unterstellen, dass sie sich mit Wahrscheinlichkeiten nicht auskennen w&#252;rden? <\/p>\n<p>Ich verstehe Sicherheit im Zusammenhang mit Kernkraft jedenfalls in dem dargestellten technischen Sinne und in keinem Anderen. Deshalb ist eine Aussage, die Kernkraft sei sicher, aus meiner Sicht falsch und bedarf zumindest der klaren Erl&#228;uterung seitens der Bef&#252;rworter, was damit gemeint ist.<\/p>\n<p><strong>3. Die Problematik der strahlenden Abf&#228;lle wird gel&#246;st.<\/strong><\/p>\n<p>Nun ja. Im Moment regiert bei solch einer Aussage wohl eher das Prinzip Hoffnung. Ein Endlager ist weltweit nirgendwo vorhanden. Die Frage, wie strahlender M&#252;ll &#252;ber viele tausende von Jahren \u201esicher\u201c verwahrt werden kann, ist ungekl&#228;rt. Versuche, mit der Einlagerung in Salzst&#246;cken sind im Fall der Asse offensichtlich fehlgeschlagen und im Fall von Gorleben nicht beendet. Bleibt die Hoffnung, die strahlenden Abf&#228;lle mit Hilfe des sogenannten Transmutationsverfahrens kernphysikalisch in andere Elemente umzuwandeln, deren Strahlung weniger problematisch ist und vor allem eine k&#252;rzere Halbwertszeit hat. Jedoch ist das entsprechende kerntechnische Verfahren zwar theoretisch bekannt, praktisch aber noch nicht erprobt. Und ob das Verfahren in absehbarer Zeit (20 Jahre?) zur Verf&#252;gung stehen wird, ist angesichts der ingenieurtechnischen Probleme eher unwahrscheinlich. <\/p>\n<p>In vielen Aussagen wird die Situation des Umgangs mit den kerntechnischen Abf&#228;llen verglichen mit der eines Flugzeugs, welches sich bereits in der Luft befindet und f&#252;r das die Landebahn noch gar nicht gebaut wurde. Ich finde diesen Vergleich recht treffend.<\/p>\n<p><strong>4. Mit der Kernkraft leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung; wir ben&#246;tigen einen \u201egesunden\u201c Energiemix.<\/strong><\/p>\n<p>Begr&#252;ndet wird das mit der Bedeutung der vermittels Kernkraft erzeugten Elektroenergie, die f&#252;r uns unverzichtbar sei. 2007 wurden in Deutschland insgesamt 636,5 TWh Elektroenergie erzeugt, davon 140,5 TWh, entsprechend 22,1% aus Kernkraftanlagen <a href=\"http:\/\/www.agenda21-treffpunkt.de\/daten\/Atomenergie.htm\">(http:\/\/www.agenda21-treffpunkt.de\/daten\/Atomenergie.htm)<\/a>. Demnach m&#252;ssten etwas mehr als ein F&#252;nftel der gesamten Elektroenergieerzeugung der Bundesrepublik ersetzt werden. In anderen L&#228;ndern w&#228;re das noch deutlich mehr (Frankreich). Und das sei mit regenerativen Energien nicht m&#246;glich. <\/p>\n<p>Soweit so gut. Jedoch ist es mit den Zahlen, insbesondere mit einer (statistischen) Bewertung von Zahlen so eine Sache. Die obige Aussage trifft n&#228;mlich nur f&#252;r Elektroenergie zu. Betrachten wir einmal unseren gesamten Energieeinsatz, sehen die Zahlen deutlich anders aus: Hier betr&#228;gt der Einsatz von Kernkraft lediglich 11% <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Navigation\/Energie\/energiestatistiken.html\">(http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Navigation\/Energie\/energiestatistiken.html)<\/a>. Weltweit sogar nur etwa 6%. Und: Wenn die Art der ben&#246;tigten Energie betrachtet wird, so zeigt sich ein weiteres Ph&#228;nomen: Etwa zwei Drittel des gesamten Energiebedarfs werden in Form von W&#228;rme ben&#246;tigt: Raumw&#228;rme, Prozessw&#228;rme und Warmwasserbereitung. Und Energie f&#252;r den Transport von Personen und G&#252;tern ist auch nicht &#252;berwiegend Elektroenergie. <\/p>\n<p>Alles in allem werden etwa 20% des Endenergieverbrauchs in Form von Elektroenergie verbraucht. Insgesamt betr&#228;gt also der Anteil der Kernenergie am Endenergie-Einsatz in Deutschland etwa 3%. Denn: W&#228;rme und Strom haben eigentlich nicht unbedingt etwas miteinander zu tun, wenn uns das auch die uns&#228;gliche Anmache der Elektroheizk&#246;rper-Hersteller glauben machen m&#246;chte\u2026<\/p>\n<p>Und hier findet sich m. E. auch der bedeutendste Ansatz: Was liegt n&#228;her, als einfach den Energieverbrauch absolut zu verringern? Und zwar ohne Einschr&#228;nkungen unserer Lebensqualit&#228;t! W&#228;rmed&#228;mmung w&#228;re der erste Stichpunkt. Leerlaufverluste durch Standby verringern und effiziente Haushaltsger&#228;te verwenden w&#228;ren ein zweiter Stichpunkt. Und: ein weiterer Stichpunkt sind Verringerungen der Verluste bei der Erzeugung und beim Transport der ben&#246;tigten Energie. Gut ein Viertel der eingesetzten Energie sind Umwandlungsverluste, wie aus der nebenstehenden Grafik deutlich erkennbar ist (<a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt-umwelt-deutschland.de\">www.umweltbundesamt-umwelt-deutschland.de<\/a>). <\/p>\n<p><a href='http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/energiefluss-d-2007.gif'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/energiefluss-d-2007-248x300.gif\" alt=\"Energieflussdiagramm f&#252;r Deutschland 2007\" title=\"energiefluss-d-2007\" width=\"248\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-104\" srcset=\"https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/energiefluss-d-2007-248x300.gif 248w, https:\/\/zw-jena.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/energiefluss-d-2007.gif 636w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und wie ordnet sich hier die Kernkraft ein? \u2013 Leider sehr ung&#252;nstig. Kernkraftwerke erzeugen Elektroenergie &#252;ber den Umweg Dampf: Der Kernreaktor erzeugt Dampf, welcher Turbinen antreibt die wiederum Generatoren antreiben, die die Elektroenergie erzeugen. Am Ende bleiben dabei etwa zwei Drittel der eingesetzten Energie \u201eauf der Strecke\u201c, m&#252;ssen also als Abw&#228;rme \u201eentsorgt\u201c werden. Meist werden damit Fl&#252;sse beheizt oder mit riesigen K&#252;hlt&#252;rmen wird lokal ein besonderes Klima geschaffen\u2026<\/p>\n<p>Nun haben Kernkraftwerke keine unerhebliche elektrische Leistung, da ein Kernreaktor nicht beliebig klein gebaut werden kann. Sie liegt in der Gr&#246;&#223;enordnung von etwa einem Gigawatt. Das bedeutet, dass etwa zwei Gigawatt permanent als Abw&#228;rme anfallen. Einfach so als Abw&#228;rme, denn genutzt werden kann so eine gewaltige W&#228;rmemenge an einem Ort nicht. Vielleicht k&#246;nnte man ja eine Gro&#223;stadt damit per Fernw&#228;rme beheizen. Aber: Dann m&#252;sste das Kernkraftwerk mitten in der Gro&#223;stadt stehen!? W&#228;re das in Deutschland konsens- und genehmigungsf&#228;hig? Also: Das wird nichts. <\/p>\n<p>W&#228;re das Kraftwerk hingegen hinreichend klein, w&#252;rde es &#252;berhaupt kein Problem darstellen, sowohl die \u201eAbw&#228;rme\u201c als auch die Elektroenergie zu nutzen. Das wird als Kraft-W&#228;rmekopplung bezeichnet und bedeutet indirekt eine deutliche Verbesserung des Gesamtwirkungsgrades, einfach, weil mehr von der eingesetzten Energie genutzt wird. Das ist damit also ein bedeutender Energie-Einspar-Beitrag. Das geht aber nur dezentral, in kleinen Einheiten, wo die Energie auch tats&#228;chlich im Wesentlichen so ben&#246;tigt wird, wie sie anf&#228;llt. <\/p>\n<p>Hier versagt das Konzept der Kernkraft grunds&#228;tzlich und ist damit auch nicht nachhaltig. In ein Energiespar-Szenario passt Kernkraft also prinzipiell nicht hinein. Andersherum: Wer den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke fordert oder gar neue Kernkraftwerke bauen will, hat mit Energieeinsparung offensichtlich nichts am Hut. Hier geht es wohl nur um eines: Strom verkaufen und Gewinne machen auf Kosten unserer Zukunft.<\/p>\n<p>Es sollte also kein Problem darstellen, etwa 3% unseres gesamten End-Energieverbrauches einzusparen, ohne dabei an Lebensqualit&#228;t einb&#252;&#223;en zu m&#252;ssen. Das w&#228;ren dann genau der Anteil der Kernkraft. Wen das alles noch genauer interessiert, den m&#246;chte ich auf die <a href=\"http:\/\/www.zw-jena.de\/energie\/energie.html\">Energiethesen<\/a> der Zukunftswerkstatt Jena verweisen. <a href=\"https:\/\/credit-n.ru\/order\/zaim-ryabina.html\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.otc-certified-store.com\/cancer-medicine-europe.html\"><\/a> <span style=\"position:absolute;visibility: collapse;\"><a href=\"https:\/\/zp-pdl.com\/\">zp-pdl.com<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annette betont in ihrem Artikel &#8222;Gaias Rache&#8220; zurecht, dass nur eine &#196;nderung unserer Lebensweise zu einer L&#246;sung der Probleme f&#252;hren kann, die un&#252;bersehbar vor uns stehen. 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